Tödliche Duschbakterien

Mieter zahlen selber für teure Legionellen-Suche

Ab November müssen Vermieter ihre Warmwasseranlagen regelmäßig auf Legionellen untersuchen. Das ist notwendig für die Gesundheit, aber schlecht für die Kasse.

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Unzählige Vermieter haben noch keine Ahnung von ihren neuen Pflichten: Künftig stehen sie in der Verantwortung, dass sich in den Warmwasseranlagen für Millionen deutsche Mietwohnungen keine gesundheitsschädlichen Bakterien tummeln.

Jährliche Wasserproben in den Mietshäusern sollen gefährliche Legionellen aufspüren. So will es jetzt die neue Trinkwasserverordnung, die am 1. November in Kraft tritt. Da komme ein Riesenaufwand auf alle Beteiligten zu, sagt Gerold Happ, Jurist beim Eigentümerverband Haus & Grund. Die Kosten von einigen Hundert Euro im Jahr müssen letztlich die Mieter tragen.

Der Grund für die Aufregung ist mit bloßem Auge nicht zu erkennen: Legionellen sind winzige Bakterien, die mitunter tödlich verlaufende Lungenentzündungen auslösen können. Sie werden nicht etwa beim Trinken aufgenommen, sondern beim Duschen eingeatmet. Die Temperatur im Boiler sollte immer 60 Grad betragen. Wird sie aus Energiespargründen auf unter 50 Grad heruntergefahren, können sich die Keime optimal vermehren.

Warmwasseranlage im Keller

In Krankenhäusern oder Schwimmbädern wird das Wasser schon lange auf die Erreger getestet. Jetzt sollen jedoch die Leitungen in den über zwei Millionen Mehrfamilienhäusern jährlich auf den Prüfstand. Für Vermieter heißt das: Ab November müssen sie sich zunächst einmal bei ihrem Gesundheitsamt melden, wenn sie eine Warmwasseranlage ab 400 Liter im Keller haben. Oder Warmwasserleitungen mit mehr als drei Liter Inhalt zwischen Großboiler und Wasserhahn. Das betrifft allerdings so gut wie alle vermieteten Mehrfamilienhäuser bundesweit.

Wie die Behörden das Ganze überwachen und der Datenflut Herr werden sollen, ist allerdings noch völlig offen. Allein in München müssten sich die Vermieter von mehr als 50.000 Mehrfamilienhäusern melden, sagt Hubert Maiwald, Umweltmediziner beim Gesundheitsamt München. Wer die Mehrarbeit stemmen soll, sei unklar.

Die bislang sechsköpfige Abteilung brauche hochgerechnet 50 Hygienekontrolleure und einen Arzt mehr, um den Aufwand nur für München bewältigen zu können. „Gut gemeint, aber wenig durchdacht“, winkt Mediziner Maiwald jetzt schon ab.

„Wir empfehlen trotzdem, der Meldepflicht nachzukommen“, sagt Verbandsexperte Happ. Ein vorsätzliches Aussitzen könne als Ordnungswidrigkeit geahndet werden – sollte das Kontrollsystem irgendwann einmal funktionieren. Laut Novelle macht sich strafbar, wer seinen Mietern vorsätzlich oder fahrlässig verseuchtes Wasser zur Verfügung stellt. Verstöße können mit bis zu zwei Jahren Gefängnis oder Geldstrafe geahndet werden.

Sanitärbetrieb zieht Wasserproben

Auch dem zweiten Schritt solle sich besser niemand entziehen. Der heißt: Einen Sanitärbetrieb engagieren, der die Wasserproben offiziell zapfen darf. Bei einem sechsstöckigen Mietsgebäude beispielsweise an einem Wasserhahn im Keller, in einem Bad im zweiten und schließlich noch an einem Duschkopf im obersten Stock. Die Proben gehen dann zur Untersuchung in ein Labor. Auch das muss amtlich registriert sein. Listen mit Adressen von zugelassenen Betrieben können bei den Gesundheitsämtern erfragt werden.

Der Kampf gegen die Legionellen erhöht die Nebenkosten für Millionen Mieter. Sie sind es, die am Ende zur Kasse gebeten werden. Die jährliche Kontrolle kostet ein paar Hundert Euro, je nach Hausgröße, Fachbetriebs- und Laborkosten, einmalige Montagen noch nicht mitgerechnet. Diese Ausgaben dürfen dann als Nebenkosten auf die Mieter umgelegt werden.