Abgewickelter Fonds

Riesenrad-Anleger können auf Schadenersatz hoffen

Die Riesenräder sollten das große Geld bringen, doch das Projekt scheiterte. Die Deutsche Bank musste bereits einige Anleger entschädigen.

Foto: picture alliance / dpa Themendie / picture alliance

Riesige Rendite mit riesigen Rädern – so lautete das Versprechen. Im Herbst 2006 hatte die Deutsche Bank ihren Kunden einen geschlossenen Fonds mit dem Namen „Global View“ schmackhaft gemacht, mit dem sie sich unternehmerisch an Bau und Betrieb von Riesenrädern in Berlin, Peking und Orlando beteiligen konnten.

Eine „Eigenkapitalrendite von mindestens zehn Prozent vor Steuern pro Jahr“ sollten die Touristenattraktionen bringen. Aufgelegt und verwaltet wurde der Fonds von der ABN-Amro-Tochter DBM Fondsinvest.

Doch das Projekt ging schief, die Riesenräder wurden nie gebaut, es entstanden nichts als Kosten – für die Vergütung der Fondsvertreiber, von Anwälten, Beratern und Dutzenden anderer Beteiligter.

Am Ende wurde der Fonds abgewickelt und die Deutsche Bank bot den rund 9000 Geschädigten 60 Prozent des ursprünglichen Einsatzes an. Die meisten akzeptierten dies, rund 1000 gaben sich damit jedoch nicht zufrieden und zogen vor Gericht. Ein Ehepaar aus Bielefeld hat dort nun einen wegweisenden Erfolg erzielt – sie erhalten ihren gesamten Einsatz zurück, plus Zinsen.

Deutsche Bank weist Vorwürfe zurück

Die beiden hatten je 15.000 Euro in den Fonds investiert. Sie klagten, weil ihnen zuvor nicht dargelegt worden sei, dass die Finanzierung für das Rad in Peking noch gar nicht stand. An dieser Finanzierung scheiterte später im Wesentlichen das Projekt. Hätten sie gewusst, wie unsicher das Vorhaben sei, hätten sie nicht investiert, so die Argumentation. Deutsche Bank und DBM Fonds Invest wiesen das jedoch mit Verweis auf den Fondsprospekt zurück. Dort seien alle Risiken ausreichend dargelegt worden.

Im Juli informierte das Landgericht Frankfurt per Beschluss die streitenden Parteien, dass nach vorläufiger Einschätzung „die Angaben in dem streitgegenständlichen Prospekt zu den Risiken der Finanzierung des Projekts in Peking nicht ausreichend sein“ dürften.

Damit war klar: Das Gericht wird den Klägern wohl Recht geben. Um dem zuvorzukommen, erkannten die Deutsche Bank und DBM Fonds Invest nun vor wenigen Tagen alle Ansprüche der Kläger an – diese erhalten daher sowohl ihren kompletten Einsatz als auch die entgangenen Gewinne zurück.

„Wichtig dabei ist, dass es weder in der Klage noch in dem Beschluss des Gerichts um individuelle Aufklärungsmängel ging“, sagt Rechtsanwalt Tilman Langer von der Kanzlei Ferber Langer, der die Kläger vertrat. Es ging allein um Fehler des Prospekts, und diese betreffen somit alle Anleger.

Geschädigte müssen vor Gericht ziehen

Die Deutsche Bank und die DBM Fonds Invest hätten mit der Anerkennung der Ansprüche des Ehepaars faktisch auch das Bestehen derartiger Mängel anerkannt. „Das ist für alle Anleger bedeutsam, sogar für diejenigen, die das 60-Prozent-Angebot angenommen hatten“, sagt Langer. „Denn unter diesen Umständen werden sich die Deutsche Bank und DBM Fonds Invest schwer tun, die Anleger auch weiterhin auf einem Verlust von 40 Prozent sitzen zu lassen.“

Die Deutsche Bank bestreitet jedoch, dass es aus der Einigung irgendwelche Folgen für andere Fälle gebe. Es bleibe ein Einzelfall, erklärt man dort. Und ob es Prospektfehler gegeben habe, sei nach wie vor nicht klar. Bei DBM Fonds Invest will man sich gar nicht zum Fall äußern.

In der Tat: Einen Rechtsanspruch gibt es für andere Geschädigte nicht, auch weil ein Urteil, das die entscheidenden Fragen klären würde, durch die Anerkenntnis verhindert wurde. Wer daher als Geschädigter ebenfalls sein Geld zurückhaben will, muss weiterhin erst einmal selbst vor Gericht ziehen.

Und jene, die das 60-Prozent-Angebot angenommen haben, müssten zudem erst einmal dahingehend Klage erheben, dass sie mit jenem Angebot arglistig getäuscht worden seien. Das ist schwierig. Allerdings erhöht sich nun der moralische Druckauf Fondsinitiator und -vertreiber. Denn belassen sie es bei den 60 Prozent für jene, die das Angebot angenommen hatten, so signalisiert das: Wer seiner Bank vertraut, ist am Ende der Gekniffene. Mit allen Folgen für künftige Fälle.

Verbinden Sie sich mit unserem Morgenpost Online-Autor auf Twitter. Frank Stocker schreibt schwerpunktmäßig zu den Themen: Geldanlage, China und Schwellenländer.