Deutsche Bank

Aufsichtsratschef will Ackermann keinen Platz machen

Die Entscheidung um die Nachfolge von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann könnte bald fallen. Aufsichtsratschef Börsig hat einen Plan.

Clemens Börsig sucht eine schnelle Lösung in der Dauerdebatte um die Nachfolge von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann . Der Aufsichtsratsvorsitzende soll sich zwar noch nicht final entschieden haben, aber eine Doppelspitze mit den beiden amtierenden Vorständen Jürgen Fitschen und Anshu Jain favorisieren. Die Entscheidung sei „keine Frage mehr von Wochen“, wie "Morgenpost Online“ aus gut informierten Kreisen erfuhr.

An der Spitze des Kontrollgremiums soll es nach Börsigs Vorstellung dagegen keinen Wechsel geben: Nachdem Vorstandschef Ackermann offenbar nicht mehr ausschließt, an die Spitze des Aufsichtsrats zu wechseln, ist der Amtsinhaber dem Vernehmen nach bereit zu kämpfen.

Börsig habe „keine Absicht zurückzutreten und das Feld zu räumen“, sagt eine mit den Vorgängen vertraute Person. Vielmehr wolle er sein bis 2013 laufendes Aufsichtsratsmandat erfüllen und Vorsitzender des Gremiums bleiben. Wie "Morgenpost Online“ aus dem Unternehmen erfuhr, hat Börsig in den vergangenen Tagen intensive Vier-Augen-Gespräche mit verschiedenen Aufsichtsratsmitgliedern geführt und darin den Vorwurf von sich gewiesen, Fehler bei der Verhandlungsführung mit dem früheren Bundesbank-Präsidenten Axel Weber gemacht und so dessen Wechsel zur Schweizer Großbank UBS provoziert zu haben.

Diese Gespräche zeigen offenbar erste Wirkung: „Clemens Börsig sind keine Vorwürfe zu machen, was die Unternehmensführung in den vergangenen Monaten angeht“, sagte ein Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat. Und auch ein einflussreicher Vertreter der Kapitalseite bestätigt diese Einschätzung: „Börsig hat keine sichtbaren Fehler gemacht, sondern den Prozess professionell gehandhabt.“ Sollte Börsig standhaft bleiben, müsste er gegebenenfalls über ein Misstrauensvotum des Aufsichtsrats abgewählt werden. Das wäre ein einzigartiger Vorgang.

Daher halten es viele Beobachter für unwahrscheinlich, dass Börsig vorzeitig abtreten muss, wenn er nicht selbst zurücktritt. Für Vorstandschef Ackermann wird es damit weitaus schwieriger, doch noch an die Spitze des Aufsichtsrats zu kommen, nachdem er dies in den vergangenen Jahren mehrfach ausgeschlossen hatte.

So sind die Mehrheitsverhältnisse im Aufsichtsrat im Moment alles andere als klar. Viel wird davon abhängen, wie die einflussreichen Mitglieder des Aufsichtsrats wie Karl-Gerhard Eick, Henning Kagermann, Johannes Teyssen, Tilman Todenhöfer und Werner Wenning sich in den kommenden Tagen positionieren.

Dabei gehe es darum abzuwägen, heißt es: Auf der einen Seite stünden die Verdienste Ackermanns und sein herausragendes Netzwerk, so dass sein Weggang einen großen Verlust bedeuten würde. Auf der anderen Seite müsse aber ein Team an der Spitze der Bank stehen, das harmoniere: „Man muss nicht nur die externe Bedeutung von Herrn Ackermann im Blick haben, sondern auch die internen Konsequenzen, wenn er Aufsichtsratsvorsitzender wird“, sagt ein Mitglied des Gremiums. Neben einem übermächtigen Chefkontrolleur wie Ackermann könne sich jeder neue Vorstandschef schwer behaupten.

Außerdem gilt ein direkter Wechsel vom Vorstand in den Aufsichtsrat in den Augen von Experten als unvereinbar mit den Prinzipien guter Unternehmensführung. Dass solche Bedenken nun in den Vordergrund gekehrt werden, könnte ein Indiz dafür sein, dass das Pendel wieder stärker in Richtung Börsig schwingt – zumal so einige Aufsichtsräte Ackermann für die öffentlichen Angriffe auf den Aufsichtsratschef in den vergangenen Tagen verantwortlich machen. „Diese Schlacht war verantwortungslos gegenüber der Bank“, heißt es im Kontrollgremium.

Börsig favorisiert eine Doppelspitze

Von der Entscheidung über den Aufsichtsratsvorsitz hängt auch maßgeblich ab, wie die Nachfolge Ackermanns geregelt wird. Börsig hat sich dem Vernehmen nach noch nicht entschieden, favorisiert aber offenbar eine Doppelspitze mit dem 62-jährigen Deutschlandchef Fitschen und dem 48-jährigen Chef-Investmentbanker Jain.

Damit wäre gesichert, dass die Deutsche Bank weiterhin einen Chef hat, der in der deutschen Unternehmenslandschaft bestens vernetzt und hoch anerkannt ist und gleichzeitig als Verantwortlicher für das weltweite Regionenmanagement auch international hochrangige Kontakte hat. Jain wiederum sorgt seit Jahren für den großen Teil der Erträge der Deutschen Bank und gilt als der Wunschkandidat der Investoren.

Fitschen und Jain kommen dem Vernehmen nach gut miteinander aus, zudem sei die Rollenverteilung von Beginn an klar, heißt es im Aufsichtsrat. Wird hingegen Ackermann Aufsichtsratsvorsitzender, wäre vermutlich auch eine Einzelspitze mit Jain denkbar. Allerdings gilt das Verhältnis zwischen den beiden als angespannt.

Ackermann hatte sich in den vergangenen Monaten klar für Weber als Nachfolger ausgesprochen und interne Kandidaten damit diskreditiert. Auch gegenüber den Vorstandschefs deutscher Industrieunternehmen soll er kein Hehl daraus gemacht haben, dass er Jain die Bankführung nicht zutraut. Die Demontage führender Deutschbanker treibt den Aufsichtsrat nun zur Eile. Ein Mitglied sagt: „Das können wir nicht weiter dulden.“