Börsenwetten

US-Aufsicht legt Rohstoff-Spekulanten Fesseln an

Börsenwetten auf Rohöl, Metalle oder Getreide sollen eingeschränkt werden. Die Finanzindustrie wehrt sich gegen die Vorgaben der US-Aufsicht.

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Die Finanzindustrie ahnte schon, was auf sie zukommt. Hektisch wurden am Wochenende Papiere an die Presse verschickt, beispielsweise eine Studie des Institute of International Finance (IIF), hinter dessen wohlklingendem Namen sich schlicht eine der größten Lobbyorganisationen der Banken verbirgt. In dem Papier ging es um die Rohstoffspekulation – sie sei wichtig, nützlich und habe nur einen ganz geringen Einfluss auf die Preise, so die Bankenvertreter.

Doch das ließ die amerikanische Finanzaufsicht kalt. Jetzt verabschiedete die für den Derivatehandel zuständige Börsenaufsicht CFTC einen Entwurf zur Regulierung des Handels mit Öl, Metallen und Getreide, der die Spielregeln des milliardenschweren Geschäfts grundlegend verändern dürfte. Kernpunkt ist der Vorschlag, die Zahl der von einem Händler gehaltenen Kontrakte zu begrenzen. CFTC-Chef Gary Gensler verspricht sich davon eine Beruhigung der Preisentwicklung.

Aus Sicht der Befürworter härterer Vorgaben tragen Spekulanten viel zur Verteuerung von Rohöl oder anderen Rohstoffen bei und erhöhen damit die Kosten von Industrie und Verbrauchern.

Banken wehren sich gegen Vorgaben

Die Banken liefen jedoch Sturm gegen dieses Vorhaben, schließlich geht es um milliardenschwere Wetten, mit denen sie bisher prächtig verdient haben. Sie drohten unter anderem damit, auf andere Märkte abzuwandern und argumentierten immer wieder mit der Liquidität, die Spekulanten dem Markt zur Verfügung stellen, und die Preisübertreibungen verhindere – dies war auch das zentrale Argument des IIF-Papiers.

Allerdings: Selten zuvor kam es zu so vielen Preisexplosionen und anschließenden Zusammenbrüche wie in den vergangenen Jahren, zuletzt beispielsweise bei Silber, dessen Preis sich seit Mitte 2010 innerhalb von zwölf Monaten mehr als verdoppelte, um danach um 30 Prozent abzustürzen. Zudem gibt es inzwischen auch andere, nicht von der Finanzindustrie gesteuerte Studien, die zu ganz anderen Erkenntnissen kommen als jene der Geldbranche.

In Deutschland legte beispielsweise die Verbraucherorganisation Foodwatch eine Untersuchung vor, derzufolge es „erdrückende Belege“ dafür gebe, dass Spekulationen die aktuellen Marktpreise beeinflusse. Vor allem börsengehandelte Indexfonds seien für die steigenden Preise verantwortlich. Das führe dazu, dass zig Millionen Menschen auf der Erde unter explodierenden Nahrungsmittelkosten litten, während die Finanzindustrie daraus Gewinn schlage.

Landwirtschaft hofft auf Schutz vor Preisexplosion

Beide Seiten lieferten sich eine wahre Studienschlacht, auch die CFTC stellte Untersuchungen an, um den Zusammenhang zwischen spekulativen Geschäften und dem Anstieg der Preise nachzuweisen. Am Ende war dennoch eine Kampfabstimmung nötig, bei der CFTC-Chef Gensler schließlich die Mehrheit von drei Stimmen in der fünfköpfigen Kommission zusammen hatte, die den Vorschlag für die neuen Regeln beschloss.

Treten sie irgendwann in Kraft, dann wären Banken wie Morgan Stanley und Agrarhändler wie Cargill gezwungen, einen wichtigen Geschäftszweig zurückzufahren. Auch der Zufluss von Investorenkapital und das Engagement von Hedgefonds ließen nach.

Andererseits hoffen Luftfahrtgesellschaften und die Landwirtschaft auf einen besseren Schutz vor explodierenden Preisen. Eine Absicherung gegen die steigenden Preise sei zuletzt kaum noch möglich gewesen, sagen sie. Zudem waren die Schwankungen an den Rohstoffbörsen in den vergangenen Jahren extrem und hatten kaum noch etwas mit dem realen Markt zu tun.

Auch die Gruppe der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) hat eine Regulierung der Rohstoffmärkte auf der Agenda stehen. Anfang November sollen beim Gipfeltreffen in Cannes nicht nur Vorgaben für eine größere Transparenz des Handels beschlossen werden, sondern auch ein Rahmenentwurf für eine bessere Aufsicht.

Unterdessen zeigt sich aber, dass sich Preise auch ganz anders manipulieren lassen. Der chinesische Konzern Baosteel, größter Förderer sogenannter seltener Erden, erklärte, dass er die Produktion einen Monat lang einstellen will. Die Preise für die Metalle, von denen die westliche Industrie abhängt, sollen so in die Höhe getrieben werden.

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