Investitionen

Warum Rohstoffe die Anleger bitter enttäuschen

Die Weltkonjunktur boomt und dennoch sorgen Rohstoff-Spekulationen für hohe Verluste. Morgenpost Online erklärt, warum das so ist und wer die Gewinner sind.

Foto: Infografik WELT ONLINE

Rohstoffe als eigene Anlageklasse – das war einer der großen Slogans der vergangenen Jahre. Die jüngste Entwicklung zeigt jedoch, dass es eine geschlossene Anlageklasse Rohstoffe nicht gibt. In Wahrheit existieren ganz verschiedene Arten von Rohstoffen, deren Wertentwicklung auseinanderdriftet. Während einige wie Gold und Silber gefragter sind denn je, haben andere wie Erdgas oder Baumwolle an der Börse jüngst enttäuscht.

Die Menschheit wächst, und dadurch steigt auch die Nachfrage nach Rohstoffen. So schlüssig die Idee sein mag, kurzfristig ist das keine Garantie für Gewinne. Die größten Rückschläge verzeichneten 2011 Agrarerzeugnisse wie Soja, Zucker oder Weizen. Das wird jene freuen, für die der Geldanlage in Lebensmitteln ohnehin der Ruch amoralischen Spekulantentums anhaftet. Zucker verbilligte sich an den Rohstoffmärkten um neun Prozent, Weizen sogar um 21 Prozent.

Auslöser des Preisverfalls bei Weizen war die Ankündigung Russlands, den im Vorjahr verhängten Exportstopp nicht zu verlängern. Außerdem haben die Vereinigten Staaten die Anbaufläche für Winterweizen um zehn Prozent ausgeweitet. Amerika ist das größte Exportland für die Getreidesorte. Bei Sojabohnen wiederum dämpfte eine Rekordernte in Brasilien die Preise. Gemessen am Jahresanfang liegen sie leicht im Minus.

Bei Mais, dem vielleicht wichtigsten landwirtschaftlichen Produkt, das an der Börse gehandelt wird, rechnen die Experten mit einer Spitzenproduktion in den USA. Dennoch hat der Preis 2011 um rund fünf Prozent zugelegt. „Auf globaler Ebene ist die Marktlage immer noch angespannt“, sagt Daniel Briesemann, Analyst bei der Commerzbank. Das liegt nicht zuletzt daran, dass Mais inzwischen auch ein wichtiger Energierohstoff ist. In den Vereinigten Staaten werden inzwischen ebenso viele Scheffel für die Herstellung von Ethanol verwendet wie für die Produktion von Tierfutter.

Bei anderen Agrarrohstoffen bestimmten die Anbieter den Markt: Rind- und Schweinefleisch legten im Preis seit Januar ebenso zu wie Orangensaft, Kaffee und Kakao. Allerdings hat sich die Dynamik im Vergleich mit der stürmischen Entwicklung zu Beginn des Jahres zuletzt etwas abgeschwächt. Kaffee ist im Schnitt elf Prozent teurer als vor sechs Monaten, Orangensaft kostet rund 17 Prozent mehr.

Durch den Euro-Wechselkurs, der sich gefangen hat, schlagen diese Dollar-Preisanstiege hierzulande nicht mal mit voller Wucht durch. In hiesiger Währung hat sich Orangensaft nur um etwas über neun, Kaffee um knapp fünf Prozent verteuert. Kakao, dessen Notierungen auf Dollar-Basis leicht gestiegen sind, ist auf Euro-Basis sogar billiger geworden. Agrarrohstoffe werden wie praktisch alle Rohstoffe an den internationalen Börsen in der US-Devise gehandelt. Legt die heimische Währung zum Dollar zu, wirkt das dem Preisauftrieb entgegen.

Neben Wetterkapriolen bestimmt die Ausweitung von Anbauflächen die Preisentwicklung bei Agrarrohstoffen. Oft sind nur wenige Monate nötig, um brach liegende Flächen zu erschließen. Anders sieht es bei Industriemetallen aus. Bis eine Mine produktionsbereit ist, vergehen oft Jahre. Tritt folglich auf dem Weltmarkt ein Nachfrager in Erscheinung, dessen Hunger auf Rohstoffe schier unersättlich ist, gehen die Preise durch die Decke. Jener Nachfrager sind China und die anderen BRIC-Staaten Brasilien, Russland und Indien. Das Paradebeispiel dafür ist Kupfer. Pekings Politik der Blitz-Industrialisierung hat maßgeblich dazu beigetragen, dass der Preis des roten Metalls in den vergangenen zehn Jahren um den Faktor fünf gestiegen ist.

China – ein Gefahr für die Weltkonjunktur

Doch zuletzt mehren sich die Zweifel, ob die Chinesen das Tempo ihrer industriellen Expansion durchhalten können. Um Inflation und Immobilienspekulation entgegenzuwirken sah sich die People's Bank of China (PBoC) zur Anhebung der Mindestreserven von Banken und zu drei Zinsschritten, allein dieses Jahr, veranlasst. Ökonomen korrigieren ihre Wachstumsprognosen für das Reich der Mitte nach unten, manche befürchten sogar eine „harte Landung“, sprich ein Abrutschen der Boomökonomie in die Rezession. Zwar wird Chinas Wirtschaft dieses Jahr immer noch um circa neun Prozent wachsen, doch allein die Erwartung, dass sich das Wachstum verlangsamen könnte, hat dazu geführt, dass der Kupferpreis zwischenzeitlich eingebrochen ist.

Auf Dollar-Basis kostet das rote Metall heute etwa ebensoviel wie Anfang des Jahres, auf Euro-Basis ist es 6,5 Prozent billiger geworden. Auch andere Industriemetalle leiden unter der um sich greifenden Konjunkturskepsis. Dies gilt umso mehr, als nicht nur den Schwellenland-Ökonomien der Dampf auszugehen droht. Auch bei den etablierten Volkswirtschaften gab es einige schwere Rückschläge. Der Tsunami dämpfte bis vor kurzem die Industrieproduktion in Japan und damit auch die Rohstoffnachfrage.

Eine Enttäuschung brachte auch die US-Ökonomie. Obwohl die Konjunktur mit Billionen von Staats- und Notenbankgeld gestützt wird, trauen Prognostiker der weltgrößten Volkswirtschaft 2011 nur mehr ein Plus von 2,5 Prozent zu. Am Freitag erschütterte die Meldung die Märkte, dass die Arbeitslosenquote auf 9,2 Prozent gestiegen ist. All das spricht für eine weniger dynamische Nachfrage nach Industriemetallen. Die Notierungen könnten folglich weiter unter Druck bleiben. Gleiches gilt für den Ölpreis, der ähnlich wie der Kupferpreis als Gradmesser der Weltkonjunktur gilt.

Rohstoffe, für die es preislich offenbar nur noch oben geht, sind die Edelmetalle . Sie profitieren davon, dass auf der Welt ein ganz neuer Bedarf um sich greift: Der Bedarf nach Ersatzwährungen für Papiergeld wie Dollar und Euro.

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