Wahre Werte

Weinpreis-Index klettert auf ein Allzeithoch

Teure Weine sind vor Inflation und Börsencrash geschützt, ihr Preis lässt sich nicht verwässern. Rendite versprechen aber nur Spitzengewächse.

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Als trübten keine Kursstürze an den wichtigsten Weltbörsen und keine Euro-Krise die schlechte Stimmung in diesem gewitterträchtigen Spätsommer, erklomm der Livex-500 jüngst beschwingt ein neues Allzeithoch. Der in London notierte Preisindex für die weltweit besten Weine kletterte auf über 294 Punkte, was einer Jahresperformance von beinahe 26 Prozent entspricht.

Der „Wein-Dax“ spiegelt die Preisentwicklung für Spitzengewächse unter anderem aus dem Bordeaux, Burgund sowie aus Italien, den USA, Australien und Portugal wider. Während der stark von Bordeaux-Weinen dominierte Livex-100 zuletzt einen leichten Rückgang verzeichnete, legte der marktbreitere Index Livex-500 noch einmal um 0,5 Prozent zu.

Dass sich die Preise für Spitzengewächse sogar in einem allgemein turbulenten Marktumfeld vergleichsweise gut entwickeln, überrascht Stefan Sedlmeyr nicht. „Gesuchte Weine sind geradezu auf natürliche Weise inflationsgeschützt. Keine Notenbank dieser Welt kann einfach ein paar tausend Flaschen eines gesuchten Jahrgangs auf den Markt bringen und damit die Preise verwässern“, sagt der bayerische Auktionator und Sommelier augenzwinkernd.

Zu den Bluechips und den Stars jeder Weinauktion gehören nach wie vor die Top-Marken aus dem Bordeaux und Burgund. Namen wie Château Pétrus, Mouton-Rothschild, d’Yquem oder Romanée-Conti genießen weltweit Kultstatus. Der italienische Sassicaia, der australische Penfolds Grange und der Cabernet des kleinen kalifornischen Weingutes Screaming Eagle gehören zu den interessanten Nebenwerten.

Doch welche Kriterien entscheiden neben der Provenienz und dem Jahrgang über den Preis und das Wertsteigerungspotenzial großer Weine? Wer alte Bordeaux-Gewächse ersteht, sollte auf das Füllniveau achten. Es gibt den Schwund des in der Flasche vorhandenen Weins an.

Junge Weine oder ältere Gewächse, die im Weingut mit jüngeren Weinen aufgefrischt und neu verkorkt wurden, weisen ein normales Füllniveau („High Fill“) auf. Ein gewisser Schwund im Laufe der Jahre ist normal und wirkt sich noch nicht auf den Preis aus. Ein überdurchschnittlicher Schwund kann aber auf eine nachlassende Dichtigkeit des Korkens hindeuten.

Entsprechend niedriger fällt der Schätzwert aus. „Man muss sich schon die Ware genau anschauen. Hat zum Beispiel ein 82er-Mouton ein Füllniveau ,Into Neck‘ oder nur noch ,Base of Neck‘?“, berichtet Stefan Sedlmeyr aus seiner Praxis. Sein Kollege Marc Fischer, Chef des traditionsreichen Zürcher Weinauktionshauses Steinfels, gibt weitere Tipps: „Auch der Zustand des Etiketts entscheidet über den Preis. Überdies sollte man idealerweise wissen, wie der Wein gelagert wurde – korrekt liegend oder stehend“.

Einen schlecht gelagerten Wein zu einem hohen Preis zu kaufen, ist ärgerlich genug. Schlimmer noch, wenn der vinophile Investor Fälschungen ersteht. „Es gibt eine Menge Betrüger, die raffiniert gefälschte Weine anbieten. Der Investor sollte daher nur bei renommierten Händlern, seriösen Auktionshäusern oder Personen seines absoluten Vertrauens kaufen“, rät Marc Fischer.

Kompromisslos auf Qualität achten

„Think big“, könnte man angehenden Wein-Investoren ins Stammbuch schreiben, denn große Flaschen bergen höheres Wertsteigerungspotenzial als die üblichen 0,75-Liter-Behältnisse. Zum einen sind Magnum- und Doppelmagnumflaschen eben einfach seltener als die gängigen Formate, zum anderen können große Flaschen länger gelagert werden.

Sedlmeyr empfiehlt, Weinflaschen im „XXL-Format“ – ab drei Liter aufwärts – nicht mehr liegend zu lagern . „Die große Weinmenge übt zu großen Druck im Flaschenhals auf den Korken aus.“ Als wertsteigernd erweisen sich die üblichen Gebinde von zwölf Flaschen des gleichen Weins mit jeweils 0,75 Litern Inhalt oder sechs Flaschen mit je 1,5 Litern.

Befinden sich die Flaschen in der originalen Holzkiste, darf man bei einem späteren Verkauf auf einen Preisaufschlag hoffen. Schließlich sollten Weininvestoren kompromisslos auf Qualität achten. „Es macht keinen Sinn, ein solches Investment mit 2000 oder 3000 Euro zu beginnen. Der Einsteiger sollte mit mindestens 10.000 Euro rechnen.“

Dafür kann er etwa eine Kiste mit Top-Bordeaux-Weinen kaufen, oder er entscheidet sich für vier bis fünf wertvolle Einzelflaschen. Ähnlich wie bei einer Kunstsammlung sollten die Weine im Portfolio eine gewisse Streuung aufweisen. Als erstklassige Investments kommen aber nur Gewächse aus der Spitze der Qualitätspyramide infrage.

Neben diesen Kriterien entscheidet vor allem ein älterer Herr darüber, ob der Preis eines Weins geradezu in stratosphärische Höhen aufsteigt oder aber im Renditekeller landet: Robert M. Parker, eigentlich promovierter Jurist, bewegt mit den von ihm vergebenen Punkten den Weinmarkt ebenso stark wie die Noten der Ratingagenturen die Finanzmärkte.

Man muss Parkers Geschmack nicht teilen, aber als Kapitalanlage eignen sich in erster Linie Gewächse, die der große Meister mit 100 Punkten adelt. Die entsprechen der Bestnote AAA, die die Ratingagenturen (immer seltener) an den Finanzmärkten vergeben.