Wahre Werte

Alte Barbies können zehntausende Euro wert sein

Für antike Puppen legen Liebhaber viel Geld auf den Tisch. Stimmen Alter, Marke und Zustand, können sie eine lohnende Kapitalanlage sein.

Foto: Frank Hoppmann Zeichner - Illustrator - Karikaturist

Für empfindsame Menschen sind sie ein Tor zu neuen Träumen und Fantasien, manche sagen sogar: ein Fenster zur Seele. So ziemlich jede erwachsene Frau kann heute auf viele schöne Stunden ihrer Kindheit zurückblicken, die sie beim Spielen mit Puppen verbracht hat. „Puppen gehören zu den ältesten Spielzeugen überhaupt. Der Brauch, Menschen in verkleinerter Form als Kinderspielzeug nachzubilden, ist fast so alt wie die Menschheit“, sagt Spielzeugexperte Hans Hirling.

Puppen gehören zumindest zu einer weiblichen Kindheit dazu und haben sich dementsprechend tief in die Erinnerungen eingebrannt. Da ist es kein Wunder, dass alte Puppen auch Sammlerherzen erfreuen – schließlich wecken die Sammelobjekte Kindheitserinnerungen .

Es gibt aber auch ganz handfeste Gründe, um Puppen zu sammeln, weiß Thomas Schmidtkonz, Betreiber des Online-Portals Sammler.com: „Puppen sind im Sammlermarkt ein wichtiger Faktor, wo gutes Geld gezahlt wird. Da kann der Kauf von exquisiten Puppen nicht nur ein schönes Hobby, sondern auch eine gute Kapitalanlage sein.“ Kein Wunder, denn alte Puppen sind selten. Viele Exemplare sind mit den Jahren kaputt oder verloren gegangen oder fristen ihr Dasein auf Dachböden oder in Kellern. Und was selten ist und zugleich begehrt, zieht entsprechend hohe Preise nach sich – da gelten die Gesetze des Marktes.

Besonders beliebt unter Sammlern sind Markenpuppen, etwa von Käthe Kruse. Preise im hohen dreistelligen sowie vierstelligen Euro-Bereich sind da keine Seltenheit. Für ein „Hampelchen im Strickanzug“ aus der Nachkriegszeit etwa werden 800 Euro gezahlt. „Puppe IX“ von 1935, ein blondes Mädchen im hellblauen Kleid, ist 950 Euro wert. „Puppe I“ aus dem Jahr 1925 erzielte bei einer Auktion sogar 1800 Euro. Und für „Puppe II“ aus dem Jahr 1928, das sogenannte „Schlenkerchen“, legte ein Sammler gar 6000 Euro auf den Tisch.

Neben Alter, Marke und Verfügbarkeit ist aber natürlich auch der Zustand für die Bestimmung des Sammlerwertes wichtig. Denn mit vielen Puppen wurde intensiv gespielt, bevor sie dann irgendwann anderen Hobbys der jungen Besitzer weichen mussten. Entsprechend ramponiert sind manche Exemplare: Ein Auge fehlt, ein Bein hat einen Riss oder eine eigentlich dazugehörende Mütze ist mit den Jahren verloren gegangen. Manche Puppen haben auch sogenannte Impfspuren – feine Nadel-Einstiche an den Armen von den Doktorspielen der Kinder. Solche Schäden wirken natürlich wertmindernd.

„Ohne eine Puppe in Händen zu haben, ist eine Beurteilung unmöglich“, sagt Waltraud Schwambach, leidenschaftliche Puppensammlerin. Spezielle Sammlerbörsen, die mehrmals im Jahr überall in Deutschland stattfinden, sowie entsprechende Auktionshäuser bieten gute Chancen, etwa Dachbodenfunde oder Erbstücke zu Geld zu machen.

Auf Ebay und Flohmärkten verstecken sich Schnäppchen

Antiquitätengeschäfte zahlen in der Regel deutlich weniger als den wirklichen Marktpreis, dort kann man aber den Wert der Puppen – meist gegen eine kleine Gebühr – schätzen lassen. Flohmärkte und das Internetauktionshaus Ebay bieten die beste Chance, ein Schnäppchen zu machen.

Allerdings kann sich die vermeintliche Occasion auch schnell als eine billige Fälschung herausstellen. Denn die mitunter hohen Sammlerwerte historischer Puppen haben auch Fälscher auf den Plan gerufen: „Leider gibt es auch schwarze Schafe, die Puppen aus alten Formen nachgießen, ohne sie entsprechend zu kennzeichnen“, warnt Puppenexpertin Schwambach. Viele der Reproduktionen seien sehr gut – und nur schwer als solche zu erkennen.

Der Puppenmarkt ist riesig: Es gibt Hunderte Hersteller auf der Welt. Da kann man schnell den Überblick verlieren. Experten raten daher dazu, sich zu spezialisieren. Sammlerin Schwambach etwa hat sich auf sogenannte Porzellankopfpuppen spezialisiert. Die meisten von ihnen sind prächtig gekleidet und wurden Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts in Frankreich hergestellt.

Je nach Zustand und natürlich auch abhängig vom Sammlerglück sind sie heute mehrere Tausend Euro wert. Aber auch Puppen neuerer Machart erfreuen sich vieler Liebhaber – und haben einen entsprechend hohen Sammlerwert: Seit die Firma Mattel im Jahr 1959 die ersten Barbie-Puppen auf den Markt brachte, lässt diese nicht nur Kinder-, sondern auch Sammlerherzen höher schlagen.

„Speziell für Barbie-Raritäten der Anfangszeit blättern Sammler schon mal vierstellige Euro-Beträge hin“, sagt Sammelexperte Schmidtkonz. Auch hier gilt der Grundsatz: Wertvoll ist, was selten ist. Dazu gehören beispielsweise Musterpuppen, also die Entwürfe zu neuen Barbie-Exemplaren, von denen natürlich nur wenige existieren. Auch fünfstellige Beträge werden mitunter für Barbie-Puppen gezahlt: Eine mehr als 40 Jahre alte, aber bestens erhaltene Barbie-Puppe wurde etwa bei einer Versteigerung in London vor fünf Jahren für umgerechnet rund 13.500 Euro versteigert.

Bei der gleichen Auktion erzielte auch eine „Gala Abend Barbie“ in prächtigen Farben einen Preis von umgerechnet knapp 11.000 Euro – sie war einst für den Verkauf in Japan produziert worden. Eine Barbie hält übrigens auch den Puppen-Weltrekord: Sie wurde vor knapp einem Jahr beim Auktionshaus Christie’s für umgerechnet knapp 220.000 Euro versteigert.

Allerdings handelte es sich dabei um eine Sonderanfertigung eines australischen Juweliers für den Barbie-Hersteller, die Firma Mattel: Diese einzigartige Puppe trug auch eine Halskette mit drei Karat weißen Diamanten und zusätzlich einem seltenen australischen Diamanten – natürlich in Rosa.