Investoren-Legende

In der Krise steigt Buffett bei US-Verlustbank ein

Während andere Investoren zögern, kauft sich Buffett mit fünf Milliarden Dollar bei der Bank of America ein. Der Deal kann satte Gewinne bringen.

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Es war ein Angriff mit Ankündigung. "Wir sind vorbereitet. Unsere Elefantenbüchse ist durchgeladen", hatte Investorenlegende Warren Buffett noch im Frühjahr diesen Jahres gesagt. Und jetzt hat er abgedrückt.

Sein Ziel ist niemand geringeres als das größte Finanzhaus der USA: Buffett kündigte an, fünf Milliarden Dollar (3,5 Milliarden Euro) in die Bank of America investieren zu wollen. Der Aktienkurs legte in den ersten Handelsminuten um ein Fünftel zu.

Der Deal trägt ganz die Handschrift der Investorenlegende. Wieder einmal investiert der mittlerweile 80-Jährige zu einem Zeitpunkt in ein Unternehmen, vor dem andere Investoren davonlaufen. Seit Jahresanfang hat sich der Aktienkurs der schwächelnden Großbank mehr als halbiert.

Das Institut kämpft an vielen Fronten gleichzeitig: Milliardenschwere Schadenersatzzahlungen, die Übernahme des Verlustbringers Countrywide und dann noch unruhige Kapitalmärkte – d ie schlechten Nachrichten rissen in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres kaum ab. Im zweiten Quartal hat das Institut unter Führung von Brian Moynihan einen Rekordverlust von über neun Milliarden Dollar hingelegt.

Kauf jagt anderen Investoren Angst ein

Um Gegenzusteuern räumt die Bank derzeit ihre Bilanz auf und trennt sich von einigen Geschäftsteilen. Erst vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass die Bank im laufenden Quartal mindestens 3500 Stellen streichen muss, mittelfristig könnten nach amerikanischen Medienberichten sogar bis zu 10.000 Jobs wegfallen.

Doch was anderen Investoren Angst einjagt, sieht Buffett als perfekte Gelegenheit. "Unsere Fähigkeit zu handeln, wenn der Rest der Welt versteinert, hat uns einige Deals beschert", lässt sich Buffett zitieren. Und jetzt, da die Welt angesichts der Schuldenkrise in Europa und den USA die Luft anhält und sich Anleger in Zurückhaltung üben, nützt Buffett abermals das günstige Kursniveau, um auf Einkaufstour zu gehen.

Diese Strategie hat ihm schon mehrfach zu fetten Gewinnen verholfen: Mitten in der Finanzkrise investierte sein Beteiligungshaus Berkshire Hathaway in die US-Bank Goldman Sachs – ebenfalls fünf Milliarden Dollar. Die Kapitalspritze in der Not ließ sich der clevere Geschäftsmann teuer bezahlen: Er verlangte dafür zehn Prozent Zinsen. Erst im April diesen Jahres hatte sich Buffett gänzlich von Goldman verabschiedet.

Strategie könnte ordentlich Gewinne bringen

Die 1,25 Milliarden Dollar, die ihm dadurch zuflossen, konnte er gut gebrauchen, um Verluste in anderen Sparten auszugleichen. Denn die Zeiten waren selbst für Warren Buffett alles andere als rosig: In den vergangenen zwölf Monaten hatte sich Berkshire Hathaway schlechter entwickelt, als der US-Leitindex S&P 500. Eine Schmach für das Beteiligungshaus: In den 60er Jahren hatte Buffett mit Traumrenditen von sich Reden gemacht, die durchschnittlich 20 Prozent über dem Index lagen.

Als dann noch sein Vertrauter David Sokol überraschend zurücktrat, war sein Ruf angekratzt. "Wer soll dem betagten Herren nachfolgen?", sorgten sich Analysten. Die Aktie des Beteiligungshauses aus Ohama/Nebraska war lange im Verhältnis zum Buchwert so günstig wie selten zuvor.

Nun dürfte Buffett hoffen, dass ihm die Bank of America solch schöne Gewinne beschert wie sein Engagement bei Goldman Sachs. Doch im Vergleich zu den zehn Prozent Verzinsung bei der Investmentbank, kommt die Bank of America mit "nur" sechs Prozent Verzinsung für die Vorzugsaktien etwas günstiger davon.

Die Bank of America sei ein solides und gut geführtes Unternehmen, ließ Buffett an diesem Donnerstag verlauten. Er kaufte 50.000 Vorzugsaktien zu je 100.000 Dollar, die von der Bank eigens ausgegeben wurden.

Zudem erhält Buffet Berechtigungsscheine, mit denen er in den kommenden zehn Jahren jederzeit 700 Millionen weitere Aktien der Bank zum Preis von je 7,14 Dollar kaufen kann. Bank of America-Chef Brian Moynihan freute sich, endlich einmal wieder eine positive Nachricht verkünden zu dürfen: Die Investition sei eine "massive Unterstützung unserer Vision und unserer Strategie".

In Europa ist Warren Buffett kein Unbekannter: So hatte er Milliarden in die beiden größten Rückversicherer der Welt investiert – in die Schweizer Swiss Re und den deutschen Dax-Konzern Munich Re. Noch immer ist Buffett mit über zehn Prozent der größte Einzelinvestor der Munich Re. Zum Jahreswechsel hatten die Schweizer den Großinvestor ausbezahlt.

Für die Bank of America ist der Einsstieg ein Hoffnungsschimmer. Nicht nur, weil frisches Geld in die Kassen kommt, sondern auch, weil alles, was Buffett an den Finanzmärkten tut, mit großer Aufmerksamkeit beobachtet wird – sein goldenes Händchen bei Investitionen hat ihm den Spitznamen "Orakel von Ohama" eingebracht.