Börsen-Bericht

Börsianer reagieren zerknirscht auf Krisengipfel

Die Resultate des Krisentreffens von Angela Merkel und Nicolas Sarkozy enttäuschen die Anleger. Der Dax verliert erneut an Punkten.

Die deutsch-französischen Pläne zur Stabilisierung der Eurozone haben dem deutschen Aktienmarkt nicht helfen können. Der Dax verlor bis zum Mittag 1,15 Prozent auf 5926 Punkte. Er zeigte sich damit aber etwas erholt vom Tagestief bei 5870 Punkten und blieb auch über dem gestrigen Tiefststand.

Am Vortag hatte der Leitindex im Minus geschlossen, aber bis zum Ende einen Großteil der Tagesverluste wieder wettgemacht. Für den MDax der mittelgroßen Werte ging es am Mittwoch um 1,56 Prozent auf 9007 Punkte nach unten. Der Technologiewerte-Index TecDax verlor deutlichere 2,76 Prozent auf 722 Punkte.

Die deutsch-französischen Pläne für eine Stärkung der Eurozone sind von Börsianern als unzureichend eingestuft worden. Vor allem die neu entdeckte Finanztransaktionssteuer sorgte für Aufruhr und schickte die Aktien von Börsenbetreibern und Banken auf Talfahrt.

Bundeskanzlerin Merkel und der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy wollen über eine Wirtschaftsregierung, eine in den Verfassungen der Mitgliedsländer festgeschriebene Schuldenbremse sowie eine Steuer auf Börsengeschäfte – die sogenannte Finanztransaktionssteuer – die Eurozone stärken. Eurobonds und einer Ausweitung des Rettungsfonds EFSF erteilten sie nach ihrem Treffen eine Absage.

„Langfristig macht einiges Sinn, kurzfristig hilft es nicht aus der Misere“, brachte ein Händler die Meinung vieler auf den Punkt. Unter anderem stieß das Nein zu Euro-Bonds bei Analysten auf Kritik. „Der Bond ist nicht die Lösung, da die Lösung nur durch Reformen in den Defizitländern erbracht werden kann“, sagte der Chefvolkswirt der Bremer Landesbank, Folker Helllmeyer.

„Der Euro-Bond wäre jedoch ein Mittel, die Reformpolitik der betroffenen Länder von dem latenten Spekulationsdruck zu befreien, der seit 18 Monaten kontraproduktive Wellen erzeugt und damit den Erfolg der Reformen untergräbt.“

Steuer auf Börsengeschäfte gilt als "Straf-Zuschlag"

Größter Verlierer im hiesigen Leitindex waren angesichts der Diskussionen um die Finanztransaktionssteuer die Aktien der Deutschen Börse, die in der Spitze um mehr als acht Prozent auf 39,71 Euro abrutschten. Die Titel des New Yorker Fusionspartners Nyse Euronext fielen um fünf Prozent.

Auch die Papiere der Londoner Börse LSE verbilligten sich deutlich; sie gaben um 3,8 Prozent nach. „Dieser Straf-Zuschlag wird den Finanzsektor wohl zusätzlich belasten“, schrieb Aktienhändler Jonathan Sudaria vom Brokerhaus Capital Spreads in einem Marktkommentar.

„Allein die Tatsache, dass dieses Thema im Rahmen eines Treffens vorgebracht wurde, das dazu gedacht war, das Vertrauen wiederherzustellen, stellt das Krisenmanagement und die Strategie infrage.“ Bei den Kreditinstituten gehörten Deutsche Bank, Credit Suisse und Barclays mit Kursverlusten zwischen 2,5 und 3,5 Prozent zu den schwächsten Werten.

Umfeld für PC-Hersteller wird rauer

Europaweit ebenfalls abgestoßen wurden Technologiewerte - ausgelöst von einer deutlichen Senkung der Umsatzprognose des weltweit zweitgrößten PC-Herstellers Dell. Der Technologie-Branchenindex fiel um zwei Prozent.

Damit verlor der Sektor wesentlich stärker als der Gesamtmarkt. „Die Alarmglocken läuten“, sagte ein Händler. Er zitierte aus einer Goldman-Sachs-Studie, wonach es absehbar sei, dass die Margen wegen des harten Preiskampfes in den kommenden Monaten weiter zurückgehen. Weiterer Gegenwind drohe von einem schwachen makroökonomischen Umfeld.

Diesem Trend würden sich auch hiesige Technologiefirmen nicht entziehen können, hieß es von Börsianern. Im Dax fielen Infineon um bis zu 4,5 Prozent. Im TecDax sackten Aixtron zeitweise um knapp zehn Prozent ab und waren damit mit Abstand größter Verlierer. Die Titel des niederländischen Chipausrüsters ASML fielen in Amsterdam um 2,7 Prozent.