Börsen-Bericht

Merkel-Sarkozy-Treffen enttäuscht die Dax-Anleger

Trotz Krisentreffen von Angela Merkel und Nicolas Sarkozy beruhigen sich die Märkte nicht. Der deutsche Leitindex fällt zum Handelsstart.

Börsianer haben das Ergebnis des deutsch-französischen Gipfeltreffens als unbefriedigend bewertet. In Reaktion fiel der Dax zum Handelsstart um 1,7 Prozent auf 5891 Zähler.

Die derzeit brennenden kurzfristigen Probleme der Währungsunion seien nicht adressiert worden, schrieb die Commerzbank in einem Kommentar und bemängelte insbesondere, dass die Einführung von Eurobonds verworfen wurde.

Die von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy vorgeschlagene Finanztransaktionssteuer belastete die Aktien der Deutschen Börse; die Titel rutschten um 6,7 Prozent ab. In den USA waren die Papiere des Fusionspartners Nyse Euronext um mehr als acht Prozent eingebrochen. „Das scheint etwas übertrieben“, sagte ein Händler. „Immerhin wurde so eine Steuer schon öfter in Europa diskutiert und nie wurde sie dann auch durchgesetzt.“

Europaweit abgestoßen wurden Technologiewerte; in Frankfurt fielen Infineon um 3,2 Prozent und zählten so zu den größten Dax-Verlierern. Der US-Computerkonzern Dell hatte die Anleger mit schwachen Umsätzen und einem zurückhaltenden Ausblick enttäuscht und seine Aktien damit auf Talfahrt geschickt.

Nachbörslich fielen sie um fünf Prozent, im Frankfurter Handel rutschten sie am Morgen um 6,3 Prozent ab. Die Aktien von Hochtief pendelten nach der Bilanzvorlage um ihren Vortagesschluss von 49,24 Euro. Die Zahlen seien etwas besser als erwartet, die Entwicklung bei den einzelnen Sparten gemischt, sagten Händler. Als positiv hoben sie das starke Geschäft in Europa hervor.

Tokios Börse schließt im Minus

Wegen der enttäuschenden Wachstumsdaten aus Europa und negativen Impulsen von der Wall Street hat die Börse in Tokio im Minus geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte notierte 0,55 Prozent oder rund 50 Zähler tiefer bei 9057,26 Punkten. Der breit gefasste Topix ging mit einem Minus von 0,31 Prozent bei 776,65 Punkten aus dem Handel.

Die Börsianer in Japan zeigten sich weiter besorgt über die Entwicklung der Weltwirtschaft, vor allem mit Blick auf die ernüchternden Wachstumsdaten aus Europa. In den 17 Euro-Ländern legte die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal gegenüber dem Vorquartal nur um 0,2 Prozent zu. In Deutschland wuchs das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gar bloß geringfügig um 0,1 Prozent gegenüber dem Auftaktquartal.

Der Dollar wurde schwächer mit 76,66-67 Yen gehandelt nach 76,85-90 Yen. Der Euro notierte zum Yen mit 110,41-43 Yen nach 110,68-70 Yen am späten Vorabend. Zum Dollar lag der Euro stärker bei 1,4403-4404 nach 1,4394-4397 Dollar.

Schweizer Franken sinkt erneut

Der Schweizer Franken hat weiter nachgegeben und ist auf den tiefsten Stand seit Beginn der Börsenturbulenzen Anfang August gefallen. Händler begründeten dies mit der tendenziell besseren Stimmung an den Aktienmärkten und Maßnahmen der Schweizerischen Nationalbank (SNB).

Sowohl zum Euro als auch zum Dollar gab der Franken weiter nach. Im Gegenzug stieg der Euro auf bis zu 1,1550 Franken. Das ist der höchste Wert seit Anfang August. Der Franken hat damit seinen starken Anstieg seit Beginn der Börsenturbulenzen wieder wettgemacht.

Allerdings dürfte das nur zum Teil auf die bessere Börsenstimmung zurückzuführen sein: Die SNB stemmt sich seit längerem gegen den starken Franken, insbesondere mit Zinssenkungen und einer Erhöhung der Franken-Liquidität. Darüber hinaus scheint die Notenbank über ein Kursziel oder sogar eine zeitweise Anbindung an den Euro nachzudenken. Diese Spekulationen haben den Franken zuletzt stark unter Druck gesetzt.

Ein schwächerer Franken kommt vor allem der Schweizer Wirtschaft zupass. Denn wie der japanische Yen gilt der Franken am Devisenmarkt als „sicherer Hafen“, in den sich die Anleger in turbulenten Zeiten flüchten. Insbesondere seit dem Ausbruch der Schuldenkrise im Jahr 2010 hat der Franken zu vielen wichtigen Währungen stark zugelegt, was den Außenhandel der Schweiz stark belastet. Zudem beklagt der heimische Einzelhandel Umsatzrückgänge, da viele Schweizer die starke heimische Währung in grenznahen Gebieten für Käufe nutzen.