Riskantes Spiel

Versicherungslücke kann Hausbesitzer ruinieren

In der Euro-Krise flüchten viele Deutsche in Immobilien. Doch nur 30 Prozent haben ihre Häuser gegen Elementarschäden versichert.

Foto: picture alliance / Bildagentur-o / dpa picture alliance

Aus Angst vor der Euro-Krise und steigenden Inflationsraten flüchten immer mehr Deutsche mit ihrem Geld in Eigenheime und Eigentumswohnungen. Allein die Immobiliengesellschaften der zehn Landesbausparkassen, Deutschlands größte Maklergruppe, verzeichneten vergangenes Jahr im Vermittlungsgeschäft ein Wachstum von zehn Prozent. Ein Ende des Trends sei nicht in Sicht, sagt LBS-Verbandsdirektor Hartwig Hamm. „Wir spüren ein deutlich höheres Kaufinteresse.“

Doch so sehr viele Familien um den Erhalt ihres Vermögens bangen, bei der Absicherung der wichtigsten Kapitalanlage ihres Lebens sind erstaunlich viele Grundeigentümer risikofreudig: Lediglich 80 Prozent der Hausbesitzer im Land haben ihre Immobilie nach der jüngsten Statistik des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) mit einer Wohngebäudepolice geschützt.

„Jeder fünfte Eigentümer ist nicht abgesichert, wenn sein Haus durch Feuer, Hagel, Sturm oder berstende Wasserleitungen beschädigt wird“, sagt GDV-Schadensversicherungsexperte Christian Lübke. Im Schadensfall steht die Familie allein da. „Das kann den Ruin der Existenz bedeuten“, sagt Lübke.

Fast unglaublich: Gegen Gefahren durch Naturgewalten haben sogar nur 30 Prozent der Eigentümer für Haus oder Wohnung zusätzlich eine Elementarschadenversicherung abgeschlossen. Dabei deckt nur diese Police die Schäden ab, die Starkregen, Schneedruck, Hochwasser, Erdrutsche und schlimmstenfalls Erdbeben anrichten.

Zudem ist eine Wohngebäudeversicherung mit Elementarschadenschutz nicht einmal besonders teuer. Um ein Haus mit 150 Quadratmeter Wohnfläche so zu versichern, dass es bei einem Totalschaden komplett nach den aktuellen Baustandards neu errichtet wird, verlangt der günstigste Anbieter in Dresden nur 113 Euro im Jahr, hat das Vergleichsportals Check24.de ermittelt.

Für ein gleich großes Haus in Köln beträgt der niedrigste Jahresbeitrag ohne Selbstbehalt 199 Euro. Die Höhe der jeweiligen Kosten hängt vom örtlichen Preisgefüge der Bauunternehmen ab.

In Hochwasser-Zonen sind Policen nicht zu bezahlen

Allerdings bieten Assekuranzen in extrem hochwassergefährdeten Regionen eine Elementarschadenschutzpolice entweder gar nicht oder nur gegen eine hohe Eigenbeteiligung an. Betroffen sind davon nach GDV-Angaben jedoch nur rund ein Prozent aller Immobilien in Deutschland. Michael Herte, Referent für Finanzdienstleistungen bei der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein, rät deshalb: „Finger weg von Häusern in einer solchen Zone.“

Ob ein Haus gegen Hochwasser versicherbar ist, lässt sich mit einem Anruf bei der Versicherung feststellen. Die Assekuranzen haben ganz Deutschland im Zonierungssystem für Überschwemmung, Rückstau und Starkregen (ZÜRS) katalogisiert. Nicht oder nur mit hoher Selbstbeteiligung versicherbar sind nur Immobilien in der ZÜRS-Zone IV. Hier droht laut Statistik einmal binnen zehn Jahren eine Überschwemmung.

Bereits in der ZÜRS-Zone III, in der es im Schnitt einmal binnen 50 Jahren zu einer Überflutung kommt, ist es hingegen kein Problem, eine Elementarschadenpolice abzuschließen. Der dafür fällige Aufschlag fällt allerdings von Versicherung zu Versicherung sehr unterschiedlich aus. „Bei einigen Assekuranzen verteuert sich die Police dadurch nur im unteren zweistelligen Prozentbereich, andere erheben Aufschläge von mehr als 200 Prozent“, sagt Check24.de-Experte Daniel Friedheim.

Allerdings sind auch viele Besitzer, die Wohngebäudeversicherungen mit Elementarschadenschutz abgeschlossen haben, nicht ausreichend geschützt, weiß Peter Grieble, Versicherungsexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

„Etliche Eigentümer sind unterversichert.“ Denn der Wert ihrer Häuser ist mit den Jahren durch An- und Ausbauten sowie Modernisierungen gestiegen. „Häufig wird jedoch vergessen, die Verträge entsprechend anzupassend“, sagt Grieble. Sein Rat: Alle Veränderungen, die den Wert der Immobilie steigern, sollten der Versicherung mitgeteilt werden, damit diese die Police korrigiert.

Versicherungen schützen vor Regressansprüchen

Um sich vor Regressansprüchen zu schützen, falls ein Ast auf das Nachbarhaus fällt oder ein Passant im Winter auf dem Gehsteig vor dem Haus ausrutscht und sich verletzt, sollten Eigentümer zudem eine Privathaftpflichtversicherung abschließen, die rund 70 Euro im Jahr kostet.

Von der Pflicht zur Schneeräumung entbindet die Police zwar nicht. „Die Assekuranz springt aber zumindest ein, falls jemand zu spät den Gehweg räumt, weil der Wecker nicht geklingelt hat oder der beauftragte Räumdienst nicht rechtzeitig gekommen ist“, erläutert GDV-Experte Lübke.

Wird das Haus mit Öl beheizt, sollte zusätzlich eine Gewässerschadenhaftpflichtversicherung abgeschlossen werden, rät Sascha Straub, Versicherungsexperte bei der Verbraucherzentrale Bayern. Sie kostet nur wenige Euro im Jahr, deckt aber die Schäden, die bei einer Leckage des Öltanks entstehen.

Wer baut, sollte sich über eine ebenfalls nur wenige Euro teure Bauherrenhaftpflichtversicherung gegen Schäden absichern, die bei den Bauarbeiten angerichtet werden können. „Die Assekuranz springt beispielsweise dann ein, wenn eine Wasserleitung beschädigt wird“, erläutert Herte.

Zur Existenzsicherung sollten Immobilienerwerber in jedem Fall eine Risikolebensversicherung abschließen, sagt Straub. „Familien mit Kindern sollten diesen Todesfallschutz für beide Elternteile vereinbaren, selbst wenn es nur einen Verdiener gibt.“ Sterbe der nicht berufstätige Partner, sei so genug Geld vorhanden, damit der Hauptverdiener für eine Betreuung der Kinder zahlen könne.

Die Höhe des Versicherungsschutzes für den Hauptverdiener sollte so gewählt werden, dass nicht nur die Hypothek abgetragen werden kann, sondern der Hinterbliebene auch lange genug finanziell abgesichert ist, um die Kinder eine Zeitlang allein zu betreuen und sich in Ruhe auf die Rückkehr in das Berufsleben vorzubereiten.

Ausreichend Schutz ist nicht billig

„Als Faustregel sollte pro Hinterbliebenem ein Jahresnettogehalt abgesichert werden“, sagt Straub. Ganz billig ist der Schutz indes nicht: Damit die Familie im Todesfall einen Betrag von 300.000 Euro erhält, muss ein 40-jähriger Nichtraucher für eine Risikolebensversicherung mit 20 Jahren Laufzeit pro Jahr rund 400 Euro zahlen.

Zudem sollte für jeden Verdiener eine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen werden. Sie springt mit einer monatlichen Rentenzahlung ein, wenn durch eine Erkrankung oder dauerhafte Behinderung der bisherige Beruf nicht mehr ausgeübt werden kann. Sinnvoll seien allerdings nur Policen ohne sogenannte „abstrakte Verweisklausel“, sagt der Kieler Finanzexperte Herte.

„Sonst kann die Assekuranz die Zahlung mit dem Hinweis verweigern, dass der Versicherte theoretisch in einem anderen Berufsfeld weiterhin erwerbsfähig sei – unabhängig davon, ob er jemals eine anderweitige Beschäftigung finden kann oder nicht.“

Um vor Fallstricken im Kleingedruckten der Policen gefeit zu sein, sollte vor Unterzeichnung von der Assekuranz oder ihrem Vermittler eine schriftliche Bestätigung eingeholt werden, dass der Vertrag keine Verweisklausel jedweder Art enthält. Um im Fall der Berufsunfähigkeit eine monatliche Rente von 2000 Euro bis zum 63. Lebensjahres zu erhalten, muss beispielsweise ein 40-jähriger Bürotätiger einen Jahresbeitrag von rund 760 Euro zahlen.

Darüber hinaus sollten Eltern für jedes Kind eine Invaliditätsversicherung abschließen, rät Verbraucherschützer Grieble. Die bis zu 600 Euro pro Jahr und Versicherten kostenden Policen seien insbesondere dann sinnvoll, wenn beide Elternteile arbeiten.

Grieble: „Ist ein Kind auf dauerhafte Pflege angewiesen, wird wenigstens ein Partner seinen Beruf aufgeben müssen.“ Das kann die Finanzierung der Immobilie zum Kippen bringen. Die Police sollte so gewählt werden, dass das Kind bei dauerhafter Behinderung nicht nur eine ausreichende monatliche Rente bis zum Lebensende erhält, sondern zusätzlich auch eine einmalige Summe von mindestens 30.000 Euro ausgezahlt wird, sagt Versicherungsexperte Straub. „Damit sind die Kosten für einen behindertengerechten Umbau im Haus gedeckt.“