Trotz des harten Winters legen Deutschlands Mieter nach einer Umfrage von TNS Emnid kaum Geld für die erwartete hohe Heizkostenabrechnung zurück. Dabei droht die "zweite Miete" auch in den kommenden Jahren weiter anzusteigen. Denn immer mehr Vermieter setzen auf das so genannte Wärme-Contracting, um auch Instandhaltungskosten auf die Mieter abwälzen zu können.

So kalt war der Winter in Deutschland seit vielen Jahren nicht mehr: Von Weihnachten bis Anfang März herrschte fast überall im Land Dauerfrost. Allein im Januar und Februar dürften die Heizkosten je nach Dämmung der Mietshäuser jeweils 20 bis 50 Euro höher ausgefallen sein als im Durchschnitt des vergangenen Jahrzehnts, schätzt der Deutsche Mieterbund.

Dennoch haben nur 24 Prozent der Mieterhaushalte damit begonnen, Rücklagen für kommende Heizkostenabrechnung zu bilden, hat das Marktforschungsinstitut TNS Emnid jetzt im Auftrag des Wohnungsunternehmen Deutsche Annington ermittelt. "Insgesamt sorgen 76 Prozent der bundesweit befragten 1001 Mieter nicht für Nachzahlungen vor", sagt Dirk Schmitt, Sprecher des größten deutschen Wohnungsunternehmens.

44 Prozent der Befragten gaben an, sie hielten es nicht für nötig, Geld für die kommende Heizkosten-Nachzahlung zur Seite zu legen. 32 Prozent sagten, ihnen fehlten schlichtweg die finanziellen Möglichkeiten, um eine Rücklage zu bilden. Die wenigen Haushalte, die für den erwarteten Nachschlag sparen, legen mehrheitlich bis zu 100 Euro zurück. Nur sechs Prozent aller Haushalte haben eine Reserve von bis zu 200 Euro angespart, nur vier Prozent sogar einen noch höheren Betrag bereits zur Seite gelegt.

Der Winter 2009/2010 ist der zweite in Folge, der Deutschlands Mieter mit hohen Aufwendungen für die "zweite Miete" belastet. "Bereits im Jahr zuvor hatte der drastische Anstieg der Rohöl- und Erdgaspreise die Heizkosten drastisch in die Höhe getrieben", sagt Mieterbund-Sprecher Ulrich Ropertz. 2008 hatten sich Vermieter noch mit Heizöl eingedeckt, als der Rohölpreis zeitweise die Rekordmarke von 147 US-Dollar pro 159-Liter-Fass erreichte. Im Herbst 2009 hingegen schwankte der Preis nur noch zwischen 70 und 80 US-Dollar pro Barrel.

Dafür war dieser Winter allerdings nicht nur kälter. Die Zeit tiefer Minustemperaturen, in denen besonders kräftig geheizt werden musste, dauerte auch deutlich länger als im Schnitt der vergangenen zehn Jahre. Mieter von Häusern mit Gasheizungen sind nicht besser dran, da die Erdgaspreise immer mit etwas zeitlichem Nachlauf die Ölpreis-Kurve nachvollziehen.

Doch nicht nur steigende Energiepreise und Minustemperaturen bescheren Mietern steigende Heizkosten, sagt Ropertz. "Immer mehr Vermieter gehen zudem dazu über, die Heizenergieversorgung an externe Dienstleister auszulagern." Beim "Wärme-Contracting" werden quasi die Heizungsanlagen verkauft und von dem kaufenden Dienstleister im Gegenzug die Heizenergie geliefert. Partner sind dabei mittelständische Heizungsbaufirmen oder auch Energieversorger.

"So können nicht nur reine Heizkosten, sondern auch Aufwendungen für die Instandhaltung der Heizung in vollem Umfang auf die Mieter umgelegt werden", sagt Ropertz. Möglich sei dies bei allen Mietverträgen, die seit März 1989 geschlossen wurden und in denen bei den Heizkosten die II. Berechnungsverordnung zugrunde gelegt ist. Weil in den vergangenen Jahren immer mehr Contracting-Verträge geschlossen wurden, hat dieser Markt nach Hochrechnungen von Energieversorgern inzwischen ein Volumen von gut einer Milliarde Euro pro Jahr erreicht.