Hedgefonds-Manager

"Politiker verhalten sich in Euro-Krise wie Kinder"

Italien verdächtigt Spekulanten, seine Krise anzufeuern. Für Fonds-Manager Karsten Schröder ein Versuch, von den eigenen Fehlern abzulenken.

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Wie sich die Worte gleichen. Vor einem Jahr wetterte die griechische Regierung gegen Hedgefonds, die angeblich mit Finanzwetten ihr Land in die Pleite trieben, nun ist es die italienische Regierung, die die „Angriffe der Spekulanten“ abwehren will. Karsten Schröder sieht darin nichts anderes als den Versuch der Politik, von den eigenen Unzulänglichkeiten abzulenken. Der gebürtige Rostocker ist Gründer und Vorstandschef des Hedgefonds Amplitude Capital mit Sitz in der Schweiz. Er verwaltet für institutionelle Investoren eine Milliarde Dollar.

Morgenpost Online: Warum treiben Hedgefonds Italien in die Pleite?

Karsten Schröder: Das ist ein von der Politik immer wieder gern erzähltes Märchen. Selbst wenn Hedgefonds es wollten, sie könnten es gar nicht.

Morgenpost Online: Es gibt aber Gerüchte, dass US-Fonds massive Leerverkäufe italienischer Anleihen gestartet haben, also gezielt auf eine Pleite des Landes wetten.

Schröder: Das will ich nicht ausschließen. Aber Geld können die Fonds mit solchen Wetten auf fallende Kurse nur verdienen, wenn andere die Meinung teilen, dass das Land seine Schuldenproblematik nicht in den Griff bekommen wird, und sie deshalb ihre Anleihen ebenfalls verkaufen. Und bei den anderen spreche ich nicht von Hedgefonds, sondern von Pensionskassen, Versicherungen, Banken.

Morgenpost Online: Aber die Hedgefonds können eine solche Verkaufswelle auslösen.

Schröder: Politiker verhalten sich hier wie kleine Kinder: Wenn die in der Schule eine schlechte Note bekommen, dann ist auch immer der blöde Lehrer schuld – hier ist es halt der blöde Anleger. Die Vorwürfe sind nicht nur unsinnig, sondern auch anmaßend. Denn letztlich würden die Politiker ohne Investoren, die ihnen ihren Haushalt finanzieren, überhaupt nichts machen können. Investoren leihen den Staaten Geld und ziehen es wieder ab, wenn sie sich mit ihrer Anlage nicht mehr wohlfühlen – und die Politiker müssen sich fragen, warum sich viele offenbar derzeit nicht wohlfühlen.

Morgenpost Online: Bei welchen Ländern haben Sie denn noch ein wohliges Gefühl?

Schröder: Griechenland und jetzt auch Italien sind nur Beispiele für die Gesamtsituation. Letztlich wird ein Land nach dem anderen drankommen. Europa kann derzeit nur froh sein, dass die Schuldensituation in den Vereinigten Staaten genauso schlecht ist. Sonst hätte der Euro längst auch gegenüber dem Dollar an Wert verloren. Es mangelt vielen Anlegern derzeit an besseren Alternativen.

Morgenpost Online: Aber Deutschland steht im Vergleich stabil da, die Anleihen sind gefragt.

Schröder: Auch Deutschland wird es eines Tages treffen. Auch wir haben einen hohen Schuldenberg, ein unterfinanziertes Rentensystem. Wenn die Schwellenländer sich weiter gut positionieren, mit starkem Wirtschaftswachstum und geringer Verschuldung, werden Anleger ihr Geld irgendwann lieber dort investieren.