1,5 Prozent

Die Folgen der Leitzinserhöhung für Ihr Konto

Die Europäische Zentralbank versucht, der anhaltenden Sorge um eine steigende Inflation entgegenzuwirken und erhöht den Leitzins auf 1,5 Prozent. Morgenpost Online verrät Ihnen, was das für Ihr Konto bedeutet.

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Zum zweiten Mal in diesem Jahr hat die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins für die Euro-Zone angehoben. Die Währungshüter erhöhten den Zinssatz um 25 Basispunkte auf 1,5 Prozent, wie EZB-Präsident Jean-Claude Trichet am Donnerstag in Frankfurt am Main mitteilte. Für Verbraucher bedeutet das vor allem höhere Zinsen für ihr Tagesgeld-Konto.

Grund für die Leitzinserhöhung sei die weiterhin hohe Inflation in der Euro-Zone, sagte Trichet. „Hohe Energie- und Rohstoffpreise“ sorgten dafür, dass die Teuerungsrate weiter auf einem hohen Niveau verharre. Sie hatte im vergangenen Monat ersten Schätzungen zufolge bei 2,7 Prozent gelegen. Im Vergleich zum Mai blieb die Inflationsrate damit unverändert, aber noch immer deutlich über dem angestreben Wert von knapp unter zwei Prozent. In Deutschland fiel die Inflation mit 2,3 Prozent im Juni leicht geringer als in der Euro-Zone aus.

Die Notenbank werde die Entwicklungen der Verbraucherpreise weiterhin „sehr eng“ verfolgen, sagte Trichet. Diese Formulierung gilt jedoch als Signal dafür, dass es im kommenden Monat noch keine weitere Anhebung des Leitzinses geben wird.

Für Verbraucher macht sich der Zinsschritt vor allem bei Angeboten für Tagesgeldkonten bemerkbar. Insbesondere Direktbanken hatten in Erwartung einer Leitzinserhöhung in den vergangenen Wochen bereits Zinserhöhungen ihrer Tagesgeld-Offerten vorweggenommen. „Allerdings gelingt nur mit wenigen Tagesgeld-Angeboten ein Inflationsausgleich“, sagte Marcus Preu vom Vergleichsportal Biallo. Vor allem Sparkassen und Genossenschaftsbanken haben ihren Zinssatz bisher nur zögerlich erhöht – und werden dabei vermutlich bleiben, wie Christopher Manolagas von der FMH-Finanzberatung sagte.

Wie funktioniert der Leitzins?

Der Leitzins bestimmt die Konditionen, zu denen sich Kreditinstitute Geld bei der EZB leihen können. Außerdem richten sich die Banken auch bei ihren Geldgeschäften untereinander nach den Entscheidungen der EZB. Erhöht sich der Leitzins, ziehen in der Regel auch die Interbankzinssätze nach. Da höhere Zinsen am Geldmarkt wiederum höhere Kosten für die Banken bedeuten, gibt sie die Zinsen über kurz oder lang an ihre Kunden weiter. Die Kreditzinsen liegen dabei eher über dem Leitzins, die Sparzinsen oft darunter. Mit der Spanne verdienen die Banken ihr Geld.

Wie stark wird sich der Zinsentscheid der EZB auswirken?

Experten gehen davon aus, dass die Entscheidung der EZB, den Leitzins um 25 Basispunkte anzuheben, positive Auswirkungen vor allem für die Sparer haben wird. Es handele sich bei der neuerlichen Leitzinserhöhung um „ein Signal an die Sparer“, sagt Christopher Manolagas von der FMH-Finanzberatung. Die Währungshüter wollten damit zum Ausdruck bringen, dass ihre oberste Priorität der Preisstabilisierung sei.

Gibt es fürs Ersparte nun mehr Zinsen?

Im Kampf um neue Kunden haben vor allem Direktbanken die neuerliche Entscheidung der EZB bereits vorweggenommen und ihre Tagesgeld-Angebote verbessert. Allerdings sei es tatsächlich nur mit einem kleinen Teil der Angebot möglich, die aktuelle Inflationsrate von in Deutschland 2,3 Prozent auszugleichen, sagt Marcus Preu vom Vergleichsportal Biallo. Sparkassen und Genossenschaftsbanken – bei ihnen hat die Mehrheit der Sparer ihr Geld angelegt – haben sich mit Zinserhöhungen bisher weitestgehend zurückgehalten. Große Zinssprünge seien dort auch nach der Leitzins-Erhöhung nicht zu erwarten, sagt FMH-Experte Manolagas. Beim Festgeld zeigt die Tendenz weiter leicht nach oben. Sparbuchkunden hingegen bekommen Experten zufolge von der Leitzinserhöhung vermutlich gar nichts mit.

Werden Kredite wieder teurer?

Nicht zwingend. Es sei nicht unbedingt zu erwarten, dass die Banken die Leitzinserhöhung in der gleichen Höhe auf ihre Kredite aufschlagen, sagt Manolagas. Biallo-Experte Preu geht sogar davon aus, dass trotz Leitzins-Erhöhung „bei Ratenkrediten die Talfahrt anhält“. Das hänge vor allem mit der Griechenland-Krise zusammen. Verbraucher seien aufgrund der unsicheren griechischen Situation weniger risikobereit. Bei Ratenkrediten hängten die tatsächlich gebotenen Konditionen außerdem vor allem von der Kreditwürdigkeit des einzelnen Kunden ab, betont Manolagas. Eher würden die Verbraucher die Folgen der Leitzins-Erhöhung beim Dispozins spüren. Da könne es schon sein, dass ein Kreditinstitut die Zinsen noch weiter erhöht, sagt der FMH-Experte.