1,5 Prozent

EZB erhöht Leitzins im Kampf gegen Inflationen

Europas Währungshüter bleiben ihrer Linie treu: Aus Sorge um eine steigende Inflation hebt die Europäische Zentralbank den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte an. Schon im Juni hatte EZB-Präsident Trichet die Märkte darauf eingestimmt.

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Die Europäische Zentralbank (EZB) zieht die Zügel weiter an. Wegen des anhaltenden Inflationsdrucks wird der Leitzins im Euro-Raum wie erwartet um 0,25 Prozentpunkte auf 1,5 Prozent erhöht. Das teilte die EZB nach ihrer Ratssitzung am Donnerstag in Frankfurt mit. Allerdings bremst die Schuldenkrise in mehreren Euroländern Europas Währungshüter auf ihrem Kurs zu höheren Zinsen: Teures Geld ist Gift für die lahmende Wirtschaft der Pleitekandidaten Griechenland oder Portugal.

Mit dem zweiten kleinen Zinsschritt binnen drei Monaten setzen die Währungshüter ihren allmählichen Ausstieg aus der Krisenpolitik des extrem billigen Geldes fort. Zuvor hatte der wichtigste Zins zur Versorgung der Kreditwirtschaft mit Zentralbankgeld seit Mai 2009 auf dem Rekordtief von 1,0 Prozent verharrt.

Weitere Zinserhöhung

Volkswirte erwarten trotz der lodernden Staatsschuldenkrise in Griechenland und anderen Euroländern mindestens eine weitere Zinserhöhung in diesem Jahr. „Da sich die Inflationsrate stabilisiert und das Wirtschaftswachstum gerade eine kleine Pause einlegt, wird die EZB mit dem nächsten Zinsschritt aber voraussichtlich bis Dezember warten“, prognostizierte Berenberg-Ökonom Christian Schulz.

Bis dahin wird Mario Draghi den bisherigen EZB-Präsidenten Jean-Claude Trichet als „Mr. Euro“ abgelöst haben. Der Italiener könnte mit einer Zinserhöhung zur Amtsübernahme ein Zeichen setzen. In Deutschland und anderen Ländern gibt es Vorbehalte, ob auch ein Südländer der Stabilität der gemeinsamen Währung absoluten Vorrang einräumen wird.

Zuletzt hatten vor allem die Preise für Energie und Nahrungsmittel kräftig angezogen. Im Juni lag die jährliche Teuerungsrate in den 17 Euro-Ländern daher bei 2,7 Prozent und damit deutlich über dem von der EZB formulierten Stabilitätsziel von knapp unter 2 Prozent.

Höhere Zinsen helfen im Kampf gegen die Inflation: Kredite werden tendenziell teurer, das mindert die Neigung von Unternehmen und Verbrauchern, auf Pump zu investieren und zu konsumieren. Da die deutsche Wirtschaft brummt, halten Volkswirte höhere Zinsen schon seit längerem für erforderlich, um eine Überhitzung mit Blasenbildungen an den Märkten zu vermeiden.

Andererseits könnten höhere Zinsen die Wirtschaftserholung in den europäischen Schuldenländern zusätzlich erschweren. Dort bremsen rigide Sparauflagen den Aufschwung ohnehin. Die britische Notenbank hält ihren Leitzins unverändert auf dem Rekordtief von 0,5 Prozent.

Höchster Leitzins bisher im Oktober 2000

Der EZB-Leitzins, zu dem sich die Geschäftsbanken bei der Zentralbank mit flüssigen Mitteln versorgen, startete mit der Einführung des Euro als Buchgeld im Januar 1999 bei 3,0 Prozent. Bis Oktober 2000 stieg er in mehreren Schritten auf den bisherigen Höchststand von 4,75 Prozent.

Ab Mai 2001 sank der von der Europäischen Zentralbank (EZB) festgesetzte Hauptrefinanzierungssatz für den Euroraum wieder. Bei der Einführung des Euro als Bargeld im Januar 2002 lag der Leitzins bei 3,25 Prozent. Bis Juni 2003 sank er auf 2,0 Prozent, wo er zweieinhalb Jahre lang verharrte.

Im Dezember 2005 begann ein neuer Zyklus, der bis auf 4,25 Prozent ab Juli 2008 führte. Die Wirtschaftskrise veranlasste die EZB zu einer schnellen Senkung ab Oktober 2008; einmal – im Dezember 2008 – sogar um den unter Experten als dramatisch eingeschätzten Schritt von 0,75 Prozentpunkten, von 3,25 Prozent auf 2,5 Prozent, binnen nur eines Monats. In vier weiteren Schritten erreichte der Leitzins am 13. Mai 2009 sein bisheriges historisches Tief von 1,0 Prozent.

Die Zinswende begann im April 2011. Nach fast zwei Jahren auf dem historischen Tiefstand setzte die EZB in einem ersten Schritt den Hauptrefinanzierungssatz um 0,25 Punkte auf 1,25 Prozent herauf.