Kolumne

Nachhaltigkeit wird zum großen Investment-Thema

Nich nur aus ethischen, auch aus ökonomischen Gründen werden sich ökologische Anlagen durchsetzen, meint Analyst Michael Schramm.

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Die Nuklearkatastrophe in Japan verdeutlicht auf schmerzhafte Weise: Ein nicht nachhaltiger Umgang mit Menschen und der Umwelt verursacht – zumindest auf lange Sicht – enorme, wenn nicht sogar irreparable Schäden. Allerdings gibt es in der Fachwelt die unterschiedlichsten Auffassungen darüber, was unter dem Begriff Nachhaltigkeit eigentlich zu verstehen ist. Selbst die Atomkraft wurde von verschiedenen Seiten als ökologisch einwandfreie Energiegewinnung angepriesen, weil sie kaum CO2-Emissionen verursacht.

Die Diskussion über die Einführung des Biosprits E10 zeigt ebenfalls, wie vielschichtig das Thema Nachhaltigkeit sein kann. Es ist offenbar gar nicht so einfach, die Frage zu beantworten, ob der Biotreibstoff unter ethischen (also sozialen) und ökologischen Gesichtspunkten sinnvoll ist. Das Bereitstellen riesiger Ackerflächen, um die notwendige Versorgung mit Agrarrohstoffe für die Ethanol-Produktion sicherzustellen, ist zumindest problematisch, wenn ein großer Teil der Weltbevölkerung über zuwenig Nahrungsmittel verfügt.

Bereits die Havarie der Ölbohrplattform Deepwater Horizon hatte gezeigt, dass sehr kontrovers diskutiert wird, wer oder was eigentlich nachhaltig ist – schließlich befanden sich die BP-Aktien in zahlreichen „grünen“ Fonds. Es ist eben nicht alles Öko, auch wenn manche Unternehmen den Eindruck erwecken wollen, besonders umweltfreundlich zu sein. Der Anleger sollte sich trotzdem nicht entmutigen oder gar abschrecken lassen. Nachhaltigkeit ist ein Thema der Zukunft. Denn ohne umweltfreundliche Technologien und angemessene soziale Standards werden sich auch die ökonomischen Herausforderungen nicht bewältigen lassen.

Nach dem GAU in Japan und dessen furchtbaren Folgen nimmt der Widerstand gegen die Kernkraft zumindest in der westlichen Welt erheblich zu. Der Bau neuer Atommeiler wird sich in den demokratischen Industriestaaten nicht mehr so leicht wie früher durchsetzen lassen. Gleichzeitig zeigen die Umwälzungen im Nahen Osten, dass eine Versorgungssicherheit mit Öl, dem wichtigsten fossilen Brennstoff, nicht besteht. Im Gegenteil: Die Weltwirtschaft ist abhängig von Lieferungen aus politisch instabilen Regionen.

Dies wird auf der einen Seite weiter zu vermehrten Tiefseebohrungen im Golf von Mexiko führen, andererseits aber auch zum Ausbau der regenerativen Energien. Mit milliardenschweren Subventionen erweitern derzeit die USA ihre Solarkapazitäten. Auch China investiert massiv in Fotovoltaik und Windenergie. Beide Länder versuchen so, die fatale Abhängigkeit von Ölimporten zu vermindern. Denn noch werden weltweit rund 80 Prozent der Energie aus fossilen Brennstoffen gewonnen. Für Alternativen, also für erneuerbare Energiequellen, bietet sich auf Jahre hinaus ein aussichtsreicher Wachstumsmarkt.

Nachfrage nach sauberem Wasser steigt

Neben einer ausreichenden und umweltverträglichen Energieversorgung stellt die Bereitstellung von sauberem Wasser eine zweite große Herausforderung dar. Durch das starke Wachstum der Weltbevölkerung steigt die Nachfrage nach Trinkwasser stetig. Hinzu kommt der wachsende Bedarf an Nahrungsmitteln. Schließlich wird in keiner Branche mehr Wasser verbraucht als in der Landwirtschaft. Auch Industriebetriebe sind auf sauberes Wasser angewiesen. Der Nachfrage steht aber schon heute ein nicht ausreichendes Angebot gegenüber.

Millionen von Menschen mangelt es an sauberem Trinkwasser. Für Unternehmen aus dem Bereich Wasseraufbereitung, Reinigung und Abwasser gibt es extrem viel zu tun. Ein dritter nachhaltiger Wachstumsmarkt ist die Recyclingindustrie. Angesichts der Preissteigerungen bei Industrierohstoffen boomt die Wiederaufbereitung. So ist das Recyceln von Eisenschrott nicht nur sehr viel umweltschonender als das Einschmelzen von Eisenerz – es ist auch noch deutlich kostengünstiger.

Das Verfahren ist also ökonomisch wie ökologisch sinnvoll. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei anderen Industriemetallen. Beim wertvollen Gold ist es sogar so, dass die Recycling-Quote bei nahezu 100 Prozent liegt. Fazit: Schon aus ökonomischen Gründen werden sich nachhaltiges Wirtschaften und entsprechende Investitionen weiter durchsetzen. In der Industrie sind ethische und ökologische Kriterien schon viel weiter verankert als im Investmentbereich.

Aber auch hier gewinnt das Thema immer mehr an Bedeutung. Der norwegische Staatsfonds investiert beispielsweise seine Einnahmen aus der absehbar endlichen Öl- und Gasförderung in nachhaltige Kapitalanlagen. Aber auch der Privatanleger sollte darauf setzen, einen ethisch und ökologisch positiven Einfluss auszuüben und damit gleichzeitig gute Renditen zu erzielen. Wer sich selbst die Auswahl entsprechender Einzelinvestments nicht zutraut, der sollte Nachhaltigkeitsexperten hinzuziehen. Mittlerweile gibt es Ethikanalytiker, die mit ihrer Professionalität bei der Investmentberatung Finanzanalytikern in nichts nachstehen.

Der Autor ist Partner bei Hauck & Aufhäuser