Zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten... Nein, es ist kein Gemälde von Cézanne, kein van Gogh und keine Skulptur von Giacometti, die hier soeben für umgerechnet rund 5,66 Millionen Euro unter den Hammer kommt. Es ist ein Auto – 51 Jahre alt, 220 PS stark und silbergrau lackiert. Ein Ferrari 250 GT Spyder California.
Pebble Beach bei San Francisco im August 2010: Am Rande des exklusivsten Oldtimer-Treffens der Welt versteigert das Auktionshaus Gooding & Company über 100 Kostbarkeiten auf Rädern – und feiert ein Multimillionenwochenende. Rekordpreise werden erzielt; nie zuvor haben Autosammler in Pebble Beach so viel Geld ausgegeben wie diesmal.
„Der Markt vibriert. Wir hatten das beste Jahr der Firmengeschichte“, berichtet Auto-Auktionator David Gooding, und seine kanadische Kollegin Amy Christie von RM Auctions bestätigt: „Das war ein Jahr der Rekorde.“ Allein diese beiden Auktionshäuser, die sich auf das Geschäft mit Oldtimern spezialisiert haben, erzielten 2010 bei Versteigerungen in Europa und in den USA Erlöse von insgesamt fast 284 Millionen Euro. Rund 90 Prozent aller angebotenen Autos wurden auf Anhieb verkauft; nicht alle erzielten Millionenerlöse, doch Gooding ermittelte einen beachtlichen Durchschnittspreis pro Auto: rund 315.000 Euro.
Morgenpost Online hat die Ergebnisse von RM Auctions und Gooding & Company ausgewertet und die teuersten Autos ermittelt, die 2010 bei Versteigerungen ihre Besitzer wechselten. An der Spitze steht der Ferrari 250 GT Spyder California aus dem Jahre 1959, von dem lediglich 49 Exemplare hergestellt worden sind. Das treibt die Preise des Zweisitzers in die Höhe und macht ihn zu einem der begehrtesten Sammlerstücke. Auch die Sportwagen auf den Plätzen zwei und drei in der Liste tragen italienische Namen.
Für mehr als 5,1 Millionen Euro versteigerte Gooding & Company den Alfa Romeo 8C 2300 Monza, der zu einer Serie von 188 Achtzylinder-Sportwagen aus den 1930er-Jahren gehört. Dann wieder eine Ferrari-Rarität: Der Typ 250 GT SWB Berlinetta von 1961 erzielte umgerechnet rund 4,67 Millionen Euro und ist damit die Nummer drei unter den teuersten Autos des Jahres.
Ein Unikat ist der BMW 328 „Bügelfalte“ mit der Chassisnummer 85032, für den Sammler im Mai 2010 bei einer RM-Auktion in Monaco bis zu 4,3 Millionen Euro boten – zu wenig für den Verkäufer des Rennwagens mit dem markanten „Bügelfalten“-Knick in den Kotflügeln. Was dann hinter den Kulissen ausgehandelt wurde, blieb geheim. Fest steht nur, dass der BMW einen neuen Besitzer gefunden hat und dass der Preis zwischen 4,3 und 4,9 Millionen Euro lag. Damit ist die „Bügelfalte“ das mit Abstand teuerste Auto aus deutscher Produktion, das 2010 unter den Hammer kam.
Alte Autos werden immer beliebter
Solche Geschichten sind ebenso selten wie die Autos, von denen sie erzählen. Doch die Verkaufsrekorde der Auktionshäuser spiegeln einen Trend wider, den Branchenkenner auch in anderen Preisregionen beobachten: Alte Autos werden immer beliebter. In Deutschland stieg die Zahl der Oldtimer seit 2005 um 37 Prozent auf rund 210.000 Fahrzeuge. Diese Autos sind mehr als 30 Jahre alt und tragen deshalb das steuergünstige „H“-Kennzeichen. Europaweit sind derzeit etwa 1,5 Millionen Autoveteranen aus der Zeit vor 1980 zugelassen – Tendenz steigend.
Der Weltverband FIVA (Féderation Internationale Véhicules des Anciens) spricht deshalb bereits vom „Wirtschaftsfaktor Oldtimer“ und summiert die jährlichen Ausgaben für Kauf, Pflege, Reparatur, Versicherung und andere Dienstleistungen rund ums historische Auto auf europaweit rund 16 Milliarden Euro. Dass es den meisten Autofans aber gar nicht ums große Geld geht, zeigt eine andere Zahl der FIVA-Statistik: 78 Prozent der Oldtimer sind weniger wert als 15.000 Euro.
Doch auch in dieser Preisregion kann ein Oldtimer neben Faszination und Fahrspaß inzwischen auch finanzielle Reize bieten. Das zeigt der Deutsche Oldtimer-Index (DOX), den der Verband der Automobilindustrie (VDA) zweimal jährlich ermittelt. Die Kennzahl über die Wertentwicklung historischer Autos berücksichtigt 88 Modelle verschiedener Fahrzeugklassen und soll den gesamten Oldtimermarkt repräsentieren.
Das Ergebnis: Trotz eines leichten Rückgangs im ersten Halbjahr 2010 steigt der DOX seit Jahren kontinuierlich und liegt aktuell um rund 70 Prozent über dem Index von 1999. Mit anderen Worten: Während herkömmliche Gebrauchtwagen an Wert verlieren, steigt der Wert der Autos aus der Zeit vor 1980 an. Und zu diesen Oldtimern mit Rendite zählen keineswegs nur seltene Luxusmodelle, wie drei Beispiele des Branchendiensts Classic-Data zeigen: Der Wert eines BMW 2002 Turbo von 1973 stieg in den letzten zehn Jahren um rund 55 Prozent auf derzeit 29.500 Euro.
Porsche-Modelle stehen hoch im Kurs
Ein Ford Escort RS 2000 von 1973/1974 kostet heute rund 21.000 Euro und liegt damit um das Dreifache über den Preisen von 1999. Ein Opel Manta B 2.0S aus dem Zeitraum von 1970 bis 1973 wiederum verbesserte seinen Wert binnen zehn Jahren von 2100 auf 4900 Euro. Noch größere Wertsteigerungen können Besitzer verschiedener Porsche-, Mercedes- oder BMW-Modelle verbuchen. Diesen Autos widmet sich der neue „süddeutsche Oldtimer-Index“ (OTX) der Südwestbank. „Wer nach einem wertbeständigen Investment mit Gänsehautfaktor sucht, sollte sich einen Oldtimer halten“, rät die Stuttgarter Bank.
Besonders hoch im Kurs stehen laut der Bank die Porsche-Modelle Carrera 3.0 SC und 911 aus den 1970er-Jahren. Wer 2005 einen dieser Wagen erworben hat, kann sich heute über einen Wertzuwachs von mehr als 95 Prozent freuen. Da in Deutschland nur noch rund 1500 Carrera-SC-Typen zugelassen sind, erwarten Experten, dass diese Autos bald zu Spitzenpreisen gehandelt werden. Neben den Porsche-Modellen haben die Banker auch die Mercedes S-Klasse von 1972 (W 116), den „Ponton“-Mercedes (W 120), die BMW Isetta aus den 1950er-Jahren und 15 weitere Modelle mit überdurchschnittlicher Wertentwicklung in ihren OTX aufgenommen.
„Der Index bietet eine seriöse Möglichkeit, die Investition in Oldtimer mit anderen Wertanlagen zu vergleichen“, sagt Manfred Mühlheim, von der Südwestbank. Zum Beweis legt er einen interessanten Vergleich vor: Während der Oldtimer-Index zwischen 2005 und 2010 um 61 Prozent zulegte, schaffte der Deutsche Aktien-Index (Dax) im gleichen Zeitraum nur ein Plus von rund 40 Prozent. Doch sind Aktien wesentlich leichter zu ersteigern.





