Vermietungen

Immobilien-Investoren haben Berlin wiederentdeckt

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Norbert Schwaldt

Foto: picture alliance / dpa

Die Vermietung von Bürotürmen, Hotels und Shoppingcentern erlebt einen Boom. Berlin steht im Interesse der Investoren ganz weit oben.

Kurz vor Weihnachten hatte es der Projektentwickler Tishman Speyer dann doch noch geschafft, seinen Frankfurter Opernturm zu veräußern. In der Branche ist von einem Kaufpreis über 550 Millionen Euro die Rede, die der Staatsfonds GIC aus Singapur und ein Fonds des Investmenthauses JP Morgan für den 168 Meter hohen, neuen Büroturm in der Bankenstadt ausgegeben haben sollen. Vor zwei Jahren wollte die Fondsgesellschaft KanAm noch an die 600 Millionen Euro zahlen, bekam in der Finanzkrise dann aber kalte Füße.

Die Konjunktur in Deutschland hat wieder an Tempo gewonnen, und damit verbessert sich die Vermietung von Bürotürmen, Hotels, Shoppingcentern und Logistikparks. Professionelle Investoren wie Versicherungen und Fonds interessieren sich verstärkt für Gewerbeimmobilien in Deutschland. Nach drei Jahren Flaute gibt es wieder mehr Transaktionen. So rechnet die Deutsche Hypo 2011 mit einem steigenden Investitionsvolumen von mehr als 20 Milliarden Euro. „Neben Core-Immobilien werden im nächsten Jahr auch andere wieder nachgefragt werden“, sagt Vorstand Andreas Pohl.

Preise steigen schneller als Mieten

„Die Immobilienpreise steigen schneller als die Mieten. Die Gründe für die positive Entwicklung in der Bundesrepublik liegen im verhältnismäßig geringen Leerstand, einer positiven Entwicklung im Einzelhandel, der geringen Arbeitslosigkeit und den stabilen Löhnen.“ Der deutsche Immobilienmarkt gewinnt im europäischen Vergleich an Attraktivität, ergab eine Branchenumfrage des Immobilienfinanzierers Berlin Hyp. Davon waren 77,3 Prozent der Befragten überzeugt. In der ersten Jahreshälfte waren dies noch 59 Prozent.

Dabei stehen Wohnungsbestände und Einzelhandelsprojekte im Fokus, wo die Transaktionen anziehen werden. Unverändert stehen München und Hamburg an der Spitze des Interesses, gefolgt von Frankfurt. Berlin schließt mit drittbester Entwicklungsprognose jetzt knapp zur Bankenstadt auf. Im zu Ende gehenden Jahr sind die Investmentumsätze in der Branche „viel besser als erwartet um 80 Prozent auf 18 Milliarden Euro gestiegen“, berichtet Andreas Quint, Deutschland-Chef des internationalen Maklerhauses Jones Lang LaSalle (JLL).

Überraschend sei die unerwartet hohe Nachfrage nach Büroflächen. Der immer bessere Ifo-Geschäftsklimaindex habe sich mit einer zeitlichen Verzögerung von wenigen Monaten in einer höheren Bürovermietung niedergeschlagen. Für 2011 rechnet Quint in Deutschland mit Umsätzen bei Gewerbeimmobilien von 20 bis 22 Milliarden Euro, wodurch etwa das Niveau von 2008 erreicht werden könnte.

Eingefrorene offene Immobilienfonds und Banken würden als Immobilienverkäufer auftreten, sagt der Makler. Ausländische Investoren seien an den deutschen Markt zurückgekehrt, wo Einzelhandelsimmobilien am meisten gefragt seien. „Das niedrig bleibende Zinsniveau sorgt für das Fehlen renditestarker Anlagealternativen“, betont JLL-Chefanalyst Helge Scheunemann. „Dies veranlasst vor allem private Investoren zur Investition in Immobilien.“ Eine heile Welt für die Branche ist allerdings nicht in Sicht. „Die Immobilienmärkte werden volatiler“, sagt Scheunemanns Kollegin Hela Hinrichs. „Sie reagieren empfindlicher auf die Finanzmärkte.“