Wer sein Bahnticket am Computer bucht, zahlt unter Umständen mehr als nötig. Muss er für die Hinfahrt den Normalpreis nehmen, werden ihm für die Rückfahrt keine Rabattmöglichkeiten mehr angezeigt – auch wenn die billigen Plätze noch nicht ausgebucht sind. Bestellt er dagegen Hin- und Rückfahrt getrennt, also in zwei separaten Buchungsvorgängen, so werden ihm Rabatte wie Sparpreise angezeigt, und er kann sie auch buchen. Ein Bahnsprecher bezeichnete dies auf Anfrage der Nachrichtenagentur dapd als „systembedingt“.

Am kommenden Wochenende tritt der neue Jahresfahrplan der Deutschen Bahn AG in Kraft. Er bringt im Fernverkehr erstmals seit langem keine Preiserhöhungen. Im Nah- und Regionalverkehr steigen die Preise um durchschnittlich 1,9 Prozent. Der Normalpreis für ein Bahnticket wird fällig, wenn der Kunde ohne Zugbindung reisen, also jederzeit in einen beliebigen Zug zu seinem Reiseziel steigen können möchte. Auch wenn er sich weniger als drei Tage vor Reiseantritt zum Ticketkauf entschließt, muss er den Normalpreis zahlen. In diesen Fällen zeigt ihm das Online-Buchungssystem für eine Rückfahrt keine Rabattmöglichkeiten an, auch wenn der Kunde dann eine Zugbindung akzeptieren will.

Konkretes Beispiel: Der Bahnkunde will morgen von Berlin nach Frankfurt am Main fahren und vier Tage später zurück. Für die Hinfahrt hat er gemäß den Bahn-Bestimmungen weder am Schalter noch am Automaten noch bei der Online-Buchung eine Wahl: Er muss den Normalpreis nehmen, in diesem Fall 113 Euro (2. Klasse ohne BahnCard). Klickt A nun die Option „Rückfahrt hinzufügen“ an, lässt ihm der Computer ebenfalls keine Wahl: Er weist nur Tickets aus, die den vollen Normalpreis kosten. Dabei liegt die Rückfahrt mehr als drei Tage in der Zukunft, was dem Nutzer ein Sparpreis-Ticket ermöglichen würde.

Bestellt der Bahnkunde dagegen beide Fahrten in separaten Buchungsvorgängen, werden diese Rabattmöglichkeiten angezeigt. Im konkreten Fall kann der Preis von 113 auf 89 Euro sinken – mehr als 20 Prozent. Angeboten wird sogar ein Umstieg in die 1. Klasse zum Preis von 109 Euro, also vier Euro oder knapp vier Prozent billiger als das 2.-Klasse-Normalpreis-Ticket. Ein Bahnsprecher begründete dieses Fehlen von Rabattinformationen damit, dass es „systemisch“ nicht möglich sei, zwei verschiedene Preiskategorien auf einem Fahrschein auszudrucken. „Einmal ohne, einmal mit Zugbindung geht nicht“, sagte er. Er riet den Bahnkunden, die Fahrten in solchen Fällen separat zu buchen.

dapd