Geldanlagen

Rüstungsaktien hängen sogar Gold ab

Die Welt ist in der Krise. Nicht umsonst wird Gold unaufhörlich teurer, doch noch stärker gefragt sind Rüstungsaktien.

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Wenn sich die Finanzminister der 20 wichtigsten Wirtschaftsnationen am Wochenende im südkoreanischen Pusan treffen, kommt alles zusammen, was Sparern derzeit schlaflose Nächte bereitet: Politische Uneinigkeit, diplomatisches Gerangel und militärisches Säbelrasseln setzen den Finanzmärkten unablässig zu.

Die Welt scheint in eine Dauerkrise geraten zu sein. Statt dass die Probleme reduziert werden, kommen neue hinzu, alte verschärften sich. Den Märkten wohnt ein unterschwelliges Gefühl der Bedrohung inne. Nicht umsonst steigt der Preis des Krisenmetalls Gold seit Wochen und Monaten fast unaufhörlich an. Noch beunruhigender: An der Börse sind Rüstungsaktien gefragt wie lange nicht.

Ein Problem können die führenden Politiker der Welt vor Ort studieren. Die koreanische Halbinsel steht unter dem Eindruck von akuten Kriegsdrohungen aus dem Norden. Seit der Versenkung eines Schiffs der südkoreanischen Marine hat sich die Lage kontinuierlich verschlechtert.

Ähnliches gilt für ein weiteres Thema, das auf der Agenda steht: die Zukunft des Euro. Allen Sicherheitsnetzen zum Trotz lässt sich die europäische Peripheriekrise nicht stoppen. Immer wieder sorgen neue Negativschlagzeilen für Verunsicherung: Am Dienstag drückten Berichte über drohende Schieflagen bei Italiens Banken die Stimmung. Bis vor Kurzem galten die Geldhäuser des Landes noch als relativ solide.

Kreditausfallversicherungen auf italienische Staatsanleihen verteuerten sich daraufhin auf ein Rekordniveau von 231 Punkten. Das Euro-Land wird jetzt als riskanter eingeschätzt als Kasachstan.

Unter den unsichersten 15 Schuldnern der Erde finden sich inzwischen fünf aus der europäischen Währungsunion. Neben Italien sind das Griechenland, Portugal, Irland und Spanien.

Auch Frankreich gibt den Marktakteuren mehr und mehr zu denken. Am Wochenende musste selbst der französische Haushaltsminister François Baroin einräumen, dass die Beibehaltung des Spitzenratings AAA „eine schwierige Zielstellung“ sei. Die Ausfallversicherungen auf Frankreichs Staatsschulden haben sich seit Jahresanfang im Preis verdoppelt. Damit beginnt der Status des Landes als Stützpfeiler der Währungsunion ins Wanken zu geraten.

Dem Euro tut das alles nicht gut: Der Kurs des europäischen Einheitsgeldes fiel am Dienstag auf den tiefsten Stand seit April 2006. Am Vormittag wurde die Gemeinschaftswährung bei 1,2111 Dollar gehandelt, ehe sich der Kurs am Nachmittag erholen konnte. Damit bleibt das europäische Geld das Sorgenkind der Weltwirtschaft. Setzt sich der Wertverfall fort, könnte das gesamte globale Währungssystem aus den Fugen geraten. Wie dramatisch die Lage ist, macht der fast 30-prozentige Anstieg des Goldpreises deutlich.

Die Aktienmärkte der Euro-Zone erlebten einen weiteren zittrigen Tag. Der Deutsche Aktienindex verlor in der Spitze bis zu 2,2 Prozent. Die italienische Börse gab vorübergehend fast vier Prozent ab. Erst eine fest in den Handel gestartete Wall Street führte zu einer Erholung.

Zu der allgemeinen Beklommenheit tragen auch der sich hinziehende Streit über die Bankenregulierung, die Grabenkämpfe innerhalb der Europäischen Zentralbank (EZB) und politische Alleingänge der jüngsten Zeit bei. Dass einige der größten Wirtschaftsnationen in innenpolitische Tumulte geraten sind, macht die Sache nicht einfacher.

Deutschland steht nach dem Rücktritt von Horst Köhler als Bundespräsident am Rande einer Regierungskrise. In Japan, der Nummer zwei der Weltwirtschaft, sieht sich Ministerpräsident Yukio Hatoyama einem rapiden Vertrauensverlust ausgesetzt. Die Zustimmungsrate des im Spätsommer 2009 mit großen Erwartungen ins Amt gekommenen Politikers ist gerade unter die 20-Prozent-Marke gefallen. In den Vereinigten Staaten ringen Senat und Repräsentantenhaus um eine Regulierung für den Finanzsektor – Ausgang ungewiss. Präsident Barack Obama, eigentlich Motor der Reformen, steckt seit der Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko endgültig in einer Art politischem Ölschlick.

„Vor einem Jahr waren die Hoffnungen groß, dass die G-20-Politiker die Welt geschlossen aus der Krise führen könnten“, sagt Stephen Lewis, Ökonom beim unabhängigen Analysehaus Monument Securities in London. Diese Hoffnung habe sich zerschlagen.

Sorgen bereiten Finanzmarkt-Akteuren auch die Dissonanzen im Zentralbankrat der EZB, die immerhin die zweitwichtigste Notenbank der Welt darstellt. Nicht nur, dass der Deutsche Axel Weber zu Wochenbeginn seine ablehnende Haltung zum Aufkauf von Euro-Staatsanleihen bekräftigte. Darüber hinaus werden aus der Finanzwelt Vorwürfe laut, die Währungshüter würden mit dem Geld aller Europäer vor allem französischen Banken zu Hilfe eilen. Frankreichs Institute gehören zu den größten Haltern griechischer und portugiesischer Regierungstitel. Sowohl bei Griechenland- als auch bei Portugal-Anleihen hat die EZB durch beherzte Käufe die Notierungen gestützt. Die nährt den Verdacht, dass die Hüter des europäischen Geldes politische Gefälligkeiten Richtung Paris erwiesen haben.

„Geschäftsbanken, die in Anleihen investiert haben, die stark an Wert verloren haben und deren Marktpreise nun durch die EZB-Aktion angehoben werden, profitieren gegenüber solchen Geschäftsbanken, die ‚bessere' Investitionen getätigt haben“, kritisiert Thorsten Polleit, Chefvolkswirt Deutschland bei Barclays Capital, diese Wettbewerbsverzerrung.

Die Spannungen innerhalb der Euro-Zone dürften sogar noch zunehmen: „Die Länder der Währungsunion driften wirtschaftlich immer weiter auseinander“, sagt Gabriel Stein, Stratege beim unabhängigen Analysehaus Lombard Street Research. In Deutschland setze sich die Konjunkturerholung fort, in den „Club Med“-Staaten gehe es hingegen bergab. Das alles stellt den Zusammenhalt infrage, da am Ende die größte Volkswirtschaft für die Problemkinder aufkommen muss. Offen ist, inwieweit die Bundesbürger zu einem solchen milliardenschweren Wohlstandstransfer bereit sind.

Für viele Beobachter kommt die Entwicklung nicht überraschend. Bereits in den Neunzigerjahren warnte der einflussreiche Harvard-Ökonom Martin Feldstein davor, die Gemeinschaftswährung in Europa könnte mehr Uneinigkeit als Einigkeit schaffen. Jetzt scheint die Zeit der Euro-Konflikte gekommen.

Aber auch außerhalb Europas stehen die Zeichen auf Sturm, und nicht nur in Korea und Nahost.

Die großen Gewinner der vergangenen Jahre sind Vermögenswerte, die von Krieg und Konflikt profitieren, vor allem Rüstungskonzerne und nicht zuletzt der sichere Hafen Gold. Nicht gefragt waren hingegen Aktien von Firmen aus „friedlichen“ Branchen wie Freizeit und privater Konsum. Die Börsen künden von einer neuen Ära der Beklommenheit.