Flughafen Frankfurt

The Squaire – Deutschlands größtes Bauwerk ist fertig

Der Flughafen in Frankfurt wird noch attraktiver. The Squaire ist fertig. In dem Riesenbauwerk gibt es zwei Hilton-Hotels, Restaurants und Büros.

Am Frankfurter Flughafen hat ein Raumschiff angedockt. Ein Prachtbau mit 140.000 Quadratmeter Raum für Büros, Hotels, Handel und Gaststätten. 660 Meter ist das Squaire, ein Wunderwerk der Statik und Bautechnik, lang. Weil im Untergrund der Fernbahnhof am Airport liegt, waren nur neun Etagen möglich. Das derzeit größte Einzelbauvorhaben Deutschlands prunkt aber mit einer einzigartigen Architektur neben den farblosen Flughafengebäuden. 2000 Glasscheiben umschließen das Gebäude, das wie eine Raupe daliegt. Der Architekt Helmut W. Joos hat wie so oft in der modernen Baukunst offenbar Anleihen in der Biologie genommen. Das Bauwerk wird denn auch mit einem Walfisch verglichen. Auch von einem Zeppelin ist die Rede. 20.000 Tonnen Stahl und 60000 Tonnen Beton wurden verbaut. Wenn das Prestigeobjekt des Bonner Immobilienkonzerns IVG und der Fraport AG im nächsten Jahr wohl vollständig bezogen ist, werden dort an die 7000 Menschen arbeiten, mit Besuchern werden es 10000 sein.

Wie viele andere Großvorhaben wurde der Bau natürlich nicht rechtzeitig fertig und auch viel zu teuer. Erst musste der Generalauftragnehmer ausgewechselt werden, dann minderwertiger Stahl und fehlerhafte Rolltreppen aus China. So wird der Bau fast zwei Jahre später fertig. Statt der geplanten 660 Mio. Euro kostet er am Ende mehr als eine Mrd. Euro. „Ein fantastischer Bau, aber wirtschaftlich eine Katastrophe“, sagt denn auch ein Bankvorstand.

Im letzten Quartal 2010 belasteten Abschreibungen auf das Squaire sogar noch die Bilanzen der IVG, die sich gerade mühsam wieder in die Gewinnzone zurückgearbeitet hat. Die IVG hat trotz verheerender Bilanzen in den vergangenen Jahren den Bau aber durchgezogen und muss nun sehen, dass er sich irgendwann amortisiert. Immerhin ist noch ein Drittel der Flächen ohne Mieter. Doch IVG-Chef Gerhard Niesslein, erst seit zwei Jahren im Amt, ist Profi genug, das Objekt am Immobilienmarkt der Bankenstadt mit ihrem hohen Büroleerstand von 15 Prozent zu positionieren.

Prominente Mieter: Hilton und KPMG

Mit der Europazentrale der Wirtschaftsberatungsgesellschaft KPMG und den Hilton-Hotels hat er jedenfalls zwei prominente Ankermieter, die große Flächen belegen. Und wenn die IVG für den Büroquadratmeter eine Miete 30 Euro im Monat verlangen kann, ist das schon ein Achtungszeichen. Die Immobilienmakler Jones Lang LaSalle und BNP Paribas Real Estate nennen für Frankfurt immerhin Spitzenpreise von 33 und 35. Im Durchschnitt werden 20 Euro verlangt. Trotz des hohen Büroleerstands sind Topimmobilien in Frankfurt bei Investoren und Mietern weiter gefragt, wie der Verkauf des Opernturms und der Baustart des Taunusturms ohne einen einzigen Mietvertrag zeigen.

Obwohl am Flughafen mit den Gateway Gardens, The Squaire und dem Main Airport Center Flächen von insgesamt 427.000 Quadratmetern nach Angaben des Immobilienberaters Colliers rund 20 Prozent im Januar leer standen, hat das IVG-Großprojekt gute Chancen. Denn hier ist wenige Minuten von den Flugsteigen entfernt eine Topadresse für Dienstleister entstanden. Nach der KPMG hat sich jetzt das Beratungsunternehmen Arthur D. Little eingemietet. Frische Verträge gibt es mit dem Baukonzern Bilfinger Berger, der Personalberatung Hofmann Consultants und dem Automobilzulieferer Nemark. Weitere sind in Verhandlung.

Eine neue Marketingoffensive trägt Früchte. Zunächst wurde das frühere Airrail Center in The Squaire umbenannt – eine mutige Kombination aus Square (Platz) und Air (Luft). Der etwas sperrige Name kommt von einem Mitarbeiter, nachdem zwei PR-Firmen nichts Verwertbares liefern konnten. Draufgesattelt wurde noch Werbung für eine New Work City und Satellite Offices für Firmenrepräsentanzen am Flughafen. Auszahlen dürften sich 3100 Pkw-Stellplätze im Objekt und im künftigen Parkhaus, das über eine Minibahn angebunden ist. Und dann natürlich die zwei Hilton-Hotels, eines in der Businessklasse mit 300 Betten und das zweite in der First-Klasse mit 200 Betten. Verhandlungen gibt es über die Ansiedlung eines Medical Centers.

Schleichende Eröffnung

Alles dreht sich um rare Produkt Zeit. Für Unternehmensberater ist der Standort im Airport ideal. „Mit der New Work City entsteht an einem der bestangebundenen Standorte der Welt eine innovative und moderne Arbeitswelt unter einem Dach“, wirbt IVG-Chef Gerhard Niesslein für sein Projekt. „Airport Citys sind die erste Wahl für global agierende Dienstleister. Schnelle Wege zum Kunden und die Funktion als Treffpunkt der Wirtschaftswelt sind ihr großer Vorteil.“ Denn Zeit sei einer der wichtigsten Rohstoffe – „ein kostbares, knappes Gut, dessen Besonderheit darin besteht, das es sich weder festhalten, noch lagern lässt.“

Ein Grand Opening wird nicht gefeiert. Seit einigen Wochen können die Flughafenbesucher die Riesenhalle über den ICE-Gleisen bestaunen. In dem riesigen Innenhof sollen Flugreisende bald relaxen können. Die Hotels sollen über das Jahr mit einem Soft Opening starten. „Wir sind in der Positionierung auf einem guten Weg“, ist IVG-Marketingchefin Kerstin Hennig überzeugt. Die steigende Bekanntheit und das Konzept zeigten Wirkung. In der zweiten Jahreshälfte 2010 seien die Vermietungen und Anfragen deutlich angestiegen. Für Squaire soll auch das Umweltzertifikat „LEED Gold“ werben. Das Brauchwasser wird aus Regenzisternen gewonnen.