Vor Ausbruch des Iran-Kriegs zahlten Verbraucher in Deutschland noch etwa 90 Euro für 100 Liter Heizöl. Derzeit sind es häufig rund 170 Euro. Wer mit Öl heizt, muss diesen Winter sehr tief in die Tasche greifen, denn er zahlt damit fast doppelt so viel wie noch vor wenigen Monaten. Doch ausgerechnet dann, wenn viele dringend Nachschub brauchen, liefert eine Auswertung im Auftrag von Greenpeace brisante Zahlen – und wirft Fragen zu den Gewinnen der Mineralölkonzerne auf.

Donnerstag

Wirtschaft in Berlin

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Seit Beginn des Krieges im Februar sollen die Unternehmen auf dem deutschen Heizölmarkt Übergewinne von insgesamt 858 Millionen Euro erzielt haben. Steffen Bukold, Hamburger Ölexperte, hat dafür die Entwicklung der Marktpreise und der Rohölpreise analysiert. Sein Ergebnis zeigt: Die Preise für Heizöl seien deutlich schneller angestiegen als die Kosten für den Rohstoff.

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Was hinter dem starken Preisanstieg steckt, hat gleich mehrere Ursachen. Die Eskalation im Nahen Osten, Angriffe auf Schiffe sowie Sorge vor Lieferengpässen sorgen für Unsicherheit und können die Versorgung verteuern. Hinzu kommt die weltweite Nachfrage nach Öl.

Doch nach den Berechnungen von Bukold erklärt der Rohölpreis allein den Anstieg der Heizölpreise offenbar nicht. Laut der Analyse lagen die Übergewinne der Mineralölkonzerne bereits zwischen März und Juli im Durchschnitt bei 13 Cent je Liter Heizöl über dem Niveau vor Kriegsbeginn. Ab August seien die Margen noch einmal deutlich gestiegen. Bis Anfang Oktober haben die errechneten zusätzlichen Gewinne durchschnittlich 29,9 Cent je Liter erreicht.

Heizölpreise treiben Gewinne der Mineralölkonzerne in die Höhe

Die Zahlen werfen die Frage auf, in welchem Umfang die Unternehmen die gestiegenen Kosten weitergeben und wie stark sie die Marktlage zugleich für höhere Gewinne nutzen. Für Verbraucher bedeutet das in erster Linie: Sie zahlen deutlich mehr für Heizöl, während die Unternehmen laut der Analyse zusätzliche Gewinne erzielen.

Das Problem ist unmittelbar spürbar: Wer den Kauf wegen der hohen Preise zunächst aufgeschoben hat, kann ihn nicht unbegrenzt hinauszögern. Vor Beginn der Heizperiode müssen viele Haushalte ihre Tanks wieder füllen. Ist der Füllstand niedrig, bleibt ihnen kaum Spielraum, auf günstigere Preise zu warten.

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Greenpeace fordert eine Übergewinnsteuer für Mineralölkonzerne

Greenpeace-Energieexpertin Mira Jäger fordert deshalb, die zusätzlichen Gewinne der Unternehmen abzuschöpfen. Das Geld solle in eine konsequente und sozial gerechte Wärmewende fließen. Eine Übergewinnsteuer würde dem Staat ermöglichen, einen Teil der außergewöhnlichen Gewinne nachträglich zu besteuern.

Für Haushalte hätte eine solche Steuer allerdings nicht automatisch niedrigere Heizölpreise zur Folge. Sie würde zunächst bei den Gewinnen der Unternehmen ansetzen. Befürworter hoffen zudem, dass eine solche Abgabe den Anreiz verringert, in Krisenzeiten besonders hohe Margen durchzusetzen. Ob und in welchem Umfang sich das auf die Preise auswirken würde, ist jedoch offen.

Hohe Energiepreise treiben auch die Inflation

Die Greenpeace-Analyse zeigt auch, wie stark fossile Energieträger die Lebenshaltungskosten beeinflussen. Demnach wäre die Inflationsrate in Deutschland im August 2026 ohne die direkte Wirkung des Ölpreisschocks bei 1,9 statt bei 2,9 Prozent gelegen. Seit 2024 hätten Energiepreise laut der Untersuchung 62 Prozent der Schwankungen der deutschen Inflationsrate erklärt.

Steigende Ölpreise treffen Verbraucher also nicht nur beim Heizen oder Tanken. Sie können sich auch auf die allgemeine Preisentwicklung auswirken. Wie stark andere Waren und Dienstleistungen dadurch teurer werden, hängt allerdings von weiteren Faktoren ab. Der Greenpeace-Bericht unterstreicht vor allem, wie abhängig die Preisentwicklung von internationalen Energiemärkten und geopolitischen Konflikten bleibt.