Die Zuckersteuer kommt: Union und SPD haben einen entsprechenden Gesetzentwurf auf den Weg gebracht. Limonaden, Energydrinks und Co. werden ab nächstem Jahr teurer. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.
Was genau ist geplant?
Ab dem 1. Juli 2027 sollen nach dem Willen der Bundesregierung auf zuckergesüßte Getränke mit einem Zuckergehalt ab fünf Gramm pro 100 Milliliter ein Steuersatz von 26 Cent pro Liter erhoben werden; ab acht Gramm sollen es 32 Cent sein. Die Zuckergetränkesteuer soll beispielsweise Limonaden wie Cola, Orangenlimonade oder gesüßte Fruchtschorlen, aber auch Eistees, Energydrinks, Fruchtnektar oder Saftkonzentrate mit Zuckerzusatz erfassen. Auch zuckerhaltiger Sirup und entsprechende Konzentrate sollen unter die Steuer fallen. Bevor das neue Gesetz jedoch nächstes Jahr in Kraft treten kann, muss es noch durch den Bundestag.
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Werden auch Säfte und Schorle besteuert?
Nein, nicht wenn sie ohne zugesetzten Zucker auskommen.
Welche Getränke und Hersteller sind von der Zuckersteuer ausgenommen?
„Nicht erfasst werden alkoholhaltige Getränke, weil diese in der Regel bereits einer anderen Verbrauchsteuer unterliegen“, teilte das Finanzministerium mit. Auch entsprechende alkoholfreie Alternativen sind von der neuen Steuer ausgenommen. Gleiches soll für Milch, Hafer- und Reisdrinks sowie entsprechende Mischgetränke, reine Frucht- und Gemüsesäfte, reines Frucht- und Gemüsesaftkonzentrat sowie entsprechende ungesüßte Schorlen gelten. Auch Getränke, die mit Süßungsmitteln gesüßt sind, sollen nicht unter die Zuckergetränkesteuer fallen.
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Ebenso sind Ausnahmeregelungen für kleine Hersteller geplant: Wer jährlich weniger als eine Million Liter produziert, ist von der Zuckersteuer befreit.
Warum will die Bundesregierung die Zuckersteuer überhaupt einführen?
Die Zuckersteuer soll dem Bund Mehreinnahmen von 690 Millionen Euro nächstes Jahr und 925 Millionen Euro im Jahr 2028 einbringen. Geld, das in der Krankenversicherung dringend gebraucht wird. Denn das Finanzministerium von Lars Klingbeil (SPD) erklärt: „Der übermäßige Zuckerkonsum führt zu einem erhöhten Risiko für Adipositas, Diabetes mellitus Typ 2, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Karies. Die jährlichen Versorgungskosten durch den erhöhten Konsum von gezuckerten Getränken für das Gesundheitssystem werden auf etwa 2,1 Milliarden Euro beziffert.“ Die Einnahmen durch die Zuckersteuer sollen dazu verwendet werden, die Beiträge für die gesetzliche Krankenversicherung stabil zu halten.
Wie viel teurer werden nun zuckerhaltige Getränke?
Zwischen 26 und 32 Cent pro Liter soll die Zuckersteuer betragen. „Diese Zusatzkosten können Unternehmen nicht vollständig auffangen. Die Kosten werden zumindest teilweise bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern ankommen“, warnt der Lobbyverband der Erfrischungsgetränke-Industrie in Deutschland, die Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreie Getränke (Wafg). Die Steuer könnte also dazu führen, dass man künftig mehr für Cola, Fanta, Spezi oder Ähnliches bezahlen muss. Laut dem Lobbyverband könnte sich ein Kasten Limonade oder Cola um mehr als fünf Euro verteuern.
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Was sagt die Industrie zu der Steuer?
Hersteller sind erwartungsgemäß nicht begeistert von der Zuckersteuer. „Wir halten eine Steuer auf zuckerhaltige Getränke nicht für das richtige Instrument, weil sie Verbraucher und Unternehmen zusätzlich belastet, ohne eine Lenkungswirkung sicherzustellen“, teilte Coca-Cola Europacific Partners Deutschland (CCEP DE) auf Anfrage mit. CCEP DE ist der größte Limonadenhersteller in Deutschland mit einem Absatzvolumen von rund vier Milliarden Litern pro Jahr.

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Wirtschaft in Berlin
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Viele Menschen hätten in den vergangenen Jahren aus eigenem Willen ihren Zuckerkonsum reduziert, so der Konzern weiter. In Deutschland sei der Kaloriengehalt von Getränken zwischen 2015 und 2025 um fast 21 Prozent gesunken. Damit habe die Branche das freiwillige, mit der Bundesregierung vereinbarte 15‑Prozent-Ziel der Zuckerreduktion übertroffen.
Und auch die Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreie Getränke spricht sich gegen die Zuckersteuer aus. Hauptgeschäftsführer Detlef Groß verwies auf die erfolgreiche freiwillige Selbstverpflichtung der Konzerne, um den Zuckergehalt in ihren Getränken zu reduzieren. Zudem sei eine Einführung schon im nächsten Jahr zu früh. „Ein solches Hauruckverfahren kann keine guten Ergebnisse bringen“, so Groß. Für die neue Steuer müssen zahlreiche betriebliche Prozesse umgestellt werden. „Das geht nicht per Knopfdruck, dafür braucht es einen verlässlichen Vorlauf.“

Was sagen Verbände zu der Steuer?
Die Chefin der Bundesverbraucherzentrale, Ramona Pop, freut sich über die Zuckersteuer. „Die Zuckersteuer ist eine Investition in die Gesundheit der Menschen, kein Mittel zur Haushaltssanierung“, sagte sie unserer Redaktion. „Getränke müssen nicht automatisch teurer werden. Hersteller können und sollen den Zuckergehalt ihrer Produkte senken. Genau dieser Anreiz zu gesünderen Rezepturen ist ihr eigentlicher Zweck.“
Kritik äußerte Pop jedoch an den Ausnahmen, die für kleinere Unternehmen gelten sollen. Das sei nicht nachvollziehbar: „Unnötige Ausnahmen schwächen die Lenkungswirkung der Steuer und schaffen potenzielle Schlupflöcher.“
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Wie sind die Erfahrungen in Ländern, die schon eine Zuckersteuer eingeführt haben?
In Großbritannien gibt es seit 2018 eine Steuer auf zuckerhaltige Getränke. Und viele Hersteller haben den Zuckergehalt ihrer Softdrinks seitdem gesenkt – auch, um die Steuer nicht bezahlen zu müssen. Enthielten 2015 noch fast 50 Prozent der im Supermarkt angebotenen Getränke mehr als fünf Gramm Zucker pro 100 Milliliter, waren es 2019 nur noch 15 Prozent. Außerdem legt eine Studie der Cambridge University nahe, dass die Zuckersteuer die Fettleibigkeit bei zehn- und elfjährigen Mädchen um acht Prozent verringert hat.









