Im Hause Hanwha überlegt man noch, wo die neue Fabrik brummen soll: Hanwha ist der größte Rüstungskonzern Südkoreas und plant aktuell, ein Werk in Deutschland zu eröffnen, in dem schon bald südkoreanische Munition und Waffen hergestellt werden könnten. Was viele Pazifisten alarmieren dürfte, macht deutschen Bundesländern Hoffnung: Millionen in einem hohen dreistelligen Bereich winken sowie 200 bis 300 neue Arbeitsplätze. Mehrere Länder bemühen sich aktuell um Hanwhas Gunst.

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Wirtschaft in Berlin
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Hintergrund dieser großen Investitionsplanung ist die geopolitische Lage, in der sich Europa und Südkorea befinden: Russlands Überfall auf die Ukraine 2022 hat in vielen EU-Staaten nicht nur zu Aufrüstung geführt, sondern dazu, dass Waffen- und Munitionsbestände schrumpfen. In Südkorea wiederum, einem wichtigen Player auf dem Rüstungsmarkt, nutzt man die Nachfrage, um Geschäfte zu machen. Nur, wo soll Hanwhas Fabrik entstehen?
Unternehmen meiden Investitionen bei fremdenfeindlichem Klima
Zu den Kriterien gehörten „Sicherheitsabstände“ zu Konfliktgebieten sowie Fördergelder, sagt Thorsten Kutz, Chef der Tochterfirma Hanwha Defence Deutschland GmbH in Berlin. Hinzu kommen die „Verfügbarkeit von Arbeitsplätzen, der Zugang zu Ausbildung, vielleicht auch die Nähe zu Produktionsstätten, die wir in Osteuropa aufbauen, um Synergien zu schaffen“. Ein Thema, das vermutlich mitbewertet, aber nicht offen erwähnt wird: das politische Klima. Wie steht die Gesellschaft zu ausländischem Geld und Arbeitskräften?
Tatsächlich dürfte dies ein wichtiger Faktor sein bei der Frage, wo der Konzern sehr viel Geld investieren will. Jedenfalls treffen viele andere Unternehmen entsprechende Erwägungen. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage des Instituts Gallup, das im Auftrag der auch im südkoreanischen Seoul präsenten Friedrich-Naumann-Stiftung durchgeführt wurde. Einhellige Stimmungslage dort: Wenn ein ausländer- oder migrationsfeindliches Klima herrscht, senkt dies die Attraktivität für Investition in die entsprechende Region.
Südkoreanische Firmen sehen Rechtsruck als Investitionsrisiko
Für die Umfrage, die vorab exklusiv vorliegt, wurden 100 Betriebe unterschiedlicher Branchen aus Südkorea interviewt, die Geschäfte in Europa machen oder dies planen. Gefragt wurde: „Inwieweit beeinflusst Ihrer Meinung nach der wachsende Einfluss rechtsextremer politischer Kräfte und des einwanderungsfeindlichen Diskurses in Deutschland dessen Attraktivität als Investitionsstandort für ausländische Unternehmen?“ 68 Prozent sehen „sehr negative“ oder „eher negative“ Auswirkungen.

In Deutschland dürfte dieses Ergebnis aufhorchen lassen. Einerseits hat das Land unter Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) auf Bundesebene einen klaren Rechtsruck erlebt, der von der Bemühung um verstärkte Abschiebungen und „Abschiebehaft“ bis zu Grenzkontrollen mit EU-Nachbarländern reicht. Auch den erfolgreichen „Jobturbo“, mit dem die vorige Ampel-Regierung insbesondere ukrainische Geflüchtete recht schnell in den Arbeitsmarkt integrieren konnte, ist von Merz ins Visier genommen worden.
Andererseits ist in bundesweiten Umfragen aktuell die AfD stärkste Kraft, die das Bundesamt für Verfassungsschutz als „gesichert rechtsextremistisch“ einstuft. Bei den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt holte die AfD je die meisten Stimmen. In Sachsen-Anhalt, wo die AfD die nächste Regierung stellen könnte, wirbt sie mit Abschiebung, Remigration und einer vermeintlichen Rückgewinnung deutscher Ausgewanderter. Der akute Arbeitskräftemangel, eine der großen ökonomischen Herausforderungen in Deutschland, dürfte auf so eine Weise zunehmen.
Fachkräfte entscheiden über Erfolg ausländischer Investitionen
So schätzt es Frederic Spohr ein, der das Seoul-Büro der Friedrich-Naumann-Stiftung leitet, in deren Auftrag die erwähnte Studie durchgeführt wurde: „Wer internationale Investitionen gewinnen will, muss auch die Menschen willkommen heißen, die das nötige Know-how mitbringen.“ Würden Unternehmen dabei Steine in den Weg gelegt oder ihre Fachkräfte vergrault, könne das Investitionen gefährden und letztlich Arbeitsplätze kosten.
Tatsächlich reicht es kaum aus, nur ausländisches Geld ins Land zu lassen – mit den Transfers von Geld muss in der Regel der Transfer von Wissen oder Fertigkeiten einhergehen, das die investierenden Unternehmen vor Ort anwenden und Investitionen fruchtbar machen können. „Ostasiatische Hochtechnologieunternehmen müssen ihre Experten zuverlässig an neue Standorte entsenden können“, so Spohr. „Selbst in Deutschland ist das erforderliche Spezialwissen dafür vor Ort häufig nicht vorhanden.“

Südkorea und Deutschland verstärken Kooperation bei Rüstung
Das gilt auch, aber nicht ausschließlich, im Rüstungsbereich. Deutschland bemüht sich aktiv um mehr Austausch mit Südkorea, das seit 2023 als Nato-gleichgestellter Staat gilt, was den Handel mit Rüstungsgütern erleichtern soll. „Wir müssen uns natürlich der Tatsache stellen, dass in Europa der Ruf nach resilienten Lieferketten immer größer wird“, so Thorsten Kutz. Man wünscht sich Investitionen vor Ort. Auch Kooperationen um die gemeinsame Entwicklung von Lenkflugkörpern und Weiterem wurden vereinbart.
In vielen Fällen ist aber bisher unklar, wie sich solche Investitions- und Kooperationsprojekte konkret ausformen – und wo im Land dies stattfinden soll. Was Hanwha angeht, würde die geografische Nähe zu Osteuropa, wo der Konzern in Polen und Rumänien weitere Werke unterhält oder plant, für ostdeutsche Bundesländer sprechen. Einige Verfügbarkeit von Arbeitsplätzen scheint dagegen dort vorhanden, wo Konzerne wie VW ihre Fabriken schließen dürften, etwa in Sachsen oder Niedersachen.
Wie schwer ein ausländerfeindliches Klima bei einer Investitionsentscheidung letztlich ins Gewicht fällt, dürfte je nach konkretem Fall variieren. Was dagegen offensichtlich erscheint: Bei großen Vorhaben, um deren Gunst sich viele Standorte bewerben, könnten Regierungen, die Ingenieurinnen oder Fließbandarbeiter aus dem Ausland nicht offen willkommen heißen, sondern stattdessen mit Remigration werben, schnell den Kürzeren ziehen.





