Das Amtsgericht Düsseldorf will am Montag, 5. Oktober, entscheiden, ob es den Insolvenzantrag des Warenhauskonzerns Galeria zulässt. Vom Urteil der Richter hängt ab, ob die 12.000 Beschäftigten und die 83 Filialen überhaupt noch eine Perspektive haben.

Donnerstag

Wirtschaft in Berlin

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Die Lage nach dieser vierten Insolvenz in sechs Jahren ist brisanter als zuvor. Erst war es die Corona-Pandemie, dann die Pleite des früheren Mutterkonzerns Signa des inzwischen mehrfach verurteilten österreichischen Geschäftsmanns René Benko, die Galeria in Schutzschirm- und Eigenverwaltungsverfahren drängte. Nach Angaben des Amtsgerichts Düsseldorf hat das Unternehmen am Freitag aber nun einen Antrag auf Regelinsolvenz gestellt. Das bedeutet, dass ein Insolvenzverwalter an die Stelle der Geschäftsführung um Tilo Hellenbock treten und erst einmal die Bücher sichten wird.

Zahlt die Agentur für Arbeit Insolvenzgeld?

In den drei Verfahren zuvor hatte die Agentur für Arbeit jeweils für drei Monate den Beschäftigten Insolvenzgeld bezahlt. Ob das „Arbeitsamt“ auch dieses Mal einspringt, ist bislang ungeklärt. Denn für Galeria läuft immer noch der sogenannte Bewährungszeitraum der dritten Insolvenz – und zwar bis Sommer 2027. Sollte die Agentur für Arbeit das Insolvenzgeld verweigern, würde es sicherlich einen Aufschrei der Gewerkschaft Verdi und der Politik geben. 12.000 Menschen wären von Arbeitslosigkeit bedroht.

Galeria-Chef Tilo Hellenbock
Tilo Hellenbock ist seit anderthalb Jahren Galeria-Chef.© FUNKE Foto Services | GALERIA

Die Bedeutung der Kette ist in den vergangenen Jahren, auch aufgrund der zahlreichen Schließungen, deutlich gesunken. 2019 erzielten Karstadt und Kaufhof mit 174 Filialen nach Berechnungen des Kölner Handelsinstituts EHI noch einen Nettoumsatz von 4,5 Milliarden Euro. Aktuell seien es mit weniger als der Hälfte der Warenhäuser nur noch zwei Milliarden Euro, so das EHI. Die Relevanz von Kauf- und Warenhäusern hat zuletzt stark nachgelassen. Ihre Marktanteile sanken nach EHI-Angaben seit Beginn des Jahrzehnts von 4,2 Prozent auf zuletzt 1,2 Prozent.

Rettung oder Aus für Galeria

Die Frage, ob Warenhäuser überhaupt noch eine Zukunft haben, wird freilich auch den Insolvenzverwalter beschäftigen. „Ein vollständiges Aus ist möglich, aber keineswegs zwangsläufig“, sagt der Handelsexperte Carsten Kortum von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Heilbronn. Er halte eine Fortführung mit deutlich weniger Standorten gerade für die Mitarbeiter für eine mögliche Lösung, „nicht jedoch eine dauerhafte Rettung des gesamten bisherigen Filialnetzes“.

Essen - Vorstellung neuer Investor Galeria Laufhof Karstadt
Der Mannheimer Unternehmer Bernd Beetz ist seit dem Jahr 2024 Miteigentümer von Galeria.© FUNKE Foto Services | Lars Heidrich

Nötig sei dafür „endlich“ ein Eigentümer, der nicht nur kurzfristige finanzielle Interessen habe, sondern langfristig an das Geschäftsmodell Kaufhaus glaube, meint Kortum. Ob die beiden Gesellschafter, die Unternehmer Bernd Beetz und Richard Baker, dazu bereit und in der Lage sind, ist ungewiss. Von Beetz gibt es bislang nur ein kurzes Statement: „Ich bedauere, dass die Umstrukturierungsmaßnahmen bei Galeria nicht schnell genug Erfolg gezeigt haben“, sagte er. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hätten bis zum Ende an die Rettung geglaubt und sie auch verdient. „Ich habe in den letzten zwei Jahren alles getan, um die notwendigen Veränderungen zu unterstützen, und konkrete Optionen vorgestellt.“

Umsatzeinbruch im heißen Sommer

Über die Frage, wie schwer Galeria wirtschaftlich angeschlagen ist, gibt es nur Vermutungen. Bereits Anfang des Jahres war das Unternehmen an manchen Standorten nicht einmal mehr in der Lage, die Mieten zu bezahlen. Auch für die Bestellung frischer Ware war kein Geld da. Die Filialen wurden angehalten, Lücken in den Regalen bestmöglich zu kaschieren. Alle Hoffnungen ruhten auf Verhandlungen mit Investoren, die frisches Geld in das Unternehmen pumpen sollten.

Galeria Karstadt Kaufhof Insolvency
In vielen Galeria-Geschäften finden sich leere Regale.© picture alliance / ZUMAPRESS.com | Davide Elias

Im Juli biss dann endlich einer an: Doch für die zur Verfügung gestellten 160 Millionen Euro verlangte die US-Investmentgesellschaft Gordon Brothers Sicherheiten. In der Konsequenz gehören große Teile der Ware in den Filialen Gordon Brothers. Die Kredite sollen aber rasch aufgebraucht gewesen sein. Medienberichten zufolge hat Galeria im August und September sogar Probleme gehabt, die Gehälter zu bezahlen. Die „Wirtschaftswoche“ berichtet von einem Finanzierungsloch in Höhe von 36 Millionen Euro. Eine Ursache waren wohl auch Umsatzeinbrüche zwischen 15 und 25 Prozent in den heißen Sommermonaten.

Leere Regale bei Galeria

Die schlechteren Geschäfte wird wohl auch das ausgedünnte Warenangebot begründet haben. Der Besuch in einer Galeria-Filiale im Ruhrgebiet am Donnerstagabend kurz vor der vierten Insolvenz ist ernüchternd: In der Haushaltswarenabteilung stechen leere Regale ins Auge. In der Damenoberbekleidung reiht sich ein „Sale“-Schild an das nächste. Aktuelle Herbstware ist kaum zu finden.

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Für den Niedergang macht die Gewerkschaft Verdi Gesellschafter und Geschäftsführung verantwortlich. „Haarsträubende Managementfehler haben zu dieser Entwicklung geführt. In den letzten Jahren sind durch die Gesellschafter keine nachhaltigen Investitionen geflossen“, sagt Bundesvorständin Silke Zimmer. „Es braucht jetzt eine schnelle Aufklärung, wie es für die 12.000 Beschäftigten weitergeht.“

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verzichten seit Jahren auf Gehalt – nach Verdi-Angaben sind es bis zu 30 Prozent im Vergleich zum Flächentarifvertrag Einzelhandel. Doch sie sind nicht die Einzigen, die für das Unternehmen „bluten“. Bei den drei Insolvenzverfahren zuvor haben die Gläubiger auf Ansprüche in Höhe von fünf Milliarden Euro verzichtet. Bei der zweiten Insolvenz half auch der deutsche Staat mit insgesamt 680 Millionen Euro, von denen er nur einen kleinen Teil zurückerhielt.