Die erneute Insolvenz der Warenhauskette Galeria ist nach Einschätzung des Handelsexperten Johannes B. Berentzen vor allem Ausdruck eines nicht mehr tragfähigen Geschäftsmodells. „Galeria hat nicht nur ein Finanzierungsproblem, es hat vor allem ein Relevanzproblem“, sagte der Handelsexperte der BBE Handelsberatung dieser Redaktion. Wer vier Insolvenzen in sechs Jahren erlebe, habe keine reine Liquiditätskrise, „sondern ein Geschäftsmodell, das der Markt so nicht mehr trägt“.

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Auch die zuletzt bereitgestellten 160 Millionen Euro hätten keine nachhaltige Wende gebracht. „In der Realität waren es Löscharbeiten: Altschulden ablösen, Vermieter beruhigen, in die Sommermonate gehen – mit viel zu wenig Puffer für das, was eigentlich nötig gewesen wäre: Investitionen in Sortiment, Fläche, Erlebnis“, sagte Berentzen. Das Zeitfenster nach der Insolvenz 2024 sei zu wenig für eine grundlegende Transformation genutzt worden. „Hier hätte es einen strategischen Investor und deutlich mehr Finanzmittel gebraucht.“

Galeria-Insolvenz: Schließung droht lange Lücke in Innenstädten

Für die Innenstädte könnte die erneute Insolvenz erhebliche Folgen haben. „Wenn das letzte große Warenhaus aus einer Innenstadt verschwindet, reißt das eine Lücke, die sich nicht einfach nachnutzen lässt“, sagte Berentzen. Im Schnitt vergingen mehr als fünf Jahre, bis ein neues Konzept etwa mit Mischnutzung wieder eröffne. Für das klassische Vollsortiment-Warenhaus ohne klares Profil sehe er keine Zukunft. „Für differenzierte, lokal verankerte Formate mit Erlebnischarakter: auf jeden Fall.“ Nach seiner Einschätzung könnten 40 bis 50 Galeria-Häuser fortführungsfähig sein. Jedoch nur, wenn es gelinge sich klar zu positionieren und tragfähiges Konzept zu entwickeln.

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Galeria betreibt derzeit 83 Warenhäuser und beschäftigt rund 12.000 Menschen. Erst im Juni hatte die Warenhauskette eine neue Kreditfinanzierung von bis zu 160 Millionen Euro erhalten. Die US-Investmentgesellschaft Gordon Brothers stellte das Geld unter anderem zur Ablösung eines laufenden Kredits und für offene Mietzahlungen bereit. Die Finanzierung war an einen dreijährigen Sanierungsplan geknüpft, der weitere Filialschließungen vorsah.

Galeria-Warenhäuser: Vierte Insolvenz seit 2020

Für Galeria ist die nun beantragte Insolvenz bereits das vierte Verfahren seit 2020. Seit Sommer 2024 gehört die Warenhauskette der US-Investmentgesellschaft NRDC und einer Beteiligungsfirma des Unternehmers Bernd Beetz.