E-Autofahrer sind Gewinner. Das weiß ich, seitdem ich mir vor zwei Jahren einen Fiat 500 Elektro angeschafft habe. An jeder Ampel fahre ich auch den schönsten Sportwagen davon. Es sei denn, sie haben selbst einen E-Motor eingebaut. Aber das kommt bislang ja nur selten vor. Ich lege es gar nicht drauf an, ich fahre schließlich Auto und kein Rennen. Aber die überlegene Dynamik und den sportlichen Fahrkomfort habe ich ungewollt mitgekauft. Das weiß ich mittlerweile sehr zu schätzen.

Donnerstag
Wirtschaft in Berlin
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Je teurer das Verbrenner-Auto neben mir, desto müder ist mein Lächeln. Nun könnte ich mich zurzeit sogar besonders freuen, wenn ich an einer Tankstelle vorbeifahre und auf die Preisschilder gucke. Denn im Gegensatz zu Benzin oder Diesel sind die Preise, zu denen ich an der Ladesäule Strom tanke, nach wie vor dieselben wie vor dem Iran-Krieg.
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Die Hormus-Krise ist weit weg
Wenn ich an der Schnellladesäule meines Vertragsanbieters für 51 Cent pro Kilowattstunde unkompliziert per App auf dem Handy lade, kosten mich 100 Kilometer im Stadtverkehr 6,94 Euro. An den beiden Ladesäulen des Fremdanbieters direkt hinter meinem Haus, die eigentlich immer frei sind, sind es 64 Cent pro Kilowattstunde, das macht 8,70 Euro auf 100 Kilometern. Ein Benziner in derselben Größe wie mein Kleinwagen kommt bei einem Spritpreis von 2,39 Euro auf ungefähr 16,79 Euro für die Strecke.
Die Hormus-Krise ist für mich so weit weg wie die Schiffe, die seit Monaten im Persischen Golf festsitzen – das ist der eigentliche Gewinn durch mein E-Auto in diesen Zeiten. Aber angesichts des Ausmaßes verteuerter Spritpreise kann einem ja schlicht aus Mitgefühl jedes Lachen nur vergehen.
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Von der Welle des Fortschritts voll mitgenommen
Okay, E-Autos sind bislang noch vergleichsweise teuer in der Anschaffung. Ein Fiat 500 Elektro kostet neu laut Hersteller mindestens 25.990 Euro, der Benziner als Hybrid 14.990 Euro. Auch das Leasing ist um gut die Hälfte teurer (159 Euro pro Monat vs. 99 Euro pro Monat). Und die Reichweite meines sportlichen Kleinwagens reduziert sich von den vielleicht 250 Kilometern in der Stadt auf der Autobahn auf rund die Hälfte – je nach Geschwindigkeit und Außentemperatur.
Das ist so frustrierend gering, dass ich jede Idee einer längeren Reise mittlerweile verdränge. Und auf die Abdeckung funktionierender Ladesäulen an den Raststätten will ich mich auch nicht mehr verlassen müssen, nachdem ich eine Woche nach dem Kauf hochmotiviert mit zwei Kindern auf dem Rücksitz auf eine Fahrt von Berlin nach Hamburg ging, sie wegen der Ungewissheit auf halber Strecke aber lieber abbrach und nach vier Stunden wieder zurück nach Hause fuhr.
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Je teurer das Verbrenner-Auto neben mir, desto müder ist mein Lächeln.
Günter Marks,, FUNKE-Autor
Aber das ist geschenkt. In der Stadt funktioniert das Auto einfach zu gut. Die Welle des Fortschritts hat mich voll mitgenommen. Niemals steige ich freiwillig wieder in einen Benziner oder Diesel. Vielleicht kommt ein Plug-in-Hybrid noch mal infrage, aber das nur als Zwischenlösung. Die neuen E-Autos, die jetzt gerade auf den Markt kommen, auch von den viel gescholtenen deutschen Herstellern, sind so verheißungsvoll, dass die bisherigen Nachteile der Elektromobilität bald kaum noch ins Gewicht fallen.
Die lange Ära der Benzin- und Diesel-Antriebe geht vorbei
Was ich am wenigsten vermisse, sind die meist etwas schmuddeligen und ungesund riechenden Tankstellen. Wenn ich den sauberen Strom für meinen Antrieb brauche, fahre ich gerne auf den Parkplatz eines x-beliebigen Supermarkts mit Ladesäule und gehe während des Tankens eine halbe Stunde lang einkaufen.
Währenddessen denke ich an das Pferd als Fortbewegungsmittel, den Karren und die Kutsche sowie das erste verbrennerbetriebene Automobil vor mehr als hundert Jahren. Dass nun die lange Ära der Benzin- und Diesel-Antriebe vorbeigeht, empfinde ich dann nur als konsequenten Schritt einer gesellschaftlichen Entwicklung.








