Wer beim Hausbau selbst mit anpackt, kann Tausende Euro sparen. Zumindest auf dem Papier. Wer selbst streicht, Böden verlegt oder den Garten anlegt, kann zwar Handwerkerkosten drücken. Doch die Ersparnis kostet vor allem eines: Zeit. Experten verraten, für wen sich die sogenannte Muskelhypothek lohnt.

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„Der finanzielle Vorteil von Eigenleistung ist häufig kleiner, als er auf den ersten Blick erscheint“, sagt Maximilian Lang, Verkaufsleiter beim Fertighausanbieter Elk. Zwar lasse sich zunächst ein Betrag errechnen, den Bauherren durch ihre eigene Arbeit sparen. Berücksichtige man jedoch die benötigte Arbeitszeit und das Material, sei die tatsächliche Nettoersparnis oft überschaubar.

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Eigenleistung beim Bad: Selber ausbauen spart nur begrenzt Geld

Wie groß der Unterschied sein kann, zeigt ein Beispiel: Das meistverkaufte Hausmodell von Elk kostet in der günstigsten Ausbaustufe 391.000 Euro. Für fertig ausgebaute Bäder kommen rund 27.000 Euro hinzu. Wer das Bad stattdessen selbst ausbauen möchte, muss allerdings trotzdem Geld in die Hand nehmen. Je nach Ausstattung würden dafür etwa 8000 bis 20.000 Euro für Material, Werkzeug, Kleinmaterial, Transport und Entsorgung anfallen.

Somit bleiben damit rechnerisch zwischen 7000 und 19.000 Euro als mögliche Ersparnis. Dafür fallen allerdings Lang zufolge rund 250 bis 350 Arbeitsstunden an – mögliche Fehler oder Nacharbeiten noch nicht eingerechnet. „Vergleicht man das mit den 27.000 Euro Preisunterschied, ist das Einsparpotenzial aus unserer Sicht eher überschaubar“, so Lang. Anders sehe es bei Arbeiten aus, die weniger Fachwissen erfordern und sich mit überschaubarem Aufwand selbst erledigen lassen.

Handwerkerkosten sparen: Diese Arbeiten lohnen sich in Eigenregie

Laut Herbert Oberhagemann, Bauherrenberater beim Verband Privater Bauherren (VPB), können sich solche Arbeiten durchaus lohnen. Wer etwa den Garten selbst anlegt, brauche je nach Größe rund 30 Stunden und könne gegenüber einem Fachbetrieb etwa 1000 Euro sparen, „wobei die Pflanzen den Löwenanteil der Kosten ausmachen“, sagt der Experte.

Für Maler- und Tapezierarbeiten seien rund 125 Stunden realistisch, die Ersparnis liege je nach Region bei etwa 4300 bis 5000 Euro. Beim Einbau von Fußbodenbelägen seien rund 90 Stunden zu veranschlagen, dafür könnten bis zu 3500 Euro Handwerkerlohn entfallen. „Wer sich mehr zutraut, der kann selbst Fliesen verlegen. Knapp 50 Stunden braucht er dazu im normalen Reihenhaus“, sagt Oberhagemann. Die Ersparnis liege bei etwa 1800 bis 1900 Euro.

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Eigenleistung beim Hausbau: Aufwand oft unterschätzt

Solche Zahlen sind allerdings nur realistisch, wenn Bauherren die Arbeiten auch fachgerecht erledigen können. „Wer Eigenleistung beim Hausbau in Betracht zieht, sollte zunächst körperlich fit sein und schon einmal handwerklich gearbeitet haben“, sagt Lang. Ein ganzes Haus zu verspachteln und zu streichen, sei schließlich etwas anderes, als einmal einen Stuhl zu renovieren. „Dazu kommt die Frage des eigenen Anspruchs: Bin ich damit zufrieden, wenn man an der einen oder anderen Stelle sieht, dass etwas selbst gemacht wurde? Diese Frage sollte man sich vorher ehrlich beantworten“, sagt der Experte.

Doch nicht jede Arbeit eignet sich für Laien. „Es gibt zwei Bereiche, die für Bauherren kritisch sind, in Eigenregie zu übernehmen: die Elektroinstallation sowie Sanitärarbeiten“, sagt Lang. Ist etwa eine Dusche oder Badewanne nicht fachgerecht abgedichtet, müssen im Schadensfall unter Umständen Wände oder Böden wieder aufgestemmt und ganze Bereiche renoviert werden. „Da sollte man sich vorher sehr genau überlegen, ob die mögliche Ersparnis dieses Risiko wert ist“, sagt Lang. Außerdem können Fehler hier gefährlich werden.

„Bei einigen Gewerken gilt: Selbst wenn man als Laie die erforderlichen Kenntnisse hat, darf die Arbeit nur leisten, wer den offiziellen Qualifikationsnachweis besitzt“, sagt auch Oberhagemann. Dies sei neben Elektroinstallationen auch bei der Montage von Trink- oder Abwasserleitungen, sanitären Objekten wie WC oder beim Einbau der Heizungsanlage der Fall. „In diesen Bereichen hat Sicherheit Priorität.“

Eigenleistung beim Hausbau: Einsparpotenzial realistisch einschätzen

Hinzu kommen Kosten, die in der ersten Rechnung leicht untergehen. Private Bauherren bekommen beim Materialeinkauf meist nicht die Rabatte eines Fachbetriebs. Außerdem können Werkzeuge und Maschinen Geld kosten. Oberhagemann empfiehlt deshalb, bei Handwerksbetrieben oder Bauunternehmen nachzufragen, ob deren Maschinen für die Eigenleistung genutzt werden können.

Wie viel am Ende tatsächlich gespart wird, sollte deshalb vorsichtig kalkuliert werden. „Eigenleistungen kann man vorsichtig mit etwa fünf bis zehn Prozent der gesamten Baukosten kalkulieren“, sagt Erik Stange, Pressesprecher des Bauherren-Schutzbundes. Bei Baukosten von 300.000 Euro wären das rechnerisch 15.000 bis 30.000 Euro. Material-, Werkzeug- und mögliche Nachbesserungskosten müssten davon allerdings noch abgezogen werden. „Wer sich zeitlich oder fachlich übernimmt, kann die Ersparnis durch Bauverzögerungen und Fehler jedoch schnell wieder verlieren.“

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Versicherungsschutz für Bauhelfer beachten

Wer Freunde oder Verwandte als private Bauhelfer einsetzt, sollte außerdem an den Versicherungsschutz denken. Für Bauherren gelten laut Stange Melde- und Anzeigepflichten gegenüber der zuständigen Bauberufsgenossenschaft. Der gesetzliche Schutz der Bauhelfer umfasst allerdings nicht den Bauherrn selbst sowie dessen Ehe- oder Lebenspartner. Sie sollten deshalb ihren persönlichen Unfallschutz prüfen. Bei vielen Helfern oder einem hohen Anteil an Eigenleistungen könne zusätzlich eine private Bauhelfer-Unfallversicherung sinnvoll sein.

Die eigene Arbeitsleistung kann dabei nicht nur die tatsächlichen Baukosten senken, sondern unter Umständen auch bei der Finanzierung eine Rolle spielen. Banken können Eigenleistungen als Eigenkapitalersatz anerkennen. „Typischerweise werden etwa fünf bis zehn Prozent der Bau- oder Darlehenssumme berücksichtigt, häufig begrenzt auf rund 20.000 bis 30.000 Euro“, sagt Stange. Einzelne Banken akzeptierten unter Umständen mehr.

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Eigenleistung genau dokumentieren – Banken prüfen realistische Werte

Bauherren sollten die geplanten Eigenleistungen dafür möglichst genau dokumentieren. Kostenvoranschläge oder die entsprechenden Positionen aus dem Bauangebot können als Grundlage dienen. Zudem sollten Bauherren die Arbeitsstunden erfassen. „Wer Belege für Materialeinkäufe sammelt, kann damit die Qualität der Arbeit belegen“, sagt Oberhagemann. „Außerdem sollte man seine Tätigkeiten mit Fotos dokumentieren – als visuellen Nachweis für den Fortschritt und das Ergebnis.“ Denn die Bank prüfe, ob der angenommene Wert der Eigenleistungen realistisch ist. Wer zu großzügig kalkuliert, riskiert, dass die Bank den Wert niedriger ansetzt.

Ob sich Eigenleistung lohnt, hängt aber letztlich nicht allein davon ab, wie viel Geld sich damit sparen lässt. „Eigenleistung ist deshalb nicht nur eine Frage des Geldes“, sagt Lang. „Man muss sich auch überlegen, ob man bereit und in der Lage ist, über Monate hinweg praktisch jedes Wochenende in das eigene Bauprojekt zu investieren.“