Die Drogeriemarktkette dm will in ihren Filialen Herz-Kreislauf-Checks anbieten. Herz-Kreislauf-Erkrankungen seien „die häufigste Todesursache in Deutschland“, sagte Sebastian Bayer, Geschäftsführer Marketing und Beschaffung. Ohne großen Aufwand soll es dann möglich sein, Vitaldaten von Kunden zu erfassen. Dazu reiche es schon, sich angezogen in eine Kabine zu stellen. Die Technik sei inzwischen so weit fortgeschritten.

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Wirtschaft in Berlin

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Einen genauen Termin für die Einführung eines solchen Angebots nannte Bayer nicht. „Ich gehe aber davon aus, dass wir noch in diesem Kalenderjahr an den Start gehen.“ Laut Robert-Koch-Institut zählen Herzkrankheiten, Herzinfarkte und Schlaganfälle zu den häufigsten Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

„Wir erleben eine Phase großen Umbruchs. Unsere Gesellschaft altert, die steigende Nachfrage nach Gesundheit trifft auf eine kleiner werdende Ärzte- und Apothekerschaft“, sagte Bayer auf der „Handelsblatt“-Live-Tagung „Health 2025“. Man wolle jetzt in den Gesundheitsmarkt einsteigen und Prävention anbieten.

Augenscreening bei dm
Eine Verkäuferin führt in einer dm-Filiale in Düsseldorf ein Augenscreening bei einem Kunden durch. © Christoph Reichwein/dpa | Christoph Reichwein

Haut, Augen und Blut: Diese Angebote wurden bereits getestet

Schon seit dem vergangenen Jahr testet dm in einigen Filialen das Angebot verschiedener Gesundheitsdienstleistungen, etwa Hautanalysen und Augenscreenings. Auch Blutanalysen hatte dm kurz im Angebot, doch liegt das Angebot derzeit auf Eis. Es habe sich aber als ein relevantes Angebot für Kundinnen und Kunden erwiesen, sagte Bayer. „Das will dm stärker selbst in die Hand nehmen.“ 

Die Augenscreenings sollen jetzt in eine zweite Testphase gehen. Nicht nur in ländlichen Regionen in Schleswig-Holstein, wo es nicht viele Augenärzte gibt, will die Drogeriekette das Angebot testen, sondern auch in Großstädten. Die Zahl der Filialen, die ein solches Augenscreening anbieten, solle von derzeit acht auf 30 steigen. Die Umbauarbeiten seien für Ende August und September geplant. Für Augen- und Hautanalysen kooperiert die Kette mit Skleo Health und dermanostic. Der Partner für die Herz-Kreislauf-Checks ist derweil noch nicht bekannt.

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Kritik von Experten: dm vor Gericht

Haut- und Augenarztverbände waren nicht glücklich mit dem experimentellen Angebot der Kette. Im ZDF warnten der Berufsverband der Deutschen Dermatologen (BVDD) und der Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA) vor möglichen Fehldiagnosen und Unklarheiten. Laut den Verbänden seien Diagnosen oftmals falsch. Schwerwiegende Hauterkrankungen etwa seien nicht einfach per Foto festzustellen. Außerdem blieben Patienten alleine, nachdem sie auf Probleme aufmerksam gemacht wurden.

Die Drogeriekette wirbt damit, das Gesundheitssystem zu entlasten. Der BVA vermutet, dass die Angebote eher das Gegenteil bewirken. Wer beim Einkaufen nebenbei auffällige Testergebnisse bekomme, würde fachärztliche Leistungen in Anspruch nehmen, schätzt der BVA. Die Folge sind dann eher vollere als entlastete Wartezimmer.

Nicht nur von Fachärzten kommt Kritik an den Gesundheitsleistungen. Die Wettbewerbszentrale verlangte, dass dm die Augenscreenings unterlässt, und zog deswegen sogar vor Gericht. Die Angebote sollen nicht beworben werden, und insbesondere nicht von Menschen durchgeführt werden, die keine Ärzte sind.

Am 9. September will hierzu das Landgericht Karlsruhe verhandeln. Am Düsseldorfer Landgericht ist im November ein weiterer Prozess angesetzt. Dort geht es um den Kooperationspartner von dm.