Auf den ersten Blick sieht die E-Mail der Comdirekt im Posteingang korrekt aus. Firmenlogo, Schrift, verständlicher Text. Doch die vermeintliche „Sicherheitsinformation“ der Onlinebank ist tatsächlich das Werk von Betrügern. Wer auf die Schaltfläche „Daten jetzt prüfen und bestätigen“ klickt und seine Zugangsdaten eingibt, verliert möglicherweise sein Geld, weil Täter das Konto kapern.

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Phishing wird das Vorgehen genannt, weil die Kriminellen nach Zugangsdaten fischen, ihre gefälschten Anfragen großflächig versenden und darauf hoffen, dass jemand Leichtgläubiges anbeißt. Die Täter nutzen dabei Namen bekannter Banken wie Commerzbank, Deutsche Bank, DKB und Postbank, von Gruppen wie Sparkassen und Volksbanken, von Zahlungsdienstleistern wie Paypal. Sogar „Bundesfinanzministerium“ verwendeten Gauner bereits.
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Von Datenklau zu Zahlungsbetrug
Es muss nicht gleich um Daten für das ganze Konto gehen, oft versuchen Gauner auch nur, ihre Opfer zu einzelnen Zahlungen zu veranlassen. Etwa durch ein vermeintlich besonders attraktives Angebot auf Instagram für Konzertkarten. Die Menge an Phishing und anderen Angriffen nimmt zu, wie das Bundeskriminalamt im Bundeslagebericht Cybercrime schreibt. Das könnte just an der besseren Abwehr liegen.
„Weil die Sicherheitstechnologie in den vergangenen Jahren immer besser geworden ist, hat sich der Betrug von den Daten hin zum Kunden verlagert“, sagt David Capezza, Risikochef bei der Europa-Tochter des US-Kartenanbieters Visa. „Deshalb sind Betrugsversuche so verbreitet. Man erhält Phishing-E-Mails oder Phishing-SMS. Betrüger rufen die Kunden sogar an und versuchen, sie zur Zahlung zu überreden.“
Betrüger nutzen KI für täuschend echte Angriffe
Dabei setzen die Täter zunehmend Künstliche Intelligenz ein. „Betrüger haben sich schon immer an neue Technologien angepasst“, sagt Capezza. „Sie müssen umsteigen, weil die Sicherheitstechnologie so große Fortschritte gemacht hat.“ Vor fünf bis zehn Jahren hätten sie Bots – kleine automatisierte Computerprogramme – genutzt, um Kreditkartennummern zu erraten. Heute nutzten sie KI, um Kunden in perfektem Deutsch mit einer Nachricht anzusprechen, die funktionieren könnte. Also die Kunden bewegen könnte, Geld an die Gauner zu überweisen.
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„Betrüger testen, was funktioniert und was nicht. Sie fälschen Telefonanrufe, Websites, E-Mails und arbeiten sogar mit Deepfakes“, sagt der Visa-Risiko-Experte. Deepfakes sind mit KI erstellte Sprachnachrichten, Fotos oder Videos, die sich nicht ohne Weiteres von der Realität unterscheiden lassen. „Wir wissen, dass sie das tun. Deshalb sind wir darauf vorbereitet“, behauptet Capezza.
Visa setzt KI ein, um Betrug zu bekämpfen
Es ist ein Wettlauf zwischen Angreifern und Verteidigern. „In den vergangenen 24 Monaten haben wir erhebliche Fortschritte in der KI-Technologie beobachtet“, sagt der Visa-Mann. „Wir nutzen diese, um unsere Erkennungssysteme noch weiter zu optimieren und zu beschleunigen.“ Allerdings können auch die Gauner auf die verbesserte Technologie setzen.
Allein Visa wickelt täglich weltweit mehr als 900 Millionen Transaktionen ab. Der Gesamtwert der Zahlungen betrug 2025 rund 14,2 Billionen Dollar (rund 12 Billionen Euro). Die weltweite Betrugsquote bezogen auf den Wert beträgt bei Visa nur 0,1 Prozent, angesichts der insgesamt bewegten Summen ist das aber lukrativ für Kriminelle, die Kunden aller Kartenunternehmen, Banken und Sparkassen Geld abnehmen wollen.
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Zuletzt sanken die Betrugsquoten bei Visa in Europa, in Deutschland mit einem Minus von zuletzt sieben Prozent binnen eines Jahres. Die Bundesbürger fallen offenbar trotz technisch besserer Gauner nicht mehr so sehr auf die Tricks herein.
Expertin: So schützt man sich richtig
Sich bewusst zu sein, dass ein Betrugsrisiko besteht, ist für Capezza wichtig, ebenso, dass jeder und jede misstrauisch ist, etwa bei einem Angebot über Social Media oder per Telefon. „Wenn das Angebot zu gut ist, um wahr zu sein – zum Beispiel, wenn Ihnen Tickets, die normalerweise 100 Euro kosten, für 20 Euro angeboten werden –, dann seien Sie besonders vorsichtig“, sagt der Experte. Auch Eile sei ein sicheres Zeichen dafür, dass etwas nicht stimme.
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„Sprechen Sie im Zweifelsfall mit Familienmitgliedern oder Ihrer Bank, bevor Sie bezahlen“, empfiehlt Capezza. Wer eine Zahlung getätigt habe, die verdächtig erschien, solle zuallererst seine Bank anrufen. Sie könne möglicherweise eine Zahlung sperren oder ein Rückbuchungsverfahren einleiten. Oder man hat Glück: „Manchmal hat das System die Zahlung bereits gesperrt, weil es eine Unregelmäßigkeit festgestellt hat.“
Vorsicht, Betrug! Diese Anrede verwenden Banken nie
Auch bei E-Mails gibt es einige Anzeichen für Fälschungen, viele Rechtschreib- und Grammatikfehler etwa oder eine anonyme Anrede wie „Liebe Kundin“. Eine Bank oder Online-Zahlungsdienste schreiben ihre Kunden immer mit Namen an. Sollen Daten eingegeben werden, ist das ein sicheres Zeichen für kriminelles Handeln. Geldinstitute fragen das weder telefonisch noch per Mail ab. Das gilt auch für die Aufforderung, eine Datei herunterzuladen oder zu öffnen oder einen Link anzuklicken, wie der Phishing-Radar der Verbraucherzentralen schreibt.
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Im Fall der vermeintlichen Comdirect-Mail ließ sich zudem an der unseriösen Absenderadresse erkennen, dass etwas nicht stimmte. Auch die Betreffzeile „DRINGEND: Sicherheitsgerät wird SOFORT deaktiviert. JETZT FREIGEBEN – ALLE AUFTRÄGE GESTOPPT“ mit ihrer Groß- und Kleinschreibung deutete auf eine Fälschung hin. Absolut eindeutig war etwas anderes: Die Empfängerin hatte kein Konto bei Comdirect.









