In einer Rede auf dem Kongress der International News Media Association (INMA) in Berlin hielt FUNKE-Verlegerin und Aufsichtsratsvorsitzende Julia Becker ein Plädoyer für den Qualitätsjournalismus als Stütze der Demokratie. 750 Führungskräfte der Medienbranche aus 38 Ländern kamen in dieser Woche zum Kongress der News Media Association in Berlin zusammen, dem 1930 gegründeten Verband der Medienunternehmen. Der Donnerstagmorgen begann dort im Kongresszentrum Axica am Pariser Platz mit einer Keynote von Julia Becker, der Vorsitzenden des Aufsichtsrats der FUNKE Mediengruppe.

Donnerstag

Wirtschaft in Berlin

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„Ich stehe heute vor Ihnen als Verlegerin in einer Zeit zunehmenden politischen Drucks, wachsender Macht digitaler Plattformen und eines sehr realen Vertrauensverlusts in Institutionen“, begann Becker ihre Rede. Journalismus sei nicht einfach nur ein unternehmerisches Geschäftsmodell wie andere auch. Medienhäuser würden etwas sehr Empfindliches und zugleich Wertvolles bereitstellen: Vertrauen. Freier Journalismus schaffe mit seiner Arbeit die Grundlage demokratischer und offener Gesellschaften. Natürlich würden Medien auch tragfähige Geschäftsmodelle brauchen, um wirtschaftlich auf festem Boden zu stehen, „aber wenn wir glauben, Profit sei das eigentliche Ziel, missverstehen wir unseren besonderen Auftrag“.

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Julia Becker: „Wir investieren gerade in schwierigen Zeiten“

Wenn der wirtschaftliche Druck steige, sei die Versuchung immer groß, Personal abzubauen. Aber diesen Weg würde FUNKE unter ihrer Führung nicht gehen: „Wir investieren gerade in schwierigen Zeiten trotzdem weiter in unsere Redaktionen.“ Das sei nötig, damit der Journalismus seine Aufgabe als vierte Gewalt, die Politik zu kontrollieren, erfüllen könne.

Doch erst soziale Medien und in den vergangenen Jahren auch die zunehmende Bedeutung der Künstlichen Intelligenz würden den seriösen Journalismus gleich auf mehreren Ebenen bedrohen: In den sozialen Medien würden Algorithmen Meldungen bevorzugen, die provozieren und große Reichweiten versprechen. Ein Risiko, denn, sagt Julia Becker: „Die Algorithmen überprüfen keine Quellen und kümmern sich nicht um die Folgen einer Nachricht.“ Die Zahl der Klicks dürfe dabei nicht das entscheidende Kriterium sein.

Nun seien durch die Künstliche Intelligenz völlig neue Risiken dazugekommen. Mithilfe von KI ließen sich Videos und Bilder von Ereignissen erzeugen, die nie stattgefunden hätten, und sie würden erschreckend echt wirken: „Vor wenigen Jahren konnten wir Manipulation oft noch erkennen, heute müssen wir sie aktiv untersuchen und morgen können wir sie womöglich gar nicht mehr feststellen.“

Inma Berlin
„Wir investieren gerade in schwierigen Zeiten“, so Julia Becker in ihrer Keynote in Berlin.© FUNKE Foto Services | André Hirtz

„Wir erleben diesen Wandel auch in unserer eigenen Arbeit“

Solche Desinformationskampagnen würden zum Teil gezielt von denen eingesetzt, die von ihnen profitieren: autoritären Regimen und populistischen Bewegungen aller politischen Richtungen. Sie würden Vertrauen, das Fundament der Demokratie, untergraben. „Und wenn dieses Fundament brüchig wird“, sagte die FUNKE-Verlegerin, „gerät auch die Stabilität unserer Gesellschaften ins Wanken.“

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Die Zeiten, in denen Journalisten vor allem mit anderen Journalisten konkurrieren würden, seien vorbei. Journalismus konkurriere vor allem mit Unterhaltung, Gefühlen und bewusster Desinformation. „Wir erleben diesen Wandel auch in unserer eigenen Arbeit“, erklärt Becker. Die FUNKE Mediengruppe erreiche weiterhin täglich Millionen Menschen, auch weil sie sich an das veränderte Nutzungsverhalten anpasse, Geschichten heute visueller, zugänglicher und direkter erzähle, aber an den eigenen Standards festhalte.

Doch damit die Qualität in Zukunft finanzierbar bleibe, könne es nicht sein, dass KI-Systeme und soziale Medien, wie heute üblich, die Arbeit von Journalisten nutzen, ohne dafür zu bezahlen. Julia Becker forderte auch in Berlin eine Digitalabgabe der großen Plattformen, die den Verlagen und Journalisten zugutekommen müsse: „Wir brauchen faire Regeln.“ Doch die Verlegerin blickt trotz aller Herausforderungen optimistisch in die Zukunft: „Ich sehe Journalisten, denen Wahrheit wirklich wichtig ist, und ich sehe Leser, die bereit sind, für Qualität zu bezahlen, wenn sie ihren Wert erkennen.“

fmg