Er gehört zu dem Trinkbeutel wie selbiger in jeden Schulranzen. Jahrelang war es Teil der eigenen Kindheit und anschließend Alltag des Nachwuchses, den an der Capri-Sonne klebenden Plastikstrohhalm mühsam aus dem Knisterkunststoff auszupacken und zielgerecht in das Loch oben hineinzustechen. Lange her. Nicht nur, dass Capri-Sonne seit Frühjahr 2017 Capri-Sun heißt. Nein, wegen eines EU-Verbots von Einwegplastikprodukten verwendet das Unternehmen aus dem idyllischen Eppelheim (Rhein-Neckar-Kreis) seit 2021 nur noch Papierstrohhalme.

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Online-Petition sammelt zu wenig Unterschriften

Das sorgt allerdings für Kritik von Verbrauchern: Der Papierstrohhalm lasse sich schlechter einstecken, werde weich und führe zu einem Papiergeschmack beim Trinken, hieß es. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben den Papierstrohhalm deswegen bereits mehrfach überarbeitet. Und eine Online-Petition gestartet: Eine Million Unterschriften wollte der Trinkbeutel-Hersteller einsammeln. Das Ziel: die Rückkehr zum Plastikstrohhalm mit der entsprechenden Genehmigung durch die EU. Eineinhalb Jahre nach dem Start der Aktion hält sich das Interesse der Verbraucher allerdings in Grenzen. Weniger als 169.000 Unterschriften registrierte die Plattform Change.org, wie kürzlich auch der SWR berichtete. „Die Petition wird aktuell nicht weiter aktiv durch uns beworben“, teilte das Unternehmen mit.

Und nun? Es bestehe ein „konstruktiver Austausch“ mit der Europäischen Kommission, teilte das Unternehmen mit. Während die EU 2019 Einweg-Plastikprodukte wie Trinkhalme verboten habe, wolle sie mit der neuen EU-Verpackungsverordnung die Recyclingfähigkeit von Verpackungen erhöhen, kritisiert Capri-Sun. Das Unternehmen will demnach den Strohhalm aus dem gleichen Material herstellen wie den Trinkbeutel: dem Kunststoff Polypropylen. Damit könne das ganze Produkt besser recycelt werden, argumentiert Capri-Sun.

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Capri-Sun steht wegen Einweg-Plastikstrohhalmen in der Kritik

Das gefällt naturgemäß den Umwelt- und Verbraucherschützern gar nicht: „Der anhaltende Kampf von Capri-Sun für Einweg-Plastikstrohhalme ist aus Umweltsicht nicht nachvollziehbar und ein Armutszeugnis“, sagte etwa Viola Wohlgemuth von der Deutschen Umwelthilfe. „Die kleinen Trinkbeutel sind vor allem für den Konsum unterwegs konzipiert und landen entsprechend oft in der Umwelt.“ Jedes zusätzliche Plastikelement verbleibe viele Jahre in der Umwelt und zersetze sich nach und nach zu Mikroplastik, welches sich in Nahrungsketten und Organismen anreiche, sagte Wohlgemuth.

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Auch die Verbraucherschutzzentrale Baden-Württemberg sieht die „erhebliche Gefahr“, dass solche Trinkbeutel nicht vollständig im Gelben Sack landen. „Im Hinblick auf Ressourcenschonung und Umweltschutz halten wir diese Verpackungsgestaltung für nicht mehr zeitgemäß“, teilte eine Referentin mit.

Die EU-Kommission verweist auf eine Überprüfung des Verbots bis 2027. Und das Unternehmen? Konnte einen eindeutig auf den Papierstrohhalm zurückzuführenden Absatzrückgang beim 200-Milliliter-Trinkbeutel nicht feststellen. Bleibt die überraschende Erkenntnis, dass der Strohhalm aus Papier zwar schlechter zu handhaben, aber besser für die Umwelt ist.

mit dpa