• In den vergangenen Wochen kämpfte ganz Deutschland mit Schnee und Eis
  • Auch in der Hauptstadt verwandelten sich die Gehwege tagelang in eine Schlitterbahn
  • Welche Folgen das für Cafés, Geschäfte und Tourismus hat

Der Winter ist noch nicht vorbei, aber welche Kraft er entfalten kann, das zeigte er am vergangenen Donnerstag und Freitag beispielhaft in der Bundeshauptstadt. Wegen „Gefahr für Leib und Leben“ warnte der Deutsche Wetterdienst für Berlin vor einem Aufenthalt im Freien. In der letzten Januarwoche hatte ein ähnliches Auftreten von Blitzeis in Hamburg für Chaos gesorgt.

Donnerstag

Wirtschaft in Berlin

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In Berlin war es wieder der Eisregen, der Straßen und Gehwege in spiegelglatte Rutschbahnen verwandelte. Der Flughafen war lahmgelegt, Stromschienen der U-Bahnen vereist, Taxizentralen am Morgen wegen Überlastung zeitweise nicht erreichbar und die City ziemlich verwaist. Gähnende Leere in Cafés, Restaurants, Läden und Büros. Homeoffice war wieder angesagt. Welche Kosten verursacht so ein Eisregentag für die Wirtschaft einer Metropole?

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Gastronomie verzeichnet drastische Einbußen durch Eisregen

Tagesgenaue Zahlen darüber zu erhalten, ist schwierig, es gibt allenfalls Schätzungen über die Rückgänge. „Extreme Witterungsereignisse wie Eisregen oder großflächige Einschränkungen im ÖPNV wirken sich spürbar auf die Berliner Geschäftswelt aus“, sagt Gerrit Buchhorn, Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gastronomieverbandes DeHoGa in Berlin. „Aus den Rückmeldungen unserer Mitgliedsbetriebe lässt sich sagen: Ein einzelner Tag mit stark eingeschränkter Mobilität kann in der Gastronomie zu Umsatzeinbußen im Bereich von 20 bis 40 Prozent führen, in einzelnen Fällen – etwa bei Cafés, Mittagstischen oder Eventgastronomie – auch darüber“, sagt Buchhorn.

Winterwetter - Sturmtief Elli - Hamburg
Eishacken in deutschen Städten. Erst hatte Hamburg den Eisregen, dann war Berlin dran. Die Gefahr von Blitzeis ist laut Wetterdienst noch nicht vorbei. © Christian Charisius/dpa | Christian Charisius

Besonders betroffen seien innenstadtnahe Lagen sowie Betriebe, die stark frequenzabhängig seien und vom Tages- und Laufkundengeschäft lebten. Solche Tage bedeuteten für viele Betriebe „einen realen Umsatzausfall“, sagt Buchhorn, es werde für sie keinen Nachholeffekt geben. „Fixkosten wie Mieten, Personal oder Energie laufen ja weiter, während der Umsatz kurzfristig wegbricht.“

Wetterlage belastet Geschäfte in Innenstädten stark

Ähnlich fällt die Analyse beim Handelsverband Berlin-Brandenburg aus. Auch er tut sich schwer, valide Zahlen zu nennen. „Welcher Händler berichtet schon gerne von Umsatzeinbußen?“, sagt Phillip Haverkamp, Geschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg. Er gibt nur die Einschätzung, dass solche Eisregentage Umsatzeinbußen im zweistelligen Prozentbereich nach sich ziehen. Und die Rückgänge seien je nach Lage sehr unterschiedlich. „Die Grundversorger – also der Supermarkt an der Ecke, der hatte ja nach wie vor Kunden.“

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Auch Einkaufszentren profitierten, wo man „warm und trocken“ flanieren könne, sagt Haverkamp. Stark betroffen vom Blitzeis aber seien Bummellagen. Anders als in der Gastronomie setzen die Händler ihre Hoffnung auf den Nachholeffekt – einen Shoppingbummel mit Kauflaune lässt sich auf schöne Tage verschieben. Ganz vereinzelt haben Unternehmen sogar profitiert vom Eis: Die Firma Aktiv-Schuh, ein Mittelständler, habe rasch reagiert und Spikes für die Schuhe ins Sortiment geordert: „Die liefen gut“, berichtet Haverkamp.

An die viele Milliarden schweren Einbußen des monatelangen Lockdowns in der Pandemie kommen Eistage natürlich nicht heran. Damals hatte der Handelsverband Deutschland nach 100 Tagen im Lockdown im Jahr 2021 von Umsatzverlusten in Höhe von 35 bis 40 Milliarden Euro gesprochen – bundesweit. Die negativen Folgen von Corona sind aber bis heute spürbar, sagt Haverkamp: „Der Konsumklima-Index in Deutschland liegt ja immer noch unter dem von 2019 – dem Jahr vor der Pandemie.“

Naturereignisse führen 2024 zu Schäden in Milliardenhöhe

Wenn die Natur mit Unwettern oder extremen Wetterlagen die Wirtschaft blockiert oder Schäden verursacht, kommt es etwas billiger als bei einer staatlich verordneten Maßnahme zum Gesundheitsschutz. Laut den vorläufigen Zahlen des Gesamtverbandes der deutschen Versicherungswirtschaft sind im vergangenen Jahr durch Naturereignisse Schäden in Höhe von 2,6 Milliarden Euro entstanden – das ist halb so viel wie im von Überflutungen geprägten Vorjahr. In der aktuellen Bilanz der Versicherer entfallen 1,4 Milliarden auf die Sachversicherung wegen Hagel-, Blitz- oder Sturmschäden an Gebäuden oder Hausrat, 500 Millionen auf Schäden durch Naturgefahren wie Starkregen oder Überschwemmung kamen noch hinzu.

Rund um das Thema Mobilität

Auf die Sparte der Kraftfahrzeugversicherung entfielen 700 Millionen Euro. Der Verkehrssektor ist durch Blitzeis natürlich in erster Linie betroffen. Wie hoch die Schäden sind, wird sich allerdings erst später erweisen. Am folgenschwersten war eine Massenkarambolage am Donnerstagnachmittag auf der A10 bei Potsdam, wo plötzlich einsetzender Eisregen zu 28 Unfällen mit 19 Verletzten führte.

Eisglätte führt zu zahlreichen Verletzungen und überfüllten Notaufnahmen

In der Innenstadt von Berlin waren die Autofahrer aber offenbar so im Schleichmodus, dass sich die Unfälle mit Blechschäden nicht erhöhte zur Vorwoche. Nur Fußgänger waren betroffen, Unfallkrankenhäuser ausgebucht, noch am Freitagvormittag – dem zweiten Eistag – meldete die Berliner Feuerwehr 130 Stürze auf eisglatten Wegen.

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Der Tagestourismus nach Berlin dürfte wegen des Winterwetters eingebrochen sein. „Im Durchschnitt haben wir 400.000 Tagestouristen täglich in Berlin“, sagte Christian Tänzler, der Pressesprecher von Visit Berlin. Wie viele es an den Eistagen wirklich waren, ist nicht erhoben worden. Dass es mit dem Blitzeis für diesen Winter vorbei ist, kann der Wetterdienst nicht versprechen. Die Luftmassengrenzen in Deutschland halten sich: Im Norden und Nordosten sind bis zur Wochenmitte noch Schnee und gefrierender Regen möglich, im Westen und Südwesten klettern die Temperaturen in Richtung frühlingshaft.