Es rumort gewaltig am Horn von Afrika, und damit ist nicht nur der Lärm der Bagger und Baumaschinen gemeint, die auf einer 4000 Hektar großen Baustelle 40 Kilometer südöstlich von Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba rund um die Uhr zugange sind. Auf einer Fläche, die etwa 600 Fußballfeldern entspricht, soll in den nächsten Jahren mit dem Bishoftu Airport der größte Flughafen auf dem afrikanischen Kontinent entstehen – und auf mittlere Sicht könnte er gemessen an den Passagierzahlen sogar der größte der Welt werden.

Donnerstag

Wirtschaft in Berlin

Abonnieren Sie kostenlos den Wirtschafts-Newsletter der Berliner Morgenpost

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Mehr Fluggäste als derzeit auf dem Hartsfield-Jackson Airport in Atlanta (US-Bundesstaat Georgia) sollen in Bishoftu einmal jährlich abgefertigt werden können. Derzeit sind es am Drehkreuz im Südosten der USA 104 Millionen pro Jahr. In Äthiopien gibt man sich aber noch bescheiden. Zunächst sollen es „nur“ 60 Millionen sein. Das wären etwa weniger als auf Deutschlands größtem Flughafen Frankfurt, wo 2025 63,2 Millionen Passagiere abgefertigt wurden.

Bishoft Airport soll elf Milliarden Euro kosten – Drehkreuz für Afrika

Addis Abeba Airport
Der Bishoftu Airport soll mit offenen Fassaden gestaltet werden, die eine natürliche Belüftung ermöglichen.© Zaha Hadid Architects | Zaha Hadis Architects

Am 10. Januar erfolgte der erste Spatenstich für den neuen Flughafen. Bis 2030 soll er fertiggestellt sein. Äthiopiens Ministerpräsident Abiy Ahmed erwartet sich viel von dem Projekt. Der neue Flughafen, der den Bole International Airport ablösen wird, soll das neue Drehkreuz für Afrika werden. Bis zu 270 Flugzeuge sollen in Bishoftu Platz finden. Die Baukosten werden umgerechnet elf Milliarden Euro betragen. Doch offiziell steht noch nicht einmal die Finanzierung. 30 Prozent der Kosten übernimmt die staatliche Fluggesellschaft Ethiopian Airlines, mit elf Millionen Passagieren pro Jahr die größte Afrikas und außerdem Mitglied der Luftfahrtallianz Star Alliance. Derzeit läuft das Ausschreibungsverfahren. Investoren aus dem Nahen Osten, China, den USA und auch aus Europa sollen interessiert sein. Im August dürfte dann endgültig klar sein, wer den Zuschlag bekommen hat.

Empfohlener externer Inhalt

An dieser Stelle befindet sich ein externer Inhalt von Youtube, der von unserer Redaktion empfohlen wird. Er ergänzt den Artikel und kann mit einem Klick angezeigt und wieder ausgeblendet werden.
Externer Inhalt
Ich bin damit einverstanden, dass mir dieser externe Inhalt angezeigt wird. Es können dabei personenbezogene Daten an den Anbieter des Inhalts und Drittdienste übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Dass der Bishoftu Airport für Äthiopien ein absolutes Prestigeprojekt ist, zeigt schon die Verpflichtung des Architekturbüros Zara Hadid. Dieses führt die Tradition der gleichnamigen, 2016 verstorbenen irakisch-britischen Star-Architektin fort und ist bekannt für kühne, futuristisch anmutende Bauten. Wie die modernen Flughäfen in Pittsburgh (USA) oder Abu Dhabi wird der neue Airport von Addis Abeba x-förmig angelegt. Durch die kreuzförmig abgehenden Terminals sollen vor allem die Fußwege kürzer werden. Die verschiedenen Terminalbereiche sollen besser verbunden und die Umsteigewege minimiert werden, erklärt das Architekturbüro. Allerdings macht das X-Design die Arbeit für Fluglotsen und die Luftraumüberwachung auch schwieriger, da sich die Wege der Flugzeuge leichter kreuzen können.

Airport Addis Abeba
So frisch soll der neue Flughafen aussehen: Bäume und Pflanzen aus verschiedenen Teilen Äthiopiens sollen für ein besseres Mikroklima sorgen.© Zaha Hadid Architects | Zaha Hadid Architects

Äthiopien stemmt bereits sein zweites Mega-Projekt

Der neue Mega-Flughafen ist nicht das einzige Großprojekt, das Äthiopien stemmt. Erst im September vergangenen Jahres wurde mit dem Nil-Staudamm das größte Wasserkraftwerk Afrikas eröffnet, für das Land ein wichtiger Baustein für die Energieversorgung. Äthiopien, einst ein reiner Agrarstaat, hat sich in den letzten Jahren zu einem Schwellenland mit hohen Wachstumsraten entwickelt. Allerdings gibt es auch gewaltige Probleme. Mit der Abspaltung der ehemaligen Provinz Eritrea 1993 hat Äthiopien seinen Zugang zum Meer verloren. 95 Prozent des Außenhandels wird nun über den Hafen des Nachbarstaates Djibouti abgewickelt. Dafür muss Äthiopien allerdings jährlich bis zu zwei Milliarden Dollar an Hafengebühren überweisen.

Auch interessant

Der zunehmend autoritär regierende Ministerpräsident Abiy Ahmed, 2019 für seine Aussöhnungsbemühungen mit dem Nachbarstaat Eritrea noch mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet, drohte zuletzt recht unverhohlen, sich den auf eritreischem Staatsgebiet liegenden Hafen von Assab einverleiben zu wollen. „Die Spannungen und Feindseligkeiten zwischen beiden Regierungen sind in den letzten Monaten und Wochen sehr viel deutlicher geworden“, erklärte der Politikwissenschaftler Michael Woldemariam von der School of Public Policy der US-Universität Maryland kürzlich in einem Interview mit der Deutschen Welle.

Auch interessant

Ein weiterer Krieg mit Eritrea könnte nicht die einzige Gefahr für den rasant wachsenden Vielvölkerstaat Äthiopien bleiben. Auch die Spannungen zwischen der äthiopischen Zentralregierung und der Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) im Norden des Landes hatten zuletzt wieder zugenommen. Berichten zufolge gab es in den vergangenen Tagen bereits Kämpfe zwischen der nationalen Armee und Teilen der TPLF. Zwischen 2020 und 2022 waren bei einem Krieg zwischen den Konfliktparteien nach Schätzungen der Afrikanischen Union bis zu 600.000 Menschen getötet worden.