So schnell und praktisch könnte ein Unfall künftig reguliert werden: Eine Künstliche Intelligenz (KI) analysiert vollautomatisch und blitzschnell Unfallbilder, die über eine App hochgeladen wurden. Innerhalb weniger Minuten ist klar, ob repariert werden kann und mit welchen Kosten vermutlich gerechnet werden muss.

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Künstliche Intelligenz werde die Versicherungsbranche stark verändern, ihre Fortschritte würden zur Herausforderung für viele heutige Geschäftsmodelle, prognostiziert die Beratungsgesellschaft Oliver Wyman in einer kürzlich veröffentlichten Studie.

Experten erwarten umfangreiche Einsatzmöglichkeiten, von automatisierten Schadensmeldungen über personalisierte Versicherungsangebote bis zur Bekämpfung von Cyberkriminalität. Sogar maßgeschneiderte Versicherungsempfehlungen, basierend auf Kundenprofilen, Bedürfnissen und Risikofaktoren, halten die Autoren einer KPMG-Studie von 2024 künftig für wahrscheinlich, ebenso wie die Compliance-Prüfung von Vertragsdokumenten: „Eine KI erkennt regulatorische Abweichungen, vergleicht Verträge mit geltenden Standards und minimiert Compliance-Risiken.“
Versicherer nutzen Künstliche Intelligenz: Verdächtige Vorgänge sollen früher erkannt werden
„Wir beobachten, dass Finanzunternehmen KI inzwischen entlang der gesamten Wertschöpfungskette einsetzen“, stellte Nikolas Speer, Exekutivdirektor bei der Finanzaufsicht BaFin, im Dezember auf einer Veranstaltung fest.
Die Branche bestätigt den Trend: Für möglich hält sie die Unterstützung durch Text- und Bilderkennung, den Einsatz von Chatbots in der Vertragsanbahnung bis zur Schadenbearbeitung im Kfz-Bereich, erklärt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). KI werte große, teils unstrukturierte Datenmengen aus, erkenne Muster oder Korrelationen und liefere fundierte Entscheidungsvorlagen. Potenziell verdächtige Vorgänge könnten frühzeitig gemeldet und überprüft werden.
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Wo sich große Fortschritte anbahnen, lauern aber nicht selten auch Risiken. Die will etwa die BaFin künftig stärker im Auge behalten. Hochgradig automatisierte Entscheidungsprozesse könnten bestehende Diskriminierungsrisiken verstärken bis hin zur systematischen Verzerrung von Ergebnissen, warnt Exekutivdirektorin Julia Wiens. Besonders kritisch ist das bei Lebens- und Krankenversicherungen, die deshalb als Hochrisiko-KI-Systeme gelten. „Fehlerhafte oder verzerrte Daten können zu falschen Risikoeinschätzungen und ungerechten Prämien führen“, mahnte die Beratungsgesellschaft Deloitte im vergangenen Jahr in einer Analyse.
Auch der im August 2024 in Kraft getretene AI Act der Europäischen Union (EU) teilt KI in Risikogruppen ein. Je höher das Risiko einer Anwendung ist, desto höher sind die Anforderungen und Pflichten. Verboten sind nach dem AI Act KI-Systeme, die ein nicht hinnehmbares Risiko darstellen. Dazu zählen KI-Systeme, die dazu bestimmt sind, menschliches Verhalten unterschwellig nachteilig zu beeinflussen, oder biometrische Kategorisierungen in sensiblen Bereichen. KI-Systeme, die die Kreditwürdigkeit oder die Inanspruchnahme von Kranken- und Lebensversicherungen bewerten, sind nach dem AI Act mit einem hohen Risiko verbunden.
Nicht nur die Bankenaufsicht, sondern auch Datenschützer sind alarmiert. KI-Systeme benötigen schließlich große Datenmengen. Bei Versicherern sind diese Kundeninformationen nicht selten besonders sensibel. Verbraucherschützer fordern klare Vorschriften für die Anonymisierung. Außerdem müsse die Funktionsweise solcher Systeme nachvollziehbar bleiben: Betroffene müssten erkennen können, nach welchen Kriterien eine Entscheidung zustande kommt – und diese Entscheidung zugunsten der Verbraucherinteressen anfechten oder korrigieren lassen können. Dafür brauche es gut ausgestattete Aufsichtsstellen.
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Schwierig wird es für Kunden auch, wenn sie Entscheidungen nicht mehr nachvollziehen können. Verbraucher müssten erkennen können, warum ein Antrag abgelehnt oder eine Prämie erhöht wurde, fordert der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Bei fehlerhaften Schadensbewertungen oder falschen Risikoeinschätzungen drohen finanzielle Nachteile, Rechtsstreitigkeiten oder Verzögerungen bei der Schadensregulierung.
Darüber hinaus könne KI selbst Ziel oder Werkzeug von Angriffen werden, erklärt der vzbv. Cyberkriminelle nutzten generative KI, um Phishing zu betreiben oder Schadensmeldungen zu manipulieren. Der vzbv sieht hier noch Regelungslücken im sogenannten AI Act der EU. Bei Hochrisiko-KI-Systemen wie Lebens- und Krankenversicherungen sollten überdies unabhängige Experten in die Risikobewertung einbezogen werden, um Interessenkonflikte zu vermeiden.
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Kostenersparnisse könnten an Verbraucher weitergegeben werden
Der bestehende Rechtsrahmen lege bereits hohe Anforderungen für den Einsatz von KI fest, erwidert dagegen der Branchenverband GDV: „Versicherungen arbeiten grundsätzlich nach dem Prinzip der risikobasierten Preisgestaltung.“ Die Prämienhöhe richte sich nach dem individuellen Risiko, das ein Kunde in die Versicherungsgemeinschaft einbringt. Differenzierung dürfe nicht mit Diskriminierung gleichgesetzt werden.
Durch KI-bedingte Kostenersparnisse könnten nicht nur mehr Menschen zu besseren Konditionen versichert werden, sondern auch solche, die bisher möglicherweise abgelehnt wurden, argumentiert die Branche: „Risiken, die bislang nicht versicherbar sind, können durch neue Erkenntnisse überhaupt erst versichert werden.“









