Die Rentenausgaben steigen in den kommenden Jahren weiter an – allein bis zum Ende des Jahrzehnts wohl um 25,8 Prozent. Dafür gibt es mehrere Gründe. So ziehen auch die Löhne und Gehälter weiter an, was eine Rentenerhöhung nach sich zieht. Zudem steigt die Zahl der Rentenempfänger. Dazu gehören ab 2027 auch die Mütter mit vor 1992 geborenen Kindern. „Das ist ein überproportionaler Ausgabenanstieg“, sagt Alexander Gunkel, Bundesvorstand der Deutschen Rentenversicherung (DRV). 

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Auch deshalb endet in den nächsten Jahren eine lange Phase stabiler Beiträgssätze für die Rentenversicherung. Seit 2007 bezahlen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zusammen 18,6 Prozent vom Bruttolohn für die gesetzliche Altersvorsorge. 2028 droht Gunkel zufolge ein heftiger Anstieg der Abgabe. Der DRV-Prognose zufolge steigt der Beitragssatz dann auf 19,8 Prozent. In den darauf folgenden Jahren geht die DRV von einem weiteren Anstieg aus, zunächst über die Marke von 20 Prozent. Im Verlauf des kommenden Jahrzehnts wird der Beitragssatz dann auf über 21 Prozent ansteigen, anschließend aber wieder stabil bleiben. 

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Rente: Der Bund schießt schon heute 93 Milliarden Euro dazu

Aktuell steht es noch recht gut um die Rentenfinanzen. Im laufenden Jahr rechnet die DRV mit Einnahmen in Höhe von 417 Milliarden Euro. Die Ausgaben liegen mit 421 Euro nur etwas höher. Größer Einnahmeposten sind die Beiträge der Versicherten mit 321 Milliarden Euro. Der Bund schießt weitere 93 Milliarden Euro dazu. Das Minus kann die Rentenversicherung noch gut verkraften. Die Rücklagen betragen noch über 41 Milliarden Euro, werden in den kommenden Jahren jedoch drastisch zusammenschmelzen.

2026 können die rund 21 Millionen Ruheständler auf Plus von 3,73 Prozent hoffen. „Noch sind das alles Prognosen“, warnt Alexander Gunkel, Vorsitzender des Verwaltungsrates der Deutschen Rentenversicherung (DRV) vor zu viel Optimismus. Denn erst im kommenden Frühjahr liegen gesicherte Zahlen zur Lohnentwicklung in Deutschland vor, die für die Anpassung der Bezüge maßgeblich sind.

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Rente: Die Rentenkasse wird sich in den nächsten Jahren sukzessive leeren

Bis zum Ende des Jahrzehnts bleibt es bei der aktuellen Formel. Danach entwickeln sich die Renten im Gleichschritt mit den Löhnen und Gehältern. Das ist eine Folge der verlängerten Haltelinie beim Rentenniveau. Dieses soll mit dem anstehenden Rentenpaket der Bundesregierung bis 2031 bei 48 Prozent festgeschrieben werden. Ohne die Haltelinie würde die Rentenanpassung im kommenden Jahr noch etwas höher ausfallen. Anschließend würde ein Nachhaltigkeitsfaktor dafür sorgen, dass die Bezüge der Ruheständler nicht so stark steigen wie die Einkommen der Beschäftigten.

Im Verlauf der kommenden Jahre wird das finanzielle Polster der Rentenkasse stark abnehmen. Dafür sorgen die steigenden Ausgaben. Sinken die Reserven zu stark ab, könnte die DRV Liquiditätsprobleme bekommen. Gesetzlich ist daher eine Mindestreserve vorgeschrieben. Sie soll von derzeit 0,2 Monatsausgaben auf 0,3 Monatsausgaben angehoben werden. Gunkel zweifelt, dass diese Anhebung ausreicht. Denn es gebe Monate, in denen die Rücklagen traditionell gering sind. Sollte irgendwann einmal zu wenig in der Kasse sein, muss das die Rentner allerdings nicht sorgen. „Die Auszahlung der Renten ist aufgrund der gesetzlich gewährleisteten Bundesgarantie zu jedem Zeitpunkt gesichert“, betont Gunkel.

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Ausweitung der Mütterrente kostet fünf Milliarden Euro pro Jahr und sorgt für Aufwand

Auf die Rentenversicherung kommt mit den Plänen der Bundesregierung noch reichlich Arbeit zu. Vor allem die so genannte Mütterrente III stellt eine Herausforderung für die Verwaltung der Rentenkonten dar. Sofern der Bundestag das Gesetz billigt, tritt es Anfang 2027 in Kraft. Es bringt den Müttern mit vor 1992 geborenen Kindern einen Rentenaufschlag. Allerdings muss die DRV die Daten der Berechtigten erst einmal sichten und dabei zum Beispiel auch feststellen, welcher Elternteil sich wie lange um das Kind gekümmert hat. Daher werde die Auszahlung der Mütterrente erst im Jahr 2028 erfolgen, kündigt Anja Piel, alternierende Bundesvorsitzende der DRV, an.

Die umstrittene Mütterrente III kostet jährlich rund fünf Milliarden Euro. Die Kosten dafür trägt der Bund. Das ist ein Unterschied zu den Rentenzuschlägen für später geborene Kinder, die von den Beitragszahlern finanziert werden müssen. Hier fordert die DRV auch eine Übernahme der Ausgaben vom Bund. Denn es handele sich nicht um durch Beitragszahlungen erworbene Ansprüche.

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Frühstartrente und neue private Altersvorsorge sollen kommen

Weitere Reformpläne begrüßt die DRV, obgleich die Ausgestaltungen mitunter noch offen sind. Die Bundesregierung will beispielsweise die Frühstartrente einführen und damit Kindern bis zum 18. Lebensjahr den Einstieg in die private Altersvorsorge finanzieren. Dafür will die Bund jedem Kind zehn Euro pro Monat zuschießen. Positiv sieht Piel auch die Stärkung der betrieblichen Altersvorsorge. Künftig seien alle drei Säulen der Alterssicherung, also der gesetzlichen Renten, der betrieblichen und der privaten Zusatzvorsorge, nötig, um eine Lebensstandardsicherung zu erreichen.

Ein im Koalitionsvertrag festgeschriebenes Vorhaben lässt jedoch weiter auf sich warten. Die Bundesregierung will die Selbständigen in die gesetzliche Altersvorsorge einbinden. Allerdings ist diese Idee nicht neu. Erstmals hat die damalige Sozialministerin Ursula von der Leyen (CDU) diesen Plan entwickelt – das ist gut 20 Jahre her. Seither fehlte das Vorhaben in keinem Koalitionsvertrag. Herausgekommen ist dabei noch nichts. 

Kommt die große Rentenreform? Noch ist völlig unklar, wann die Kommission ihre Arbeit aufnimmt

Offen ist auch noch, wann die angekündigte Kommission zur Entwicklung einer großen Rentenreform eingesetzt wird und welche Experten ihr angehören werden. Die Vorschläge von Experten für eine dauerhafte Stabilisierung der Rentenfinanzen liegen eigentlich schon lange auf dem Tisch. Im Gespräch ist dabei vor allem eine Anhebung der Regelaltersgrenze und eine Abschaffung der Frührente. Immerhin soll die Kommission noch in diesem Jahr vorgestellt werden. Die Aufgaben umreißt Piel schon einmal. „Die Kommission muss einen Vorschlag für das Gesamtversorgungsniveau vorlegen“, fordert die von den Gewerkschaften in die DRV entsandte Bundesvorsitzende, „wir brauchen ein Leitbild für die Zukunft der Rente“.