Im Bundesverkehrsministerium könnten bald Stellenausschreibungen aushängen. Gesucht wird jemand, der Chef oder Chefin von rund 338.000 Beschäftigten, davon 211.000 in Deutschland, werden möchte. Der in der Lage ist, pünktlicher und zuverlässiger als das eigene Produkt zur Arbeit zu erscheinen. Den die Mischung aus unzufriedenen Kunden, täglichem Chaos und veralteter Technik nicht schreckt.

Donnerstag

Wirtschaft in Berlin

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Kurzum: Jemanden, der sich die unlösbare Aufgabe zutraut, einen maroden und defizitären Konzern zu sanieren, und dabei als Prügelknabe herhalten muss. Immerhin wird dieses vorhersagbare Scheitern mit einem Millionensalär und einem hübschen Büro im 26. Stock im Herzen von Berlin vergütet.

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Neuer Bahn-Chef gesucht: Verkehrsminister Schnieder setzt sich mit vorzeitigem Lutz-Rauswurf unter Druck

Gesucht wird der neue Chef oder die neue Chefin für die Deutsche Bahn. Und der oder die muss liefern, am besten gestern und nicht morgen. Das hat Verkehrsminister Patrick Schnieder mit dem Rauswurf von Richard Lutz klargemacht. Unterkühlt kanzelte der CDU-Politiker Lutz ab, zwei Sätze, ein förmliches Danke, dann teilte er aus: „Dramatisch“ und „desolat“ sei die Lage die Bahn, sie müsse „sauberer, sicherer und pünktlicher“ werden. Stimmt alles. Wird nur nicht schnell umsetzbar sein.

Tobias Kisling / Funke Mediengruppe
Tobias Kisling, Wirtschaftskorrespondent© FUNKE Foto Services | Reto Klar

So könnte es sich als Fehler erweisen, Lutz aufs Abstellgleis gestellt zu haben, ohne direkt eine Nachfolge präsentiert zu haben. Der Noch-Bahn-Chef ist jetzt zahnlos. Weil auch die anderen Vorstände um ihre Jobs bangen, drohen Machtkämpfe und ein Führungsvakuum. Schnieder hat sich selbst unter Druck gesetzt. Am 22. September will er seine Bahnstrategie präsentieren. Bis dahin sollte er tunlichst den Chefsessel im Bahntower besetzt haben – sonst drohen ihm selbst sehr ungemütliche Wochen.