Italien will immer mehr zum Tummelplatz für Superreiche werden. Dank eines besonders günstigen Steuersystems für Gutverdienende sind immer mehr Millionäre bereit, ihren Wohnsitz nach Bella Italia zu verlegen. Italien wird dabei mit 3.600 erwarteten Zuzügen von Millionären das drittbeliebteste Ziel sein, nach den Vereinigten Arabischen Emiraten (9.800) und den USA (7.500), aber noch vor der Schweiz (3.000), geht aus Schätzungen von „Henley & Partners“, einem auf Staatsbürgerschafts- und Aufenthaltsprogramme spezialisierten Beratungsunternehmen hervor. 

Donnerstag

Wirtschaft in Berlin

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Angesichts geopolitischer Spannungen beschleunigt sich die Migration des Reichtums: Die Zahl der wohlhabenden Personen, die einen Wohnsitzwechsel in Erwägung ziehen, hat sich im letzten Jahrzehnt mehr als verdoppelt. 

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Italien: Cristiano Ronaldo sorgte für eine Sonderregelung im Steuersystem

Im Gegensatz zum Unternehmenssitz bleibt der Großteil der Millionäre sesshaft: Weniger als 1  Prozent entscheidet sich jedes Jahr für einen Wohnsitzwechsel. Dennoch ist die absolute Zahl der „wandernden Reichen“ laut „Henley & Partners“ gestiegen – besonders bei jenen im Topsegment. Viele Länder liefern sich einen Wettlauf, um diese anzuziehen, unter anderem mit besonderen Steuersystemen, die die Abgabenlast stark senken oder sogar komplett abschaffen.

Seit 2017 gilt in Italien die sogenannte „CR7-Regel“, benannt nach dem Starfußballer Cristiano Ronaldo, der dank dieser Bestimmung zum Fußballklub Juventus Turin wechselte und auf seine Auslandseinkünfte – etwa aus Bildrechten oder Sponsoring – eine symbolische Pauschalsteuer entrichtete.

Portofino, Italian luxury sea town
Yachten im Hafen von Portofino. Italien ist nicht nur wegen des Wetters und der Landschaft bei Millionären beliebt.© iStock | Fani Kurti

Auch Boris Becker zog nach Mailand

Dieses Sondersteuermodell erlaubt es Personen, die ihren Wohnsitz nach Italien verlegen, für 15 Jahre eine Pauschalsteuer von 200.000 Euro jährlich auf alle im Ausland erzielten Einkommen zu zahlen. Zur Zeit von Ronaldos Wechsel nach Italien lag die Pauschale sogar nur bei 100.000 Euro. Betroffen sind etwa Zinserträge, Dividenden, Veräußerungsgewinne, Erbschaften oder Schenkungen, sofern sie im Ausland anfallen. Für Einkommen aus italienischer Quelle gelten hingegen die normalen Steuersätze.

Kein Wunder, dass immer mehr Superreiche London Adieu sagen und stattdessen nach Mailand oder Rom ziehen, wo es attraktive Steuervorteile gibt. Dafür entschieden sich auch Promis, wie der deutsche Tennisstar Boris Becker, der in Mailand lebt. Auch der französische Unternehmer Bernard Arnault will laut italienischen Medien seinen Wohnsitz nach Italien verlegen.

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Über die wirtschaftlichen Effekte gehen die Meinungen auseinander

Wegen der hohen Lebensqualität, der Schönheit vieler Städte und der hohen Qualität der Luxusimmobilien wird geschätzt, dass etwa 3.600 Millionäre ihren Wohnsitz nach Italien verlegen und dabei ein Gesamtvermögen von rund 21 Milliarden US-Dollar mitbringen werden, heißt es in der Analyse. Wie viel von diesem Reichtum tatsächlich in der Wirtschaft des Gastlandes ankommt, ist umstritten. Befürworter der Flat Tax argumentieren, dass die Zuwanderung reicher Menschen dem Konsum nützt, denn sie kaufen Immobilien, konsumieren lokal, zahlen Steuern und investieren möglicherweise in Unternehmen.

Kritiker sehen darin jedoch Steuerdumping innerhalb der EU und glauben, dass vor allem wohlhabende Manager und Unternehmer im Ruhestand angelockt werden, die lieber ihren Lebensabend in Italien genießen wollen, statt Neues aufzubauen. Diese würden eher die Preise für Immobilien, Luxusgüter und Dienstleistungen in die Höhe treiben, als Arbeitsplätze oder Innovation zu schaffen.