So schön kann Bahnfahren sein. Mit über 400 Kilometern pro Stunde hat ein Test-ICE gezeigt, was mit einer modernen Schieneninfrastruktur möglich wäre. In weniger als zwei Stunden mit dem Zug von Hamburg nach München zu kommen – diese Zeitspanne braucht mancher Fluggast schon, um überhaupt in die Maschine zu kommen. Leider ist das bei der Bahn maximal Zukunftsmusik.

Der Alltag wird noch lange Zeit anders aussehen. Das räumt auch der neue Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) ein. Wie seine Vorgänger im Amt auch, zeigt er sich höchst unzufrieden mit den Pünktlichkeitswerten der Züge. Zum Halbjahr ist die Deutsche Bahn sogar von den dafür nicht einmal ambitionierten Jahreszielen ein Stück weit entfernt. Doch alles Jammern hilft nicht. Es wird noch Jahre dauern, bis das Netz einen halbwegs zuverlässigen Verkehr zulässt.
Deutsche Bahn: Bahnchef austauschen? Wichtiger ist etwas anderes
Mit Spannung warten nun alle Beteiligten auf die ersten wegweisenden Entscheidungen des Ministers. Im Juli oder August will Schnieder seine Vorstellungen vom Schienenverkehr vorlegen. Dann könnte es auch zu wichtigen Personalentscheidungen kommen. Angekündigt wurde der Umbau von Vorstand und Aufsichtsrat ja schon im schwarz-roten Koalitionsvertrag. Ob das dabei tatsächlich auch Bahnchef Richard Lutz den Job kosten wird, lässt die Bundesregierung noch offen. Doch eine öffentliche Rückendeckung erhält Lutz aus dem Ministerium längst nicht mehr.

Wichtiger als Personalentscheidungen ist eine Vorstellung von der langfristigen Leistungsfähigkeit des Schienenverkehrs. Aus Sicht der Fahrgäste gibt es dafür ja schöne Ideen, etwa den Deutschlandtakt oder eben superschnelle Züge. Beides wird aber auch mit einer neuen Regierung nach lange ein Luftschloss bleiben.

