Handwerker sind in Deutschland vielerorts Mangelware. Besonders in Großstädten müssen sich Kunden auf lange Wartezeiten einstellen, weil schlicht nicht genug Fachkräfte verfügbar sind. Das Handwerk spürt die Folgen des demografischen Wandels, wie der Zentralverband des Deutschen Handwerks dieser Redaktion sagte: „Die Zahl der Jugendlichen, die überhaupt für eine Ausbildung infrage kommen, nimmt seit Jahren ab.“ Der 1. August und der 1. September sind die klassischen Startdaten für das neue Ausbildungsjahr. Zehn Fakten, wie sich die Ausbildung zuletzt entwickelt hat.

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1. Viele Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt, besonders im Industrie und Handel

Das zeigt sich auch in der Statistik. Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) verzeichnete zum 1. September 2024, dem Ausbildungsbeginn, bundesweit 69.405 offene Ausbildungsplätze. Damit geht der Wert zwar erstmals seit 2019 wieder zurück, ist aber dennoch der zweithöchste in den vergangenen 10 Jahren. Besonders viele unbesetzte Stellen gibt es dabei im Bereich Industrie und Handel, hier blieben 41.607 Ausbildungsplätze frei. Im Handwerk sind es rund 19.000.

2. Es fehlt an Fachverkäufern im Lebensmittelhandwerk und Beton- und Stahlbauern

Und auch innerhalb der Branchen gibt es einzelne Berufe, denen es besonders schwerfällt, den Nachwuchs von sich zu begeistern. So blieben laut BIBB-Erhebung 44,4 Prozent der Ausbildungsplätze für Beton- und Stahlbetonbauer unbesetzt, das entspricht 411 Stellen. Klempner (43 Prozent unbesetzte Ausbildungsplätze/258 Stellen) und Fleischer (40,7 Prozent/846 Stellen) kämpfen demnach ebenfalls mit Nachwuchsmangel. Auch angehende Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk werden demnach händeringend gesucht, 2574 Ausbildungsplätze blieben unbesetzt, das entspricht 37,2 Prozent der ausgeschriebenen Stellen.

3. Manche Ausbildungsplätze werden im Osten deutlich besser bezahlt

Ein Blick in die Ausbildungsvergütungen zeigt: Nach wie vor wird in Ost- und Westdeutschland nicht gleich bezahlt. In den meisten Fällen verdienen westdeutsche Auszubildende mehr als ihre ostdeutschen Kollegen, es gibt aber Ausnahmen. So ist das Durchschnittsgehalt von angehenden Fachkräften in der Agrarwirtschaft in Ostdeutschland mit 1013 Euro pro Monat um 73 Euro höher als das ihrer westdeutschen Pendants. Als Auszubildender zum Sozialversicherungsfachangestellten verdient man in Ostdeutschland mit 1296 Euro durchschnittlich 66 Euro mehr als in Westdeutschland.

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In die andere Richtung ist der Unterschied aber deutlich größer. So zählen angehende Floristen auch in Westdeutschland mit monatlichen 992 Euro nicht zu den Topverdienern, in Ostdeutschland gibt es aber ganze 200 Euro weniger. Auch bei Konditoren, Metallbauern und Zimmerern liegt der Unterschied des durchschnittlichen Monatslohns im dreistelligen Bereich.

4. Künftige Rohrleitungsbauer verdienen laut BIBB am besten

Der unbeliebte Beruf des Beton- und Stahlbetonbauers wird für Azubi-Verhältnisse recht gut bezahlt. Womöglich ein Versuch, mehr Nachwuchs zu locken? In den drei Ausbildungsjahren gibt es laut BIBB ein durchschnittliches Gehalt von 1308 Euro, nur in sieben Ausbildungen verdient man demnach besser. Angehende Rohrleitungsbauer verdienen während der Ausbildung in Westdeutschland am meisten, durchschnittlich 1367 Euro. Im Osten sind es 1288 Euro. Es folgen Zimmerer (1355 Euro im Westen und 1230 Euro im Osten) und Milchtechnologen (1349 Euro im Westen, keine Zahlen für den Osten). Letztere waren in der vorherigen Auswertung die Spitzenreiter. Es gibt allerdings auch Ausbildungsberufe außerhalb der BIBB-Auflistung, die gut bezahlt werden. Als Topverdiener gelten angehende Fluglotsen, die je nach Ausbildungsstand und Einsatzort bis zu 5900 Euro im Monat erhalten.

5. Angehende Friseure verdienen am schlechtesten

Auch ein Blick auf das andere Ende der Gehaltstabelle lohnt. Dort finden sich künftige Friseure, mit durchschnittlich nur 719 Euro im Monat (keine Zahlen für Ostdeutschland). Etwas besser stehen Auszubildende zum tiermedizinischen Fachangestellten mit 877 beziehungsweise 876 Euro da. Angehende Parkettleger müssen mit 881 Euro beziehungsweise 879 Euro auskommen. Betrachtet man das Einkommen in Ostdeutschland, zählen die bereits genannten Floristen mit 792 Euro und angehende Tischler, mit 863 Euro (944 im Westen), zu den am schlechtesten bezahlten Auszubildenden.

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6. So mancher Beruf ist noch nicht ausgestorben – aber möglicherweise kurz davor

Kennen Sie einen angehenden Thermometermacher? Oder eine künftige Edelmetallprüferin? Die Chance ist recht gering, denn es gibt sie laut BIBB kaum noch. 21 Berufe verzeichneten demnach zum Ausbildungsstart 2024 keinen einzigen neuen Auszubildenden. Darunter solche seltenen Gewerke wie Pelzveredler oder Leuchtröhrenglasbläser. Nicht alle diese Berufe kann man aber deswegen gleich als ausgestorben bezeichnen. Denn auch wenn beispielsweise kein neuer Zupfinstrumentenbauer seine Ausbildung aufnahm, schlossen doch immerhin sechs von ihnen ihre Ausbildung erfolgreich ab.

7. Nicht jeder Ausbildungswunsch kann erfüllt werden

Nicht jede Branche hat mit Nachwuchsmangel zu kämpfen. Es gibt auch Berufe, bei denen die Nachfrage deutlich höher als das Angebot ist. So fanden 46,5 Prozent derjenigen, die gerne eine Ausbildung zum Mediengestalter Bild und Ton absolvieren wollten, keinen Ausbildungsplatz. Auch für den Beruf Mediengestalter Digital und Print gab es deutlich mehr Interessiere als Stellen, gleiches gilt für Tierpfleger und Gestalter für visuelles Marketing. Insgesamt fanden 67,6 Prozent der Ausbildungsinteressierten einen Platz.

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8. Manchmal verhindert der Standort die Wunschausbildung

Auffällig ist: 34,5 Prozent der Menschen, die gerne zum Sport- und Fitnesskaufmann ausgebildet werden würden, fanden keine Ausbildungsstelle. Obwohl 24,5 Prozent der Ausbildungsplätze in dieser Branche unbesetzt blieben. Das könnte an sogenannten Passungsproblemen liegen. Damit ist die regionale Ungleichverteilung von offenen Stellen und Bewerbern gemeint, so gibt es beispielsweise in Teilen Brandenburgs besonders viele unbesetzte Ausbildungsplätze, aber kaum Bewerber, in Teilen Nordrhein-Westfalens besonders viele Bewerber, aber nicht ausreichend Ausbildungsplätze.

9. Ein besserer Schulabschluss hilft nicht immer

36,4 Prozent der Bewerberinnen und Bewerber, die keinen Ausbildungsplatz fanden, konnten einen mittleren Schulabschluss vorweisen, rund 30 Prozent nur einen Hauptschulabschluss. Dieser ist für die meisten Ausbildungen auch völlig ausreichend. 55,6 Prozent der unbesetzten Stellen fordern lediglich den niedrigsten Schulabschluss, nur rund ein Viertel der Stellen setzte einen mittleren Abschluss voraus.

10. Abgeschlossene Ausbildungsverträge: Der Osten kann sich verbessern, der Westen lässt nach

In ganz Deutschland wurden 2024 rund 2500 Ausbildungsverträge weniger abgeschlossen, als im Vorjahr. Das entspricht einem Rückgang von 0,5 Prozent. Dabei war der Rückgang in Westdeutschland stärker, um 0,7 Prozent. In Ostdeutschland hingegen gab es einen Anstieg, der allerdings aufgrund der geringeren Bevölkerungszahl in den absoluten Zahlen weniger ins Gewicht fällt. Der stärkste prozentuale Zuwachs gelang in Brandenburg, dort gab es einen Anstieg an abgeschlossenen Ausbildungsverträgen um 2,1 Prozent.