Die Versuchung ist groß. Ob als Putzhilfe, Gärtner, Maler, Nachhilfelehrer oder Hilfskraft am Bau oder in der Gastronomie: Wer möchte nicht gerne mal etwas dazuverdienen – netto auf die Hand, an der Steuer vorbei? In Deutschland werden dieses Jahr geschätzt 6 bis 8 Millionen Menschen stundenweise schwarzarbeiten, sagt der Schwarzarbeitsexperte Friedrich Schneider dieser Redaktion. Doch es könnten auch mehr werden. Vieles hänge davon ab, wie sich die Konjunktur entwickle und welche Maßnahmen die neue Bundesregierung in Sachen Steuersenkung ergreife. Hier gäbe es noch viele Unbekannte.
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Für 2025 schätzt der emeritierte Ökonomieprofessor der Johannes Kepler Universität Linz den Wert, der durch Schwarzarbeit erzielt wird, in Deutschland auf 511 Milliarden Euro – dies entspricht etwa 11,5 Prozent des zu erwartenden Bruttoinlandproduktes. Es ist Geld, das am Fiskus vorbei in den Taschen der Bürgerinnen und Bürger landet – und dem Staat für Ausgaben nicht zur Verfügung steht. Die meisten Fälle von Schwarzarbeit bleiben unentdeckt.
Etwas anders sieht dies in Branchen aus, die vom Zoll ins Visier genommen werden. So wurden bei Stichproben auf Baustellen oder in Restaurants 2023 mehr als 100.000 Strafverfahren und 50.000 Ordnungswidrigkeiten eingeleitet. Wird die neue Regierung die Schwarzarbeit mit ihren im Koalitionsvertrag aufgelisteten Plänen zurückdrängen können, oder bewirkt sie eher das Gegenteil?
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Für Schneider steht fest: „Wenn der Mindestlohn tatsächlich auf 15 Euro steigt, dann steigt die Schwarzarbeit um 3 bis 5 Milliarden Euro an, insbesondere in Ostdeutschland.“ Viele Betriebe würden es sich nicht mehr leisten können, diesen hohen Mindestlohn zu bezahlen. Sie würden versucht sein, Mitarbeitende zu geringeren Sätzen schwarz zu beschäftigen.
Schwarzarbeit: Das hilft gegen Arbeitern ohne Steuern
Um die Schwarzarbeit zu reduzieren, dürfen vor allem Steuern, Sozialabgaben und Bürokratie nicht zu hoch sein. „Jede Form der Entlastung des Produktionsfaktors Arbeit ist hilfreich“, sagt Dominik Enste, Ökonom am Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Allerdings sei es schwierig, eingeübte Praktiken zu verändern. „Wenn sich erstmal die Gewohnheit eingestellt hat, etwas ohne Mehrwertsteuer machen zu lassen, ist die Veränderung schwierig“, meint Enste.
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Doch auch dies sei nicht aussichtslos. „Bürokratieabbau, einfache Reglungen bei Steuern und Abgaben können den Trend umkehren.“ Zwar sei eine genaue Schätzung unseriös, räumt Enste ein, aber eine Daumenregel könnte sein: „Eine Senkung der Steuer- und Abgabenlast um einen Prozentpunkt kann das Volumen der Schattenwirtschaft um etwa 1 bis 1,5 Prozent reduzieren.“

Donnerstag
Wirtschaft in Berlin
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Die geplante Abschaffung der Bonpflicht wird sich auf die Steuerhinterziehung dagegen wenig auswirken, so der IW-Ökonom: „Wer betrügen möchte, lässt sich auch durch eine Bonpflicht nicht davon abhalten.“ Wichtiger sei es, generell die Steuermoral zu erhöhen, also das Vertrauen in Staat und Regierung zu steigern. Dafür sei eine sinnvolle Steuerverwendung wichtig. „Für die meisten Menschen ist die Steuerverschwendung des Staates der Hauptgrund für Frust und für eine geringe Steuermoral“, meint der IW-Experte.

Auch der Plan der möglichen neuen Bundesregierung, dass künftig überall bar und mit Karte gezahlt werden kann, dürfte die Steuerhinterziehung kaum senken, glaubt Enste. Kartenzahlungen seien zwar ein Weg, um Zahlungen besser nachvollziehbar zu machen. „Aber wer betrügen möchte, wird Geschäfte dennoch neben der Hauptkasse her durchführen.“
Zoll gegen Schwarzarbeit: Wirksame Kontrollen und Strafen
Wichtig sei es, vor allem große Betrügereien zu verhindern – durch Kontrollen und hohe Strafen, die auch gezahlt werden müssen, meint Enste. „Die Maßnahmen sollte sich gegen die Wirtschaftskriminalität richten, die im großen Stil stattfindet – auf Großbaustellen, mit systematischer Ausbeutung und auf die Bekämpfung der Steuerhinterziehung“, rät der Wirtschaftswissenschaftler. Geltenden Regeln müssten systematisch verfolgt und durchgesetzt werden.
Für mehr Kontrollen auf Baustellen setzt sich auch die Industriegewerkschaft IG Bau ein. „Die Finanzkontrolle Schwarzarbeit muss erheblich ausgeweitet werden“, fordert der Bundesvorsitzende der IG Bau, Robert Feiger. Die Gewerkschaft forderte schon vor zwei Jahren eine Verdoppelung des Zollpersonals auf 16.000 Beschäftigte. „Neuere Zahlen liegen leider nicht vor, wir wissen aber, dass es bislang zu keiner nennenswerten Aufstockung kam“, so Feiger. „Nur so kann man das Problem ernsthaft angehen, um der Schwarzarbeit und dem Mindestlohnbetrug an den Kragen zu gehen.“
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Positiv könnte sich unter der neuen Regierung der Plan auswirken, die Arbeitszeit digital zu erfassen, meint Feiger: „Dann bleibt das System nicht so beliebig, die Beschäftigten müssen registriert werden.“
Schwarzarbeit: Deutschland liegt im internationalen Vergleich im Mittelfeld
Generell ist der IW-Ökonom Enste überzeugt, dass es eine „Schattenwirtschaft von Null nicht geben wird“. Schwarzarbeit ist weltweit verbreitet. Deutschland nimmt laut Studien im internationalen Vergleich der OECD-Länder eine Mittelposition ein. So liegt die Relation der Schattenwirtschaft zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) für 2014 bis 2024 hierzulande durchschnittlich bei 10,3 Prozent. Am stärksten ist Schwarzarbeit in Griechenland (21,4 Prozent) und Italien (20,4 Prozent) verbreitet. Die Schlusslichter bilden die Schweiz (6,2 Prozent) und USA (5,8 Prozent).
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„Menschen neigten dazu, kleinere Beträge zu hinterziehen, um dem Staat ein Schnippchen zu schlagen“, glaubt der IW-Wissenschaftler.








