Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Leitzinsen am Donnerstag erneut um 0,25 Prozentpunkte auf dann 2,25 Prozent gesenkt. Das gab die Notenbank in Frankfurt bekannt. Es war seit Juni 2024 die siebte Zinssenkung seit der Zinswende. Seither ist der Einlagenzins für Banken um 1,5 Prozentpunkte gefallen. Das hat auch Auswirkungen für Sparer. „Die Banken werden eine Zinssenkung vor allem bei Tagesgeldkonten und Anlagen mit kurzen Laufzeiten weitergeben“, prognostiziert Jasmin Ehlert, Chefanalystin des Fintechs Raisin, zu dem auch die Anlageplattform Weltsparen gehört.

Donnerstag
Wirtschaft in Berlin
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Das Vergleichsportal Verivox hat Angebote von rund 800 Banken und Sparkassen ausgewertet und kommt für Tagesgeldzinsen aktuell im Durchschnitt auf ein Niveau von 1,4 Prozent. Seit Anfang März ist das laut Verivox ein Rückgang um 0,08 Prozentpunkte. „Seit dem vorletzten Sommer standen die Zinsen nicht mehr so niedrig wie aktuell“, sagt Geschäftsführer Oliver Maier.
Nach zuletzt fünf Leitzinssenkungen in Folge steht der für die Sparzinsen besonders relevante EZB-Einlagenzins aktuell bei 2,5 Prozent. Diesen Zins erhalten die Banken selbst, wenn sie Spargelder ihrer Kunden bei der Notenbank parken.
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Tagesgeldzinsen im Sinkflug – Festgeld kann attraktiv bleiben
Bei regionalen Kreditinstituten fielen die Tagesgeldzinsen laut Verivox-Analyse weniger stark. Das liege aber vor allem an dem hier generell niedrigeren Zinsniveau, sagt Maier. Sowohl bei den Sparkassen als auch bei den regionalen Genossenschaftsbanken verzeichnet Verivox beim Tagesgeld seit Anfang März einen Rückgang. Im Schnitt zahlen die Sparkassen aktuell demnach 0,48 Prozent. Mit durchschnittlich 0,5 Prozent stünden die Zinsen bei den Genossenschaftsbanken geringfügig höher. Zu dieser Gruppe zählen die örtlichen Volks- und Raiffeisenbanken sowie die PSD- und Sparda-Banken.
Lediglich 12 Prozent der Sparkassen und 13 Prozent der Genossenschaftsbanken in der Verivox-Auswertung böten einen Tagesgeldzins in von Höhe von einem Prozent oder mehr. „Nach der erneuten Leitzinssenkung in Höhe von einem Viertelprozent dürfte sich auch die Talfahrt bei den Tagesgeldzinsen mit ähnlichem Tempo wie in den letzten Wochen fortsetzen“, prognostiziert Maier.

Etwas anders ist die Situation beim mehrjährigen Festgeld: „Bei Anlagen mit längeren Laufzeiten beobachten wir einen stärkeren Wettbewerb unter den Banken“, sagt Ehlert. Das ist eine gute Nachricht für Sparer. „Die Zahl der Zinserhöhungen ist bei langen Laufzeiten nach unserer Beobachtung inzwischen höher als die der Senkungen“. Mehr Banken haben für lange Laufzeiten, also die Zinsen sogar erhöht. Das hat damit zu tun, dass Kundeneinlagen mit einer längeren Laufzeit gerade in volatilen Zeiten für die Banken zur Sicherung ihrer Liquidität besonders wichtig sind.
Festgeld im Wandel: Kurze Laufzeiten verlieren, lange legen zu
In Reaktion auf die schnellen und heftigen Leitzinserhöhungen der EZB hatte sich die Zinskurve in den vergangenen zwei Jahren zeitweilig umgekehrt. Kurzfristige Anlagen erzielten höhere Renditen als langfristige. Nun kehrt sich die Situation vor dem Hintergrund sinkender Leitzinsen wieder um.
Im Durchschnitt verzeichnet Verivox die Zinsen für zweijährige Festgelder mit 2,11 Prozent und damit auf dem tiefsten Stand seit Ende 2022. „In ihren Festgeldkonditionen preisen die Banken bereits mit einigem Vorlauf ein, wie sich die Zinsen nach ihrer Einschätzung künftig entwickeln werden“, sagt Oliver Maier. „Weil die meisten Marktteilnehmer davon ausgehen, dass sich die aktuelle Zinssenkungs-Phase allmählich ihrem Ende nähert, ging es für die Festgeldzinsen zuletzt nur noch moderat nach unten.“
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„Kurzes Festgeld bringt immer weniger – langes Festgeld dafür immer mehr“: Auf diese Formel bringt es das Verbraucherportal Biallo. Laut Biallo-Index seien die Zinsen für einjährige Anlagen seit Jahresbeginn um 0,16 Prozentpunkte gefallen. Bei fünf Jahren gehe es dagegen leicht bergauf: plus 0,10 Prozentpunkte.
Zinstreppe als Strategie: So sichern sich Sparer gegen fallende Festgeldzinsen ab
Für Sparer lohne es sich wieder, eine flexible Anlagestrategie für Festgelder – eine Art Zinstreppe – aufzubauen, erklärt Ehlert. Dabei wird der Anlagebetrag in mehrere Teilbeträge aufgeteilt, die jeweils für unterschiedliche Laufzeiten angelegt werden. Einen Teilbetrag für kürzere Laufzeiten, einen für den mittelfristigen Horizont und einen für längere Laufzeiten.
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Auch für den Juni kann sich Ehlert eine weitere Zinssenkung vorstellen. Sie gehe davon aus, dass sich der Leitzins im Sommer bei zwei Prozent einpendeln werde, sagt sie.
„Bislang erwarteten die meisten Marktteilnehmer, dass der EZB-Einlagezins nach und nach bis auf etwa 2 Prozent sinken wird. Sollten sich nun die Anzeichen verdichten, dass die EZB die Zinsen noch über dieses Niveau hinaus senken wird, könnte es auch beim Festgeld schon bald wieder steiler bergab gehen“, erwartet Verivox.








