Sind Sie auch Team Temu? Nicht jeder will zugeben, den Billig-Verlockungen von Online-Marktplätzen wie Shein oder Temu schon einmal erlegen zu sein. Denn so richtig blickt man als Verbraucher nicht durch, was auf solchen Plattformen genau angeboten wird, welche Qualität ein dort offeriertes Produkt hat und, vor allem, warum es so billig ist.

Donnerstag
Wirtschaft in Berlin
Abonnieren Sie kostenlos den Wirtschafts-Newsletter der Berliner Morgenpost
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Jeder vierte Deutsche hat Umfragen zufolge bereits bei Temu bestellt. Hinter Amazon, Ebay und Otto lag das chinesische Unternehmen, das seit 2023 auch in Deutschland aktiv ist, Ende 2024 auf Platz vier aller in Deutschland erfolgreichen Online-Shoppingplattformen. Mit aggressiver Werbung, Rabatt-Aktionen und großen Versprechungen lockt Temu immer mehr Kunden an. Warnungen von Verbraucherschützern vor schlechter Qualität, fehlenden oder gefälschten Prüfsiegeln und einem praktisch nicht vorhandenen Kundenservice scheinen beim Kaufverhalten kaum eine Rolle zu spielen.

Handelsverband hat Beschwerde beim Bundeskartellamt eingereicht
Nach Jahren des Wachstums bekommt Temu nun aber verstärkt Gegenwind zu spüren. Aktuell läuft ein Verfahren der EU-Kommission gegen die Plattform. Es geht um einem möglichen Verstoß gegen das EU-Gesetz für digitale Dienste und Verstöße gegen EU-Standards für Produktsicherheit. Gerade hat auch noch der Handelsverband Deutschland (HDE) beim Bundeskartellamt Beschwerde gegen Temu eingereicht. Der Verband sieht auf der Plattform kartellrechtswidriges Verhalten. „Die Vorwürfe gründen darauf, dass Temu den Geschäftspartnern, die Waren über die Plattform verkaufen, die Preissetzungshoheit entzieht“, teilte der HDE mit.
Konkret schreibe Temu den dort verkaufenden Händlern vor, dass deren Preise maximal 85 Prozent dessen betragen dürfen, was sie für ein vergleichbares Produkt auf anderen Plattformen erzielen würden. „Vielmehr behält sich Temu gegenüber den Verkäufern zugleich auch vor, selbst über die Höhe der finalen Verkaufspreise zu entscheiden.“
Auch interessant
Der Verband kritisiert noch mehr. So hätten zahlreiche Testkäufe gezeigt, dass auf Temu angebotene Produkte häufig nicht den Produktsicherheitsvorschriften entsprächen. „Wer hierzulande Waren anbietet und verkauft, muss sich auch an unsere Regeln und Gesetze halten“, hieß es.
Trumps Zollpolitik trifft Temu empfindlich
Härter als Klagen und Beschwerden dürfte Temu allerdings die Zollpolitik der US-Regierung unter Donald Trump treffen. Zumindest im Geschäft mit amerikanischen Kunden. Neben den Zöllen auf Warenimporte durch Großhändler sieht eine Neuregelung auch massive Aufschläge auf kleine Sendungen aus China vor. Die Zölle für kleine Paketsendungen sollen ab dem 2. Mai von 30 auf 90 Prozent steigen, wie aus einem am Dienstag veröffentlichten Dekret hervorgeht. Der Satz gilt für Lieferungen mit einem Warenwert unter 800 Dollar, die lange gänzlich von Zöllen ausgenommen waren.

Die Ausnahmeregelung für kleine Pakete stand schon länger in der Kritik. Davon profitierten vor allem auch Temu. Nach Angaben des US-Zolls ist der Wert zollbefreiter Pakete in den vergangenen Jahren stark gestiegen.
- Richtig in Gold investieren: ETF, ETC oder Münzen und Barren?
- Unter Trump: So sicher ist das deutsche Gold in den USA noch
- Faule Deutsche? Experten sagen, ob wir wirklich zu wenig arbeiten
- Gold kaufen: Profis geben wichtige Tipps für Anfänger
- Job & Gehalt: Experte verrät, was bei Gehaltsverhandlungen wirklich zieht
- Wohnen und Mieten: Reich werden mit Airbnb – Zwei Brüder verraten, wie es geht
Anfang Februar hatte Trump die Ausnahme für Sendungen aus China bereits ein erstes Mal aufgehoben, was jedoch zu großen logistischen Problemen führte. Der US Postal Service (USPS) teilte zwischenzeitlich mit, die Annahme von Paketen aus China und Hongkong gänzlich zu stoppen. Die US-Regierung ruderte daraufhin zurück.





