Fünf Jahre nach dem ersten Corona-Lockdown dringen Ärzte auf eine konsequente Aufarbeitung der damals ergriffenen Maßnahmen durch den neuen Bundestag. „Wir brauchen diese Erkenntnisse, um für die nächste Pandemie gewappnet zu sein, die – und das ist leider nur eine Frage der Zeit – kommen wird“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, dieser Redaktion.

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„Zudem steht die Glaubwürdigkeit von Politik auf dem Spiel, wenn weiterhin keine Aufarbeitung erfolgt – mit der fatalen Konsequenz, dass die Bürgerinnen und Bürger zunehmend das Vertrauen in staatliches Handeln verlieren.“ Dies lasse sich an den letzten Wahlergebnissen deutlich ablesen. 

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#3 Jens Spahn über Corona, Masken-Deals und seinen Mann
Meine schwerste Entscheidung
 

Gassen verwies auf Medienberichte über angeblich zurückgehaltene Erkenntnisse des Bundesnachrichtendienstes zum Ursprung der Pandemie. Danach soll es Hinweise für die Hypothese gegeben haben, wonach das Virus aus einem Labor in China stamme. Vor diesem Hintergrund „wäre eine konsequente Evaluation der damaligen politischen Entscheidungen wichtiger denn je“, betonte er. 

Kassenarztchef Andreas Gassen fordert Aufklärung.
Kassenarztchef Andreas Gassen fordert Aufklärung.© dpa | Britta Pedersen

Corona: Kassenarzt für ehrliche Aufbereitung

Konkret forderte Gassen die Einrichtung einer Enquetekommission. „Dabei soll es nicht um Schuldzuweisungen gehen, sondern um die Frage: Was ist gut gelaufen? Welche Maßnahmen haben sich als falsch erwiesen oder wurden vielleicht gar nicht wirklich befolgt?“, so der KBV-Chef.

Gassen verurteilte politischen Widerstand gegen eine Aufarbeitung. Es sei „schwer erträglich, dass einige derjenigen, denen damals keine Maßnahme hart genug sein konnte, sich in einer Art Geschichtsklitterung immer noch als Retter der Nation gerieren und einer ehrlichen Aufarbeitung im Weg stehen“. 

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Auch Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, hält gesetzliche Grundlagen für erforderlich, um einer möglichen künftigen Pandemie effizient zu begegnen. Die größten Fehler in der Pandemie seien in der stationären Altenpflege gemacht worden.

Patientenschutz-Stiftungschef Eugen Brysch.
Patientenschutz-Stiftungschef Eugen Brysch.© Deutsche Stiftung Patientenschut/dpa | Handout

Pflegeheime zählten zu den Brennpunkten und nicht zu den Brutstätten des Virus, sagte er dem Evangelischen Pressedienst (epd). „Das höchste Opfer des Versagens brachten die Pflegebedürftigen.“ Pflegeheime dürften niemals mehr Orte des einsamen Sterbens sein. „Die Politik wollte alles machen und hat damit das Wichtige aus den Augen verloren“, kritisierte Brysch.

Viel zu lange habe selbst der Grundschutz mit Masken und Desinfektionsmitteln in der Langzeitpflege gefehlt. „Ein überzeugendes Testregime gab es nie und zusätzliche Hilfskräfte sowie Ausweichquartiere waren nicht mal angedacht.“ Die einrichtungsbezogene Impfpflicht habe dem Berufsklima geschadet, ohne das Virus zu stoppen.

Der erste Corona-Lockdown in Deutschland wurde vor fünf Jahren am 16. März 2020 beschlossen und trat am 22. März 2020 in Kraft. Er war mit zahlreichen Einschränkungen im öffentlichen Leben verbunden. Der Corona-Lockdown endete mit den ersten Lockerungen nach sieben Wochen am 4. Mai 2020.