Zusammenfassung
- Der Bundesnachrichtendienst (BND) ist zu 80 bis 95 Prozent sicher, dass die Corona-Pandemie ihren Ursprung in einem chinesischen Labor hat
- Externe Experten, darunter der Präsident des Robert-Koch-Instituts und Virologe Christian Drosten, prüfen seit Dezember die BND-Erkenntnisse
- Die Frage nach dem Ursprung des Coronavirus bleibt ein Rätsel, da die chinesische Regierung Untersuchungen der WHO blockiert
Beim Bundesnachrichtendienst (BND) soll man sich laut einer Recherche von „Süddeutscher Zeitung“ und der Wochenzeitung „Die Zeit“ zu „80 bis 95 Prozent“ sicher sein, dass die Corona-Pandemie ihren Ursprung in einem chinesischen Labor hat. Demnach ermittelten Agenten des BND bereits 2020 im Rahmen der Operation „Projekt Saaremaa“ zum Ursprung des Virus.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Sie sollen bei ihren Recherchen auf Informationen zu Tierversuchen und wissenschaftlichen, teils unveröffentlichten Untersuchungen aus den Jahren 2019 und 2020 gestoßen sein, die zeigten, dass in Wuhan, China, bereits vor Ausbruch der Pandemie ungewöhnlich viel Wissen über das neuartige Coronavirus vorgelegen habe. Das Material soll Rückschlüsse auf den Ursprung der Pandemie zulassen.
Dabei handelt es sich den Berichten zufolge unter anderem um wissenschaftliche Daten aus chinesischen Forschungseinrichtungen – darunter dem „Wuhan Institut für Virologie“, einer der führenden chinesischen Einrichtungen für Viren-Forschung. Neben Hinweisen auf riskante Experimente, bei denen in der Natur vorkommende Viren künstlich verändert wurden, soll das Material auch zahlreiche Verstöße gegen Vorschriften für die Labor-Sicherheit nachweisen. Der BND geht auf Grundlage dieser Daten davon aus, dass das Coronavirus nicht auf natürlichem Wege in die Welt gekommen sei.
Coronavirus: CIA-Beurteilung beruht wohl auf BND-Erkenntnissen
Den Auftrag, die Herkunft des neuartigen SARS-CoV-2-Virus zu untersuchen, hatte demnach das Kanzleramt erteilt. Noch in der Regierungszeit von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) unterrichtete BND-Präsident Bruno Kahl persönlich das Kanzleramt über die nachrichtendienstliche Operation und die Bewertung des Dienstes.
Die Erkenntnisse des BND sind laut dem Bericht dann aber von zwei Bundesregierungen unter Verschluss gehalten worden. Altkanzlerin Merkel wollte sich auf Anfrage der Medien nicht dazu äußern, ob sie von dem Vorgang Kenntnis erhielt. Der damalige Kanzleramtsminister Helge Braun und der für die Nachrichtendienste zuständige Staatssekretär, Johannes Geismann, wollten sich demnach ebenfalls nicht äußern.
Direkt nach dem Regierungswechsel von Merkel zu Olaf Scholz (SPD) habe BND-Chef Kahl das Kanzleramt erneut informiert. Das für die Kontrolle der Nachrichtendienste zuständige Parlamentarische Kontrollgremium des Bundestages sei hingegen nicht unterrichtet worden, ebenso wenig wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO).
BND-Bericht: Christian Drosten sollte Erkenntnisse auswerten
Ende vergangenen Jahres entschied die Bundesregierung dem Bericht zufolge, externe Experten mit der Überprüfung der BND-Erkenntnisse zu beauftragten. Seit dem vergangenen Dezember prüfen demnach im Auftrag des Kanzleramts hochrangige externe Wissenschaftler die Validität der BND-Erkenntnisse. Zu der Gruppe gehörten der Präsident des Robert-Koch-Institutes, Lars Schade und der Berliner Virologe Christian Drosten. Ein abschließendes Ergebnis liege noch nicht vor.
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Laut dem Bericht durfte der BND seine Informationen außerdem erst im Dezember 2024 mit den US-Geheimdiensten teilen. Der neue Direktor des US-Auslandsgeheimdienstes CIA, John Ratcliffe, änderte im Januar als eine seiner ersten Amtshandlungen die Einschätzung seiner Behörde zum Ursprung des Coronavirus. Ein forschungsbedingter Ursprung der Covid-19-Pandemie sei auf der Grundlage der verfügbaren Berichte wahrscheinlicher als ein natürlicher Ursprung, hieß es. Die Unsicherheiten bei dieser Einschätzung seien aber groß, an der Untersuchung des Ursprungs werde weiter gearbeitet. Beim BND glaubt man dem Bericht zufolge, diese Neueinschätzung gehe auf die geteilten Erkenntnisse zurück.
Ein Argument von Befürwortern der Laborthese ist, dass China andernfalls längst wissenschaftliche Belege für den natürlichen Ursprung des Virus hätte liefern können und müssen. „Chinesische Wissenschaftler haben dafür alle technischen Möglichkeiten“, hatte der Virologe Christian Drosten im Januar der Zeitung „taz“ gesagt. Er habe solche Studien auch erwartet – gekommen seien sie aber nicht. Je mehr Zeit vergehe, desto skeptischer werde er. „Verbietet die Staatsräson, dass daran gearbeitet wird? Mag sein. Die andere Erklärung wäre aber, dass da gar kein natürliches Virus war.“ Derzeit hält Drosten aber einen natürlichen Ursprung von Sars-CoV-2 immer noch für wahrscheinlich - „und das nehmen auch fast alle Wissenschaftler an, die mit dem Thema befasst sind“.
Auf einen detaillierten Fragenkatalog erklärte ein Regierungssprecher gegenüber den Medien: „Zu nachrichtendienstlichen Angelegenheiten nehmen wir grundsätzlich öffentlich nicht Stellung.“ Auch der BND äußert sich nicht. Die Frage der Herkunft des Virus ist bis heute ein Rätsel. Die Aufklärung wird erschwert, weil die chinesische Regierung Untersuchungen der WHO blockiert. Diese hat bereits vor Jahren alle Staaten aufgerufen, ihr zur Verfügung stehende Informationen zur Verfügung zu stellen.
lro/AFP




