Ein neuer Autoriese ist geboren – und will gleich nach den Sternen greifen: Mitte Januar schlossen der Peugeot-Hersteller PSA, zu dem auch der Rüsselsheimer Autobauer Opel gehört, und der italienisch-amerikanische Autobauer Fiat Chrysler ihre Megafusion ab. Seitdem ist mit dem neuformierten Konzern Stellantis, abgeleitet vom lateinischen Wort „stellare“, was so viel bedeutet wie „mit Sternen bedecken“, der viertgrößte Autobauer der Welt.

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Wirtschaft in Berlin
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Opel ist der einzige deutsche Autobauer im insgesamt 14 Marken umfassenden Portfolio. Ein Vorteil, findet Opel-Chef Michael Lohscheller. Doch die Sorge wächst, dass Opels Stern im neuen Konzern bald nur noch matt schimmert. Antworten auf die wichtigsten Fragen zur Fusion.
Warum haben sich PSA und Fiat Chrysler zusammengeschlossen?
PSA und Fiat Chrysler Automotive (FCA) wollen mit der Fusion bestehende Lücken schließen. PSA ist in Europa insbesondere im Kleinwagensegment gut aufgestellt, spielt in Amerika und China aber keine Rolle. Ganz anders sieht es bei FCA aus. In Europa kriselt es gewaltig, in Amerika hingegen läuft es zuletzt wieder besser.
Daher plante FCA 2019 bereits eine Fusion mit Renault. Die Gespräche scheiterten, Fiat Chrysler gab dabei auch der französischen Politik eine Teilschuld – nur um kurze Zeit später erneut in Paris anzuklopfen, dieses Mal bei PSA.
Gemeinsam als Stellantis sind PSA und FCA künftig sowohl in Europa als auch in Amerika stark vertreten. Und man bündelt die Kräfte: Einmalig beziffert der bisherige PSA- und neue Stellantis-Chef Carlos Tavares die Kosten der Fusion auf vier Milliarden Euro, pro Jahr sollen aber Einsparungen von fünf Milliarden Euro möglich sein.
Im Blick hat man vor allem den chinesischen Markt. PSA versuchte zuletzt erfolglos, mit seinem Joint Venture Dongfeng in China Fuß zu fassen, FCA ist hier quasi gar nicht vertreten. „Hier muss Stellantis einen Neuanfang wagen“, sagt Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive Management (CAM) der Fachhochschule Bergisch Gladbach.
Wird Stellantis die Auto-Branche aufmischen?
Allein durch die enorme Größe des Konzerns kommt es zu Verschiebungen. Zusammengerechnet setzten die Marken vor der Corona-Krise jährlich 8,7 Millionen Fahrzeuge ab, beschäftigten mehr als 400.000 Mitarbeiter und erzielten einen Umsatz von rund 170 Milliarden Euro. Durch den Zusammenschluss wird Stellantis hinter Volkswagen, Toyota und dem Verbund Renault-Nissan-Mitsubishi der viertgrößte Autobauer der Welt.
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Welche Marken gehören dazu?
Insgesamt zählt Stellantis 14 Marken. Aus dem PSA-Konzern kommen Peugeot, Citroën, DS sowie Opel samt Schwester Vauxhall. Die Hoffnungen ruhen dabei vor allem auf den Kleinwagen Peugeot 208, Citroën C2 und dem Opel Corsa. Während der Peugeot 208 seit Jahren ein Kassenschlager in Europa ist, führt der im Herbst runderneuerte Corsa laut Daten des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) die Kleinwagenverkäufe im Dezember in Deutschland an.
Zu FCA gehören neben den seit Jahren kriselnden Marken Fiat und Chrysler die jüngsten Gewinnbringer Jeep und Dodge sowie die Truck-Marke Ram. Aus Italien kommen noch Lancia und Alfa Romeo sowie Fiats Sportableger Abarth und die Luxusmarke Maserati dazu.
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Was bedeutet der Zusammenschluss für Opel?
Stellantis-Chef Tavares gilt als knallharter Sanierer. Entsprechend positiv kam der harte Kurs des 2017 amtierenden Opel-Chefs Michael Lohscheller bei dem Portugiesen an. Binnen zwei Jahren strich Lohscheller allein in Deutschland 6800 Stellen. Ein harter Schnitt, der Opel aber zurück in die schwarzen Zahlen führte.
„Schwarze Zahlen sind einfach zu erreichen, wenn man wie bei Opel den Rotstift an die Entwicklung legt. So bleibt aber eben auch Innovation aus“, kritisiert Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des Center for Automotive Research (CAR).
Frank Schwope, Autoanalyst bei der Norddeutschen Landesbank (NordLB), sieht in Opel und Vauxhall die Marken, die „am ehesten leiden“ werden: „Die Entwicklungsaufgaben können nun zusammengelegt werden, und die einfachste Variante wäre, diese in Frankreich zu bündeln.“
Die Folge: Nicht mehr alle Standorte würden benötigt. Nicht gerade ein Argument für Opel dürfte dabei sein, dass bei keiner anderen Konzern-Marke von PSA der Absatz während der Corona-Krise derart eingebrochen ist. Zusammen mit der britischen Schwester Vauxhall steht ein Minus von rund 35 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu Buche. Zuletzt gab es zudem Probleme beim vollelektrischen SUV Mokka-e. Die Rüsselsheimer mussten Hunderte Bestellungen stornieren, weil die Produktionskapazitäten für 2021 erschöpft sind.
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Werden Werke geschlossen?
Bisher hat Tavares betont, keine Werke schließen zu wollen. Doch diese Aussage nimmt ihm kaum jemand ab. „Tavares ist sehr diplomatisch in seiner Ausdrucksweise. Er will kein Werk schließen, sagt er. Er sagt aber nicht, dass er nicht vielleicht Werke verkaufen wird“, analysiert Dudenhöffer, der mit einem „radikalen Stellenabbau“ rechnet. Autoprofessor Stefan Bratzel sieht die Hauptkompetenz von Stellantis in Paris.
„Daneben wird es einen Kampf darum geben, welche Entwicklungsstandorte eine Zukunft haben werden“, sagt Bratzel. In Frankreich werden Werksschließungen schwierig, da der französische Staat über eine Beteiligungsgesellschaft am neuen Konzern beteiligt ist. Und auch Italien erwägt einen Einstieg.
Einfacher wäre es also, in Ländern ohne Staatsbeteiligung Stellen und Werke zu streichen. Und da käme wohl auch Deutschland in Betracht. Immerhin: „Rüsselsheim ist wohl kurzfristig nicht gefährdet, in Kaiserslautern bringt die entstehende Batteriezellfabrik Hoffnung“, meint Bratzel. Bleibt noch das Werk in Eisenach mit rund 1400 Mitarbeitern. „Eisenach wird erneut großen Druck bekommen, da es kein Komplettstandort ist“, sagt der Autoexperte.

Wie ist Stellantis beim Thema Elektromobilität aufgestellt?
„Bei Fiat Chrysler war die E-Mobilität bis vor ein paar Monaten kein Thema“, sagt Dudenhöffer. PSA hingegen könnte mit den elektrifizierten Auflagen seiner Klassiker wie dem Peugeot 208 oder dem Corsa punkten. Bei der Elektrifizierung sieht Bratzel auch eine große Chance für Opel, sich im Konzern zu behaupten – wenn nicht ähnliche Fehler wie beim überbuchten Mokka-e passieren.
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Was bedeutet die Fusion für Anleger?
Mit der Fusion wird jede PSA-Aktie gegen 1,742 Aktien von FCA getauscht werden. Im Januar wurden erstmals die Aktien von Stellantis in Mailand und Paris gehandelt. Aktuell bewegt sich der Kurs bei rund 14 Euro pro Aktie.




