In der Automobilindustrie bahnt sich womöglich eine Megafusion an: Der italienisch-amerikanische Autobauer Fiat Chrysler will sich mit seinem französischen Rivalen Renault zusammenschließen – und so zum weltweit drittgrößten Autokonzern aufsteigen.

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Wirtschaft in Berlin

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Mit Renaults japanischem Allianzpartner Nissan könnte das neue Fusionsunternehmen sogar Volkswagen und Toyota von der Weltmarktspitze verdrängen. Die bisher konkurrierenden Firmenverbünde haben zu Wochenbeginn in Aussicht gestellt, einen weltumspannenden Konzern zu schmieden. Der Verwaltungsrat von Renault in Paris nannte ein entsprechendes Angebot von Fiat Chrysler am Montagnachmittag einen „freundlichen Vorschlag“.

Die Fusion würde ein italienisch-amerikanisch-französisch-japanisches Großunternehmen schaffen, das pro Jahr 8,7 Millionen Fahrzeuge verkauft und in allen wichtigen Märkten rund um den Globus präsent ist. Vorgesehen ist eine Verschmelzung auf eine gemeinsame Gesellschaft mit Sitz in den Niederlanden, an der beide Partner je zur Hälfte beteiligt wären. Der französische Staat, mit 15 Prozent größter Aktionär von Renault, reagierte verhalten positiv. Für Europa als Ganzes sei es gut, einen Industrie-Giganten zu haben.

Position gegenüber japanischen Partnern verbessern

Allerdings müsse sich Frankreich die Konditionen genau ansehen. Dagegen ist von den Gewerkschaften Widerstand zu erwarten, vor allem in Italien. Denn die meisten europäischen Werke von Fiat Chrysler sind nur zur Hälfte ausgelastet. Ein möglicher Personalabbau könnte daher vor allem Arbeitsplätze in Italien treffen. Italiens stellvertretender Ministerpräsident Matteo Salvini erklärte, der geplante Zusammenschluss könnte eine gute Nachricht für Italien sein, wenn Fiat Chrysler dadurch gestärkt werde. Entscheidend sei, die Arbeitsplätze zu erhalten.

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Das Hauptquartier von Fiat Chrysler Automobiles (FCA) in Auburn Hills, Michigan.
Das Hauptquartier von Fiat Chrysler Automobiles (FCA) in Auburn Hills, Michigan.© Reuters | Rebecca Cook


Der Zusammenschluss von Chrysler mit dem italienischen Anbieter Fiat ab 2014 wird bislang in der Branche als Erfolg gefeiert. Die Sanierung gelang. Nissan ist mit Renault schon seit anderthalb Jahrzehnten durch eine Überkreuzbeteiligung verschränkt. Zu einer vollständigen Verschmelzung kam es allerdings nie, obwohl beide Firmen in vielerlei Hinsicht wie ein einzelnes Unternehmen arbeiten. Experten halten es grundsätzlich für sinnvoll, nun den nächsten Schritt zu gehen und einen Großverbund zu gründen.

„Jede Menge Synergien“ sieht Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen auf der Chancen-Seite. Wenn die Fusion vorankomme, sei sie allerdings eher ein Projekt zwischen Fiat Chrysler und Renault, mit dem die Franzosen ihre Position gegenüber den japanischen Partnern verbessern wollten.

Fiat Chrysler hängt bei der Elektromobilität hinterher

Seit dem Sturz des charismatischen Firmenchefs Carlos Ghosn ist das Verhältnis zwischen Renault und Nissan abgekühlt. Ghosn hatte beide Unternehmen in Personalunion geführt.

Wegen schärferer Klimavorgaben und steigender Kosten für die Entwicklung von umweltfreundlicheren Motoren und Elektroautos steigt auf die Konzerne schon länger der Druck, Kooperationen und Fusionen zu suchen. Fiat Chrysler braucht dringend Zugang zu moderner Technik. Das italienisch-amerikanische Unternehmen steht bei der Entwicklung von Elektroautos weit abgeschlagen da und hat zuletzt nur wenig in Neuerungen investiert.

Das Unternehmen zahlt dem US-Konkurrenten Tesla bereits einen Milliardenbetrag dafür, auf dem Papier eine gemeinsame Flotte zu bilden. Denn die EU-Umweltpolitik gibt einen maximalen Ausstoß an Treibhausgasen vor, den Fiat nicht einhalten kann.

Da die Autos von Tesla gar keine Abgase erzeugen, kommt im Schnitt ein günstiger Wert heraus.

Solche Tricks hat Renault-Nissan mit seinen moderneren Wagen wie dem Elektroauto Leaf nicht nötig. Doch die Fusion berge auch Risiken, warnt Dudenhöffer. „Es gibt jede Menge Empfindlichkeiten und Komplexitäten.“ Ob die neue Allianz auch wirklich klappe, sei daher zweifelhaft. Auf jeden Fall würde der neue Konzern Betriebsstätten schließen müssen, um die Vorteile seiner neuen Größe zu nutzen.

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„Renault und Fiat brauchen etwa keine zwei Entwicklungszentren in Paris und Turin“, sagt Dudenhöffer. Die Fusion läute die nächste Runde der Konsolidierung in der Autobranche ein.

Die rasche Ausdehnung des Weltmarkts durch das hohe Wachstum in Asien hat diese Entwicklung zwar verzögert und zeitweilig umgekehrt. Doch die hohen Investitionen in neue Mobilität und Digitalisierung verändern die Branche nun grundlegend. „Es scheint kein Stein auf dem anderen zu bleiben“, so Dudenhöffer. „Fiat-Chrysler-Renault ist eine Etappe in einem langen Rennen.“

Die Vorteile von gebündeltem Einkauf, von Plattformstrategie und von zentralem Marketing und Vertrieb liegen auf der Hand. Sie ermöglichen letztlich die Stabilität eines Konzerns wie VW selbst inmitten einer Betrugskrise.

Der Trend zu Fusionen kommt daher wieder in Gang. Seit 2017 gehört Opel zu Peugeot-Citroën; der schwedische Anbieter Volvo ist seit 2010 Teil der chinesischen Geely-Gruppe. Ein branchenweiter Absatzrückgang würde den Trend zusätzlich beschleunigen, wenn der aktuelle Wirtschaftsaufschwung einmal abflaut.