250.000 Handwerker fehlen in Deutschland – heißt es vom Zentralverband des Handwerks. Der Fachkräftemangel sei ein riesiges Problem, das sich in den nächsten Jahren noch weiter verschärfen wird. Eine Lösung, um diesen auszugleichen, soll innovative Technik sein. Künstliche Intelligenz, Roboter, all das könnte die Zukunft des Handwerks werden. Einen Schritt in diese Richtung macht das Berliner Start-up Conbotics. Sie entwickeln einen „dritten Arm für den Maler“ – einen Maler-Roboter, der den Betrieben auf großen Flächen die Arbeit abnehmen soll.

Der Roboter, von dem die Rede ist, wiegt stolze 130 Kilogramm, kann mit einem Joystick auf vier Rädern durch die Gegend gefahren werden und hat einen langen, metallenen Arm, an dem ein Sprühkopf befestigt ist. Damit kann der Roboter bisher vor allem gerade und große Fläche gleichmäßig mit Farbe besprühen. Zum Transport lässt sich das Gerät auseinanderbauen, die Einzelteile passen in den klassischen Handwerks-Transporter, das schwerste wiegt 60 Kilogramm.

Malermeister: „Der Roboter soll niemanden von uns ersetzen“

„Es gibt genug zum Arbeiten, der Roboter soll niemanden von uns ersetzen“, erklärt Malermeister Robert Sachs den 17 Malerinnen und Malern, die sich im Gründungszentrum CHIC in Charlottenburg zusammengefunden haben, um den Maler-Roboter in Aktion zu sehen. Sachs arbeitet seit zwei Jahren mit Conbotics zusammen, um den Roboter nach und nach zu optimieren.

„Auf der ersten Baustelle, auf der wir waren, hatten wir Probleme durch die Tür zu kommen“, erzählt Christian Amaya Gomez, einer der drei Gründer des Start-ups. Die Entwickler hatten nicht bedacht, dass auf Baustellen die Türen häufig kleiner sind als später im fertigen Gebäude. Durch die Zusammenarbeit mit Malerbetrieben wie dem von Sachs wurden solche Probleme in den letzten Jahren behoben. Der nächste Schritt ist es, den Roboter so weiterzuentwickeln, dass dieser auch Zimmerdecken und Schrägen besprühen kann, so Amaya Gomez. In ferner Zukunft soll an einer Schleiffunktion des Geräts gearbeitet werden.

Zunächst plant Conbotics aber im April den offiziellen Markteintritt. Dann sollen Malerbetriebe innerhalb von Berlin die Roboter mieten können. Mit den großen Gewinnen rechnen die Gründer in den ersten Monaten aber nicht. Stattdessen planen sie langsam und zusammen mit dem Markt zu wachsen. „Das Handwerk in Deutschland ist sehr traditionell“, sagt Amaya Gomez.

Handwerkskammer: „Es ist ein Werkzeug und keine Bedrohung“

„Wir versuchen auf einer Ebene mit den Menschen ins Gespräch über die Robotik zu kommen“, erklärt der Mit-Gründer. Gerade das soll der Skepsis in den Betrieben entgegenwirken. „Es ist ein Werkzeug und keine Bedrohung“, sagt Kerstin Wiktor, Referatsleiterin für Digitales, Technik und Innovation der Handwerkskammer Berlin. Sie sieht in Technologien wie der Robotik ein gutes Mittel, um den Fachkräftemangel auszugleichen. „Die Roboter werden keine Fachkräfte ersetzen, aber bei der Offenheit von Betrieben für solche Entwicklungen stoßen wir an Grenzen“, erläutert sie.

Dass diese Sorge unbegründet ist, erklärt Malermeister Sachs: „Für große Projekte oder Neubauten ist der Roboter perfekt, aber wenn du ein Badezimmer oder die Küche von Oma Erna streichen musst, dann machst du das immer noch alleine.“ Das Gerät von Conbotics ist für ihn vor allem eine Arbeitserleichterung. Ein paar berechtigte Kritikpunkte gibt es aber dennoch.

„Der Roboter ist schon ganz schön schwer“, sagt Fatma Sarikaya, Technikerin für Farbe und Ausbau. „60 Kilo könnte ich auch nicht zusammen mit einer anderen Kollegin tragen.“ Sollte der Roboter sich aber weiterentwickeln, noch leichter und genauer werden, dann sieht sie darin die Zukunft.

Miet-Kosten für Roboter sind noch unklar

Nachfragen gibt es auch zu dem Preis des Roboters. Die Technologie könne noch so toll sein, wenn das Gerät am Ende 300.000 Euro kostet, dann könne sich das niemand leisten, heißt es in der Runde aus Fachleuten. Der genaue Mietpreis stehe noch nicht fest, sagen die Entwickler. An dem Geschäftsmodell werde noch gearbeitet.

„Es kommt auch darauf an, für welche Projekte wir den Roboter einsetzen können“, sagt Bastian Müller, der für die Vorstellung extra aus einem Malerbetrieb in Thüringen angereist ist. Manchen Anwesenden fehlt derzeit noch die Flexibilität des Roboters. Auch die Sicherheitszertifizierung ist noch nicht endgültig abgeschlossen, heißt es von Conbotics.

Bis April soll noch einiges an Feinschliff an den Robotern erledigt werden. Dann sollen die Maschinen ihre Einsatzorte in der Hauptstadt finden. Denn einem Argument von Amaya Gomez würden die meisten Anwesenden mit Sicherheit zustimmen: „Berlin hat genug Bedarf zum Streichen.“