In Schrittgeschwindigkeit bewegt sich Whizzy über den Gehweg. Der rund 1,20 Meter hohe Roboter schenkt vorbeiziehenden Passanten ein Lächeln, weicht Hindernissen auf der Route aus. Whizzy ist auf dem Weg zu einer Kundin, die Grillgut für die abendliche Feier im Garten bestellt hat und selbst keine Zeit hatte, dieses noch zu besorgen. Am Haus angekommen, gibt die Kundin ihre Pin ein. Daraufhin öffnet der freundliche Roboter sein Fach, wo das Grillfleisch gelagert wird.
Das beschriebene Szenario stammt nicht aus einem liebevollen Zukunftsfilm, sondern könnte bereits kommendes Jahr Wirklichkeit in der Strausberger Altstadt werden. Auf dem Gelände der Strausberg Technology and Innovation Center-Wirtschaftsförderung (STIC) wurde am Freitagmorgen das futuristische Modell vorgestellt, das vom Bundesministerium für Digitales und Verkehr mit vier Millionen Euro finanziert wird und mit dem die Probleme des Einzelhandels in der Region angegangen werden sollen.
Einkaufsroboter sind nicht neu: Darum ist Whizzy besonders
„Die Corona-Pandemie und der Online-Handel haben dem Einzelhandel stark zugesetzt“, erklärte STIC-Geschäftsführer Andreas Jonas. „Vielleicht kann das Projekt helfen, indem der größte Vorteil des Einzelhandels ausgespielt wird: die Nähe zum Kunden.“ Lieferdienste wie Gorillas in Berlin seien im ländlichen Raum nicht existent. Dort sowie in kleineren Städten müssten deshalb alternative Lösungen her.

Neu ist die Idee von Lieferrobotern nicht. Der sogenannte Unique Selling Point – der Aspekt, den Whizzy einzigartig macht – sei jedoch die Verknüpfung mit einem 5G-Netz. Statt die Rechenleistung, mit der die Sensorik und die Fortbewegung gesteuert wird, im Roboter zu verbauen, werde auf die bereits bestehende Infrastruktur zurückgegriffen – der Mobilfunk-Standard 5G ist sowohl in Brandenburg als auch in Berlin weit ausgebaut. Neben der Kosteneinsparung sei hier der Vorteil, dass später Roboter von anderen Herstellern ebenfalls über dieses Netz gesteuert werden könnten, wie Thomas Staufenbiel erklärte. Er ist Co-Gründer des Kreuzberger Startups Gestalt Robotics, das Whizzy mit entworfen hat.
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Bis dahin sind allerdings noch viele technische Schritte zu durchlaufen und Fragen zu klären. Wie wird die Innovation von der Kundschaft angenommen? Welche Kosten entstehen am Ende? Wie sieht es versicherungstechnisch aus, sollte Whizzy einen Unfall bauen? Wie sollen die Einkäufe in das dritte Stockwerk gebracht werden, wenn der Kunde kaum laufen kann? Was ist mit Vandalismus? Allein darauf zu hoffen, dass durch das freundliche Lächeln Personen davon abgehalten werden, dem über 100 Kilogramm schweren Einkaufsroboter Schaden zuzufügen, bezweifeln die Projektbeteiligten.
Whiskeyladen und Edeka-Filiale haben bereits Interesse angemeldet
Man stehe noch weit am Anfang der Projektphase, so Andreas Jonas. Auf dem STIC-Gelände werde in den kommenden Monaten viel ausprobiert, der Roboter mit Daten gefüttert, um ihn möglicherweise schon im Sommer 2024 ins Feld zu schicken. Erste Interessenten gibt es bereits: „Wir wollen die Zukunft mitgestalten“, sagte Jens Friedeboldt, Inhaber einer Edeka-Filiale in Strausberg, bei der Robotervorstellung am Freitag. Die Welt werde immer digitaler und man müsse die Möglichkeiten der Innovation nutzen, auch im Bereich Logistik.
Die größte Hürde in der Lieferdienstkette sei seiner Aussage nach die „letzte Meile“, also das finale Wegstück der Ware bis zur Kundschaft. „Aktuell ist das deutlich zu teuer“, so Friedeboldt. Je höher der Umsatz bei den Lieferungen, desto höher die Kosten für Personal und entsprechender Infrastruktur. Der Inhaber spricht aus eigener Erfahrung, hatte zwei Jahre lang einen Online-Lieferdienst betrieben und trotz Wachstums eingestellt. Whizzy sieht er als ernsthafte Option, um klassische Einkäufe an die Kundschaft zu bringen.
Strausbergs Bürgermeisterin äußert Bedenken
Deutlich zurückhaltender zeigte sich Strausbergs Bürgermeisterin Elke Stadeler (parteilos). Sie gehöre zur Generation, die gerne in den Supermarkt ginge, um dort Menschen zu treffen. Außerdem äußerte sie Bedenken hinsichtlich der Raumnutzung in der Altstadt von Strausberg. „Das wird eng, wenn Whizzy neben Fahrradfahrern und Älteren mit Rollatoren durch die Stadt fährt.“ Sie plädiere daher dafür, parallel die Städte infrastrukturell anzupassen, wofür wiederum Geld nötig sei. „Ich wünsche viel Erfolg mit dem Projekt, aber wir müssen weiterdenken.“
Das haben die Projektverantwortlichen auch vor, wie Andreas Jonas vom STIC erklärte: Mit den Erfahrungen aus dem Projekt werde der Weg für die Transformation hin zu einem autonom-funktionierenden ÖPNV geebnet. „Das Projekt ist nur ein Zwischenschritt.“


