Paketdienst

Schon bald könnte ein Roboter die Pakete ausliefern

Bei immer mehr Online-Bestellungen kommen die Lieferdienste nicht immer nach. Deshalb arbeiten sie an Alternativen zu Transportern.

Liefer-Roboter von Starship: mit ihm sollen bald Pakete ausgeliefert werden.

Liefer-Roboter von Starship: mit ihm sollen bald Pakete ausgeliefert werden.

Foto: Starship Technologies / dpa

Hamburg.  Kommt das Paket bald ohne Boten an die Haustür? Der Paketdienst Hermes will die Zustellung mit Lieferrobotern des britischen Anbieters Starship Technologies ausprobieren. Ein Pilottest in Deutschland soll bereits in diesem Sommer starten, kündigten die beiden Unternehmen jetzt an. Fußgänger sollten sich also nicht wundern, wenn ihnen auf dem Bürgersteig demnächst ein Mars-Rover-ähnliches Fahrzeug entgegenkommt.

Allerdings ist noch nicht klar, an welchem Ort Hermes den Roboter für die Paketzustellung testen will. „Es wird auf jeden Fall eine Großstadt sein“, sagt Ingo Bertram, Sprecher des Unternehmens mit Sitz in Hamburg. „Wir haben in mehreren Städten einen Antrag zum Test des Roboters eingereicht.“ In Deutschland gibt es noch keine Regelungen für den Betrieb solcher Fahrzeuge, deswegen sind für Tests im Praxiseinsatz Ausnahmegenehmigungen erforderlich.

Fach ist mit Code gesichert

Die batteriebetriebenen Starship-Roboter haben sechs Räder und eine Reichweite von bis zu fünf Kilometern. Sie verfügen über ein mit PIN-Code gesichertes Fach, in dem bis zu 15 Kilogramm Gepäck verstaut werden können. Mit ihrer Last sollen die Lieferroboter vollautomatisch auf den Gehwegen unterwegs sein. Das Gerät erfasst seine Umgebung mit insgesamt neun Kameras. Zebrastreifen und Ampeln sollen erkannt werden, auch Bordsteinkanten könne es problemlos überwinden.

Bei bisherigen Tests in anderen Ländern wurden die Roboter meist noch von Menschen mitgesteuert. Später soll ein Mitarbeiter über das Internet etwa 50 bis 100 der Fahrzeuge überwachen und notfalls per Fernsteuerung eingreifen können.

Die Otto-Tochter Hermes plant die kleinen Transportroboter in ihren Filialen zu stationieren, wo sie aufgeladen und bepackt werden. Kunden, die sich ihre Warensendung in die Filiale senden lassen, können damit das Paket bis vor die Haustür geliefert bekommen.

Das neue Fahrzeug soll den Lieferwagen nicht ersetzen

Die Pläne sehen vor, dass sie dazu über eine Hermes-App auf ihrem Smartphone den Roboter anfordern. Per App meldet er sich auch, wenn er vor der Haustür steht. „Der Roboter soll keineswegs unsere Lieferwagen ersetzen, aber er kann für Einzellieferungen im Nahbereich durchaus eine Ergänzung sein“, sagt der Hermes-Sprecher Bertram. Ein denkbares Beispiel: „In Hamburg beträgt die durchschnittliche Entfernung der Shops zu ihren Kunden 400 Meter. Das könnte das Fahrzeug bewältigen.“

Nicht zuletzt suche der Paketdienst aufgrund der zunehmenden Beschränkungen für den Autoverkehr in den Innenstädten nach einer neuen, innovativen Lösung. Der neben der Deutschen Post größte deutsche Paketdienst rechnet damit, seinen Test mit den Lieferrobotern noch im Juli starten zu können.

Auch Metro könnte per Roboter liefern

Die Firma Starship Technologies mit Hauptsitz in London und einer Produktion im estnischen Tallin wurde im Jahr 2014 von den zwei Skype-Mitgründern Janus Friis und Ahti Heinla ins Leben gerufen. Das Unternehmen möchte schon im kommenden Jahr einen kommerziellen Service mit dem Roboter starten und peilt Kosten von rund einem Dollar pro Zustellung an.

Neben Hermes hat auch der Handelskonzern Metro Interesse an dem Konzept. Er zeigte den Zustellroboter in dieser Woche auf seinem Firmengelände. Auch andere Anbieter arbeiten an solchen Lösungen: So probierte die international tätige Pizzakette Domino’s bereits einen eigenen Lieferroboter in Australien aus.

Immer wieder testen auch Versandhändler einen eigenen autonomen Lieferservice. Amazon arbeitet bereits seit Jahren an der Herstellung zuverlässiger Drohnen, die die Waren per Luftfracht zu den Kunden ausliefern sollen. Zuletzt erprobte Blume 2000 die Versendung von Blumen mittels Drohnen. Diese können jedoch bei stärkerem Wind nicht starten. Dem Starship-Roboter auf dem Bürgersteig dagegen macht Wind nichts aus.